Insel-Koreaner: Der Chevrolet Captiva 3.2 im Test
Seite 2: Insel-Koreaner: Der Chevrolet Captiva 3.2 im Test
Gutes Untergrund-Gefühl
Eins ist ganz klar, der Captiva zählt zu den SUVs (Sports Utility Vehicle), die nur optisch offroadtauglich sind. Der Allradantrieb schaltet sich über eine Hydraulik-Kupplung nur bei Bedarf zu, Differenzialsperren oder eine Untersetzung sucht man vergebens. Aber auf der Straße schlägt sich der Koreaner gut. Selbst bei tiefen Schlaglöchern ärgert er die Gäste nicht mit dem typischen SUV-Trampeln. Kleinere Unebenheiten und Querrillen auf der Autobahn sind nur zu hören, nicht zu spüren. Selbst in schnellen Kurven bleibt der Wagen, gemessen an seiner Größe, recht souverän, wobei man es nicht übertreiben sollte. Das teilweise in dieser Fahrzeugklasse auffällige Wanken und Nicken wird auch im Chevy geboten. Insgesamt wurde das Fahrwerk des Captiva mit dem Schuss Bequemlichkeit versehen, die dem Konzernnamen „Chevrolet“ alle Ehre macht. Dabei ist die Lenkung alles andere als schwammig, bei hohen Geschwindigkeiten wirkt sie durchaus direkt.
Dicker Säufer
Die Topmotorisierung des Captiva stellt zur Zeit ein V6-Benziner mit 3,2 Litern Hubraum. Diese legen 230 PS an die Räder. Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 204 km/h, wobei die 100-km/h-Schallmauer innerhalb von recht knackigen 8,8 Sekunden fällt. In der Tat spurtet das Fahrzeug in unteren Geschwindigkeitsregionen gut ab. Jenseits der 100 km/h sieht es da schon anders aus. Hier frisst die weiche Fünfstufen-Automatik eine gehörige Portion Kraft weg und das auf dem Papier ordentliche Drehmoment von 300 Newtonmetern scheint sich in Luft aufzulösen. Nur ganz langsam und unter heftigem Motorgedröhne kämpft sich das Aggregat nach oben. Umso misslicher ist das, wenn man auf der Überholspur der Autobahn hart abbremsen muss, wenn kurz vor einem ein Fahrzeug unbedacht ausschert. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis man die 180 km/h wieder erreicht hat. Ist man dort angekommen, geht es recht sportlich weiter. Dabei wird der Spritvorrat schamlos weggezecht: 14,7 Liter soff unser V6 im Schnitt auf 100 Kilometern in sich hinein, maximal waren es sogar 17,3 Liter. Die Strecke Berlin München wird also von einem Tankstopp unterbrochen – mindestens.