Missing Link: Schulplattform Logineo NRW – vom Rohbau zur Kernsanierung?

Seite 2: Projektphase Gelb (2017–2022) mit Pandemie und Lockdown

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Am 14. Mai 2017 wird Armin Laschet (CDU) Ministerpräsident einer CDU/FDP-Koalition. Yvonne Gebauer (FDP) übernimmt das Schulministerium ; vormals in der Opposition schulpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Im August 2017 wird der Start ein weiteres Mal ausgesetzt. Die Medienberatung NRW hatte die vom KRZN produzierte Software nicht abgenommen. Laut einer Antwort der Landesregierung im November 2018 auf eine kleine Anfrage war die "Stabilität bei perspektivisch hohen Nutzerzahlen nicht validiert." Das hat verwundert: Wurde bis zum Jahr 2018 etwa nicht geprüft, ob die aktuell etwa 2,5 Mio. Schüler und knapp 213.000 Lehrkräfte an insgesamt 5.404 allgemein- und berufsbildenden Schulen das System auch nutzen können?

Für einen Teil des bildungspolitischen Fachpublikums löste dies große Zweifel an der Gesamtkonstruktion der Plattform aus. Die Regierung kündigte eine weitere Nachbesserung und eine erneut verschobene Inbetriebnahme angekündigt.

Ein Jahr später – im November 2019 – startet Logineo dann, aber nicht wie erwartet. Zunächst sollte Logineo nur als reine Arbeitsplattform für die Lehrkräfte eingesetzt werden – und das auch nur mit einer schleichenden Registrierung der Schulen (140 Schulen pro Monat – die die Plattform wollen – bis spätestens 2022). Bis dahin verschlang die Entwicklung von Logineo schon 5,8 Millionen Euro. Der Leistungsumfang enthielt bis dahin: rechtssichere, dienstliche E-Mail-Adressen und Kalenderfunktionen, Speicherbereich für den Austausch von Dokumenten und Unterrichtsmaterial, besonders gesicherter Datensafe für personenbezogene Daten von Schülern.

Die aufkommende Corona-Pandemie machte der Regierung dann einen Strich durch die Rechnung. Mit Beginn der bundesweiten Lockdowns im März 2020 sollte auch Logineo dabei helfen, den nunmehr fehlenden Präsenzunterricht zu ersetzen. Allerdings informierte das Schulministerium erst am 10. Juni 2020, dass ab sofort allen öffentlichen Schulen und Ersatzschulen die digitale Lernplattform Logineo NRW LMS zusätzlich und ebenso kostenlos wie Logineo NRW zur Verfügung steht. Das LMS basiert auf dem etablierten Open-Source-System Moodle. Dabei gab es gerade im Schulministerium jahrelang Vorbehalte gegen Moodle, unter anderem aufgrund der in der Anfangszeit fehlenden sogenannten Mandantenfähigkeit.

Auch konnte der Eindruck entstehen, es handele sich bei Logineo NRW LMS um eine Eigenentwicklung auf der Basis von Moodle. Fakt ist: Es wurden nur das Logineo-Logo draufgeklebt und der Eingangswebseite des Systems ein etwas anderer Anstrich verpasst. Mit der Betreuung und der Organisation des Hostings der zahlreichen Instanzen des LMS wurde die erfahrene, in Berlin ansässige Firma eLeDia GmbH beauftragt.

Dass via LTI-Schnittstelle digitale Lernmedien aus dem kommunalen EDMOND-NRW Mediendienst in Moodle bzw. Logineo NRW LMS eingebunden werden können, mussten die Lehrkräfte, unterstützt vom kommunalen Support, selbst herausfinden. Monatelang gab es keine offizielle Erwähnung dieser Option, weder vom Landesinstitut für Schule QUA-LIS, noch direkt vom Ministerium.

Im August 2020 wurde das Angebot um den Logineo NRW Messenger ergänzt. Das System für Echtzeitkommunikation ist realisiert mit dem freien Client namens Element, basierend auf dem ebenfalls freien MATRIX-Kommunikationsprotokoll. Eine technisch gesehen vernünftige Übergangslösung. Im Januar 2021 folgte die Erweiterung des Messengers um die Videokonferenz-Software Jitsi, die in den Messenger integriert wurde. Die freie Software Jitsi ist serverseitig schlank. Jitsi Meet benötigt keine Installation eines eigenen Clients, sondern läuft im Browser.

Allerdings brachte eine kleine Anfrage im März 2021 zutage, dass der Logineo NRW Messenger mit Chat- und Videofunktion von der SVA Systems Vertrieb Alexander GmbH betrieben wird, die beides bei Amazon Web Services (AWS) hosten lässt. Das sorgte für Irritationen, denn auch die europäische Tochter des US-Konzerns unterliegt dem US-Cloud-Act. Der Datenschutz – zumal der von Kindern und Jugendlichen – wurde damit berührt.

Aus öffentlichen Ausschreibungen für das Hosting der Komponenten der Logineo-Familie geht hervor, dass seit 2021 nunmehr Projektleitung und Projektverantwortung einer externen Unternehmensberatung obliegt, der Firma BearingPoint GmbH, einer mehrfach ausgezeichneten, auf den Bereich Management- und Technologieberatung spezialisierten Unternehmensberatung, ursprünglich ein Ableger des globalen Beratungsnetzwerkes KPMG. Vermutlich spielte für die Entscheidung, eine externe Beratungsfirma zu beauftragen, die Pandemie eine Rolle.