In voller Breite: Panorama-Software

Seite 3: Autopano Pro, AutoStitch und Hugin

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Autopano Pro zeigt, was moderne Stitcher leisten können. Schon beim Laden der Bilder braucht man sich keine Gedanken zu machen, welche Fotos zu welchem Panorama gehören. Es genügt, ein Verzeichnis mit einer oder mehreren Aufnahmereihen auszuwählen. Nach einem Klick auf "Erkennung starten" stellt der Stitcher die Einzelbilder eigenständig in Gruppen zusammen und präsentiert auf der rechten Seite des Programmfensters Vorschaubilder aller Panoramen. Eine Übersicht informiert über die voraussichtliche Qualität der zusammengesetzten Bilder und weist auf kritische Übergänge hin, die sich im Editor durch Feinjustieren oder Setzen neuer Kontrollpunkte korrigieren lassen.

Autopano Pro bietet eine Menge an Korrekturwerkzeugen, mit denen sich zum Beispiel Panoramen anhand beliebig vieler senkrechter Linien entzerren lassen.

Prognostiziert Autopano ein gutes Resultat, rendert man per Mausklick entweder eines oder im Stapelbetrieb alle Panoramen und lässt die fertigen Bilder bei Bedarf automatisch zuschneiden. Wer neben seiner Arbeit am PC im Hintergrund Panoramen erstellen will, dürfte die Option schätzen lernen, die Priorität für den Lauf in mehreren Stufen einzustellen. Bei niedriger Priorität kann man dann weiter arbeiten, ohne dass der Stitcher den ganzen PC lahmlegt. Eine kurze Meldung in der Taskleiste signalisiert dann die Fertigstellung.

Autopano glänzt mit einer Vielzahl an Optionen zur Optimierung, die wir für die Testpanoramen nur zum Teil nutzen mussten. An den Landschaftsaufnahmen gab es nichts zu bemängeln, selbst sehr starke Helligkeitsunterschiede konnte Autopano perfekt ausgleichen. Durch die Möglichkeit, beliebig viele senkrechte und waagerechte Linien zu ziehen, an denen das Programm die Perspektive ausrichtet, ließen sich Rathaus und Oper in den Architekturaufnahmen in die optimale Form bringen – Mauersimse, Balkone und Wände standen danach absolut gerade. Im Marktplatz-Panorama aus zwei Aufnahmereihen war als einziger Fehler ein Versatz im Laternenpfahl zu sehen. Dieses Problem ließ sich durch manuelle Korrektur der Kontrollpunkte schnell beheben.

Einfacher als in AutoStitch geht es kaum: In den Optionen stellt der Anwender zunächst Bildgröße und Dateiformat für das zu erzeugende Panorama ein und lädt danach die Einzelbilder. Dabei ist es unerheblich, ob die gespeicherten Fotos zu derselben Aufnahmereihe oder zu einem anderen Motiv gehören – die zugehörigen Fotos erkennt der Stitcher eigenständig, auch aus aus mehreren übereinander liegenden Bilderreihen, und setzt diese ohne weiteres Zutun des Nutzers zusammen.

In den Testpanoramen störten allerdings deutliche Schatten in den Überblendbereichen, was in ziemlich unscharfen Bildern resultierte. Bei größeren Helligkeitsunterschieden der Einzelbilder funktionierte der Helligkeitsausgleich nicht einwandfrei, sodass die Übergänge zwischen den Einzelbildern sehr deutlich zu erkennen waren. In detailärmeren Überlappungsbereichen fand AutoStitch oft nicht genügend identische Stellen, um die Bilder korrekt zu platzieren. Im Kreta-Panorama beispielsweise sackten deshalb Horizont und Meer auf der linken Seite nach unten ab. In den Architekturaufnahmen mangelte es am Perspektivausgleich. Mangels manueller Eingriffsmöglichkeiten lassen sich solche Fehler leider nicht ausmerzen. Könnte AutoStitch die Panoramen nicht nur im JPEG-Format, sondern auch als TIF- oder Photoshop-Datei mit separaten Ebenen für die Teilbilder speichern, könnte man einige Patzer wenigstens in einem Bildbearbeitungsprogramm beseitigen. Ein solches ist übrigens nötig, um die fertigen Panoramen zuzuschneiden, da AutoStitch dies ebenfalls nicht selbst erledigt.

Bislang litt Hugin unter dem Ruf, dass Anwender erst nach ausgiebiger Lektüre diverser Tutorials mit dem Programm zurechtkommen könnten. Hugin beruht auf den Panorama Tools von Helmut Dersch und verpasst diesen eine Oberfläche, die alle für Panoramen wichtigen Funktionen steuert. Seit Version 7 hilft ein Assistent, schneller mit dem Stitcher zurechtzukommen, indem er nur die notwendigen Schritte vorgibt.

Beim Setzen der Kontrollpunkte in Hugin bleibt dem Anwender unklar, wann der Optimierer eine gute Verteilung ermittelt. In den Testpanoramen prognostizierte er trotz stundenlangem TĂĽfteln kein einziges gutes Ergebnis.

Im Idealfall muss der Anwender lediglich die Bilder laden, diese mit dem standardmäßig mitinstallierten Autopano-sift ausrichten lassen und mit einem Mausklick das Panoramabild erstellen. Autopano-sift analysiert dann zunächst die Einzelbilder, findet in den Überlappungsbereichen identische Stellen und markiert sie durch Kontrollpunkte. Ein automatisch gestarteter Optimierer gibt anschließend Hinweise aus, ob die Bilder gut oder schlecht zusammenpassen.

Von einer schlechten Prognose sollte sich der Anwender allerdings nicht täuschen lassen, denn im Test empfahl Hugin bei allen Panoramen, man möge die Kontrollpunkte wegen der schlechten Lage überprüfen. Dazu muss man im Editor, der jeweils ein Bildpaar anzeigt, mehrere identische Stellen markieren. Ein roter oder grüner Balken über den Bildern sollte dann eigentlich anzeigen, ob Anzahl und Lage der Kontrollpunkte für ein gutes Resultat reichen. Doch auch nach mehrstündiger Arbeit gelang es nicht, sie so zu positionieren, dass sich der Balken grün färbte.

Danach verließen wir uns lieber auf die Vorschau, in der bis auf eine Ausnahme keine groben Fehler zu erkennen waren. Nach Anpassen des Horizonts durch Ausrichten der Bilder an einer waagerechten Linie ließen sich die Panoramen dann auch problemlos erstellen. Lediglich in einer Aufnahmereihe, in der sich ein Bildpaar nur geringfügig überlappte, fand Autopano-sift keine geeigneten Punkte – mit einem hässlichen Knick im Panorama als Folge. Angesichts der Warnungen des Optimierers erstaunten die übrigen Resultate umso mehr: Im Marktplatz- und im Kreta-Panorama störten weder unterbrochene Linien noch irgendwelche Schatten selbst an kritischen Stellen, an denen andere Stitcher zu kämpfen hatten. Lediglich im Opern-Mosaik passten mehrere Einzelbilder nicht exakt zusammen, was man durch manuelle Eingriffe sowie viel Zeit und Übung wohl doch noch hätte korrigieren können. Die komplizierte Bedienung und der erhebliche Aufwand für Korrekturen verlangt aber trotzt Assistenten sehr viel Zeit zum Einarbeiten.