Missing Link: Hätt' ich Dich heut' erwartet - 15 Jahre YouTube aus der Sicht erfolgreicher YouTuber
Seite 2: Oğuz Yılmaz / Y-Titty: "Plötzlich haben die Kids auf dem Schulhof über unsere Videos geredet"
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Oğuz Yılmaz war bis 2015 als OG Teil von Y-Titty, einem der erfolgreichsten deutschen Youtube-Kanäle überhaupt. Nach dem Ende des Comedy- und Musiker-Trios wechselte er im Gegensatz zu seinen Kollegen Phil Laude und Matthias Roll jedoch hinter die Kamera und ins Influencer-Management.
(Bild: Keba)
"Auf YouTube gestoßen sind wir damals, wie die meisten, durch virale Videos, die man sich gegenseitig geschickt hat. Phil und TC, die beiden anderen Mitgründer von Y-Titty, waren immer diejenigen, die mehr vor der Kamera stehen und Schauspieler oder Comedians auf der großen Bühne werden wollten. Besonders für die beiden war YouTube eine Möglichkeit sich auszuleben und ihren großen Vorbildern wie Bully Herbig nachzueifern. Wir haben mit ungefähr 16 oder 17 aus Spaß angefangen, lustige Videos zu drehen. Die ersten ein oder zwei Jahre war YouTube vor allem eine Plattform, um solche Videos mit Freunden zu teilen. Später kamen dann Sketche und Musik dazu, wir haben zum Beispiel Songparodien und eine Twilight-Sitcom gemacht. Als das YouTube-Partnerprogramm dazukam, haben wir im ersten Monat zwar nur zwanzig Euro verdient, aber wir konnten das Geld mit der Zeit in eine neue Kamera und Fahrtkosten reinvestieren. Das war absolut bahnbrechend für uns."
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"Danach ging es Schlag auf Schlag, unsere Abozahlen sind in die Hunderttausenden gestiegen, die Kids haben angefangen, auf dem Schulhof über unsere Videos zu reden. 2012 waren wir mit etwa einer Million Abonnenten der größte Kanal in Deutschland, plötzlich waren wir nicht mehr zu dritt, sondern ein Team von zehn Leuten. Eines meiner persönlichen Highlights war, einmal bei der 'Stock Car Crash Challenge' von Stefan Raab mitfahren zu dürfen, und auch die Videodays als eine Art YouTube-Festival, bei denen wir als Headliner vor tausenden Leuten aufgetreten sind. Und natürlich, dass wir einen Echo gewonnen haben und ich einfach in Jogginghosen auf die Bühne gegangen bin, um den Preis abzuholen."
"2015 haben wir uns die Frage gestellt, was danach kommen soll und wer wir sein wollen. In der öffentlichen Wahrnehmung waren wir vor allem für unsere Musik bekannt, wie eine Boyband, die eben auf YouTube aktiv ist. Und jede Boyband muss sich irgendwann trennen. Es wäre dumm gewesen, den Namen dieses Kanals einfach nur totzureiten und als Personen keinen eigenständigen Fuß in die Medienwelt zu bekommen. So kann heute jeder das machen, was er am besten kann – für die anderen beiden bedeutet das weiter vor der Kamera zu stehen, auf die Bühne zu gehen. Mir hat das auch sehr viel Spaß gemacht, aber in der Öffentlichkeit zu stehen ist nicht das, wovon ich am meisten zehre. Ich habe mich auch damals schon um die Technik, Analytics und das Optimieren der Videos gekümmert."
"So habe ich erkannt, dass ich dabei helfen kann, dass mehr Menschen YouTube verstehen und für bessere Inhalte nutzen können. Deshalb habe ich mit einem Partner aus der Agenturbranche meine erste Firma gegründet, die nach einigen Jahren aber stärker wachsen wollte. Dort bin ich ausgestiegen und habe ein Jahr lang das Management des Kanals 'Mirellativegal' weitergemacht und dieses Jahr mit Felix Hummel 'YilmazHummel' gegründet. Ein kleines Management, nur wir beide und nur eine Handvoll YouTube-Kanäle, die etwas mit Nachhaltigkeit oder veganer Ernährung zu tun haben. Aktuell betreuen wir die drei Kanäle 'Mirellativegal', 'Dariadaria' und 'Vegan ist ungesund', die im deutschsprachigen Raum die bekanntesten im Bereich Veganismus und Nachhaltigkeit sind."
"Ich lebe selbst seit vier Jahren vegan, das Thema ist seit rund zwei Jahren auf YouTube präsenter geworden. Seitdem wächst das Interesse von Firmen, auch an Influencer-Marketing – nicht nur zum Thema Veganismus, sondern zu grünen, nachhaltigen Produkten allgemein. Mich freut das einerseits, aber andererseits sind wir dabei auch kritisch und wollen wissen, ob es nur um 'Greenwashing' geht oder ob ein Unternehmen echtes Interesse daran hat, sich zu ändern. Aber wir möchten es auch unterstützen, wenn große Namen wichtige Signale in dieser Richtung setzen."