Eighties-Machismo extrem: der Lamborghini LM 002

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Weniger Leistung kam für Lamborghini nicht in Frage. Wenn die Vorderräder abhoben, dann fehlte es ihnen einfach an Anpressdruck. Wir bauen den Motor vorne ein! Und wir nehmen einen größeren! Das taten sie: Sie bauten den Zwölfzylinder-V-Motor aus dem Countach direkt hinter die Vorderachse, der in dieser ungewohnten Umgebung 444 PS leistete. Der LM 002 war geboren. Zielgerichtet vermarktete Lambo ihn an Ölscheichs: Große, gut erreichbare Luftfilter! Sandbereifung erhältlich! Und das offene Heck, das ist gut für euer Hobby, die Falkenjagd! Bei einem Preis von rund 130.000 US-Dollar waren Ölscheichs und Ähnlichgroßverdiener nämlich die Einzigen, die sich das Fahrzeug leisten konnten, denn damals war der Dollar noch eine wesentlich härtere Währung als heute.

Der LM 001 mag kein Geniestreich gewesen sein, aber der LM 002 war das ganz große Kino. Es hatte so ein Auto nie vorher in Serie gegeben und es gab auch nachher kein vergleichbares. Der "Rambo Lambo", wie ihn die Amis nannten, war von Anfang an dazu gebaut, um über den Sand zu fliegen. Praktisch jeder Kunde wollte (und bekam) eine Extrawurst. Pirelli konstruierte eigens für ihn monumentale Walzen (Scorpion Zero 345/60 R17). Es gab einen Mischreifen für Straße und Sand, und es gab reine Sandreifen für die Falkenjagd. Außer Gelände mussten die Reifen die Höchstgeschwindigkeit von deutlich über 200 km/h aushalten, das Gewicht von 2,7 Tonnen und das V12-Drehmoment von 510 Nm, das die Metallkiste trotz Gewicht, trotz Schrankwandaerodynamik in 8,2 Sekunden auf 100 km/h zwang. Trotz hervorragender Notlaufeigenschaften trug der LM ein immer riesiges Reserverad. Auf das kam es dann bei der Tonnage auch nicht mehr an. Der Durchschnittsverbrauch von über 30 Litern auf 100 km war dem Sultan egal, weil es Tanks von 190 bis 400 Liter Fassungsvermögen gab.