Ein Besuch bei Hollywood Hot Rods

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Nicht nur die überdimensionale Zeichnung an der Wand schafft Eindruck. Auch die Fahrzeuge, an denen in der düsteren Halle herumgebastelt wird, lassen nicht nur Hot-Rod-Fans das Wasser im Munde zusammenlaufen. Dass man über Gestänge, Bauteile und Motoren klettern muss, scheint hier keinen der Angestellten zu stören. Metall- und Entwicklungsarbeiten sowie der Zusammenbau findet in der Werkstatt selbst statt. Nur die aufwendigen Lackierungen sowie die Arbeiten an Leder und Holz gehen die Fahrzeuge zu Fremdfirmen, die hierauf spezialisiert sind.

„Oft kommen die Leute nur mit groben Ideen zu mir und wissen selbst nicht genau, wie das Auto hinterher aussehen soll und wohin die Reise geht”, erklärt Troy Ladd, „einfach ein Auto zu choppen, das machen viele. Doch das ist mir zu wenig. Es muss ein echtes Kunstwerk werden. Flammen und wilde Malereien an der Seite sollen andere machen. Wir bauen viele Autos von null auf und haben noch nicht einmal ein Chassis.” Troy und Greg arbeiten an den Projekten mit Basisfahrzeugen der späten 20er und frühen 30er-Jahre nicht allein. Insgesamt werkeln in der Palm Avenue acht Profis, die genau wissen, was sie tun – jeder ein Spezialist auf seinem Gebiet. Die Leidenschaft zu Vorkriegsmodellen verbindet sie alle und ganz nebenbei ist jeder für sich genommen ein wahrer Künstler.

Die Auftragslage ist, vorsichtig ausgedrückt, prächtig. Wer einen coolen Hot Rod will, muss sich lange gedulden. Die Wartezeit liegt aktuell bei zwei bis fünf Jahren für ein komplettes Auto. Neben den Komplettkreationen werkeln die Hollywood Hot Rodder auch an Teilprojekten herum. Andere Firmen bringen besonders schwierige Detailarbeiten gerne zu Troy und seinen Experten. Was die Künstlertruppe rund um Troy Ladd kann, sieht man bei einem Abstecher in den offiziellen Eingangsbereich. Durch eine unscheinbare weiße Holztür geht es ins Vorzimmer. Die Wände selbst sind hier kaum zu erkennen. Hunderte von Magazinen, Pokalen, Auszeichnungen und Fotostrecken hängen und stehen dort. Kaum ein Projekt der letzten knapp 15 Jahre, das hier nicht künstlerisch in Szene gesetzt wurde. Vieles dreht sich um die großen Events der SEMA in Las Vegas und den Hot-Rod-Höhepunkt jedes Jahres im kalifornischen Pomona.

Troy Ladd und seine Kollegen bauen Vorkriegsklassiker von Ford oder Chevrolet nicht nur aufwendig um. „Einige Projekte entstehen vom Reißbrett komplett neu”, erklärt der King of Chop, „wir machen dann alles selbst: Rahmen, Aufbau, Karosserie – wirklich alles.” Neben der fehlenden Originalität ist das ein Grund, wieso man in Deutschland und Europa kaum Hot Rods sieht. Die neu gestalteten oder umgebauten Klassiker bekommen hier keine Zulassung. „Ich habe lange Jahre auf der SEMA in Las Vegas gearbeitet", lacht Greg Guenthard, „unglaublich was wir bei Teilen und Zulassungen immer für Probleme mit dem deutschen TÜV hatten. Verrückt, was es da für Richtlinien gibt. Bei uns in den USA und selbst vielen anderen Ländern auf der Welt hat man davon noch nie gehört.” Hollywood Hot Rods verkauft seine Schmuckstücke aus den 30er Jahren jedoch nicht nur in den USA. „Einige Autos gehen nach Skandinavien. Besonders in Schweden ist man ganz heiß auf Hot Rods”, erläutert Guenthard, „aber wir haben auch einige Kunden aus Frankreich, Spanien und England.”