Missing Link: Hätt' ich Dich heut' erwartet - 15 Jahre YouTube aus der Sicht erfolgreicher YouTuber
Seite 3: Katrin Fricke / coldmirror: "Es ist blöd, dich vom YouTube-Algorithmus abhängig zu machen"
(Bild: Screenshot YouTube Bubbles)
"Damals, im fernen Jahr 2006, habe ich YouTube zuerst als eine von vielen Videohosting-Plattformen wahrgenommen – aber im Gegensatz zu anderen Seiten konnte man die Videos direkt in seine Homepage einbinden. Damals ging es noch überhaupt nicht darum, mit YouTube berühmt zu werden. Ich habe nur Sketch-Videos mit meiner damaligen Freundesgruppe gedreht, für die Jugendredaktion des Offenen Kanals Bremen, und das wollte ich dem Internet zeigen und habe es in damals noch superschlechter Qualität auf YouTube hochgeladen. Außerdem habe ich meine eigenen Harry-Potter-Synchronisationen gemacht, weil mir im Studium so langweilig war, dass ich mich kreativ ausleben musste. Ich war damals wie heute ein großer Fan von Harry Potter und habe den ersten Film als Parodie neu vertont."
"Mein Kanal war zu Zeiten der Synchros eine Weile lang der größte in Deutschland, während der absoluten Hochzeit der Harry-Potter-Verfilmungen. Das war ein komisches Gefühl, weil ich eigentlich immer Eigenbrötlerin war und einfach meine Videos gemacht habe. Plötzlich gab es jede Menge Leute, die das lustig fanden. Ich habe also ein Talent entdeckt, von dem ich nicht wusste, dass es als Talent bezeichnet werden könnte – ich dachte immer, ich mache nur Quatsch und plötzlich waren da Leute, die das wertschätzen."
"Zu den Anfangszeiten von YouTube gab es auch noch keine Möglichkeit, Werbung vor die Videos zu schalten, höchstens vielleicht Sponsoring-Verträge oder Schleichwerbung. Ich verteufele niemanden, der Werbung macht und dafür ein neues iPad umsonst bekommt – ich weiß nicht, ob ich das damals ausgeschlagen hätte, aber ich fand das System schon damals überhaupt nicht gut. Es ist auch heute blöd, dich vom YouTube-Algorithmus mit all seinen Bugs abhängig zu machen. An einem Tag bekommst du Hunderttausende Klicks und kannst deine Miete bezahlen – am nächsten Tag nicht mehr, weil sich der Algorithmus geändert hat. Ich bin froh, dass so etwas bei mir nie passiert ist."
"Ein richtiges Konzept für meinen Kanal hatte ich erst 2010, weil der Jugendsender YouFM vom Hessischen Rundfunk mich gefragt hat, ob ich Gaming-Reviews für sie machen möchte. Später hatte ich bei Einsfestival von der ARD eine Fernsehsendung, die einmal im Monat mitten in der Nacht lief – das war aber nur ein Zusammenschnitt aus meinen YouTube-Videos. Außerdem habe ich mit Animationen angefangen: Ich habe bekannte Anime-Serien parodiert und dafür die 'Japanoschlampen' erfunden. Dadurch habe ich meine Liebe zu Animationen entdeckt – inzwischen sieht man mich kaum noch auf meinem YouTube-Kanal, weil ich sehr gerne zeichne und das vertone."
"Dem funk-Netzwerk der Öffentlich-Rechtlichen beizutreten, war dann der logische nächste Schritt, denn wer schaut heute noch lineares Fernsehen? Damit bin ich von den Öffentlich-Rechtlichen finanziert und kann auf YouTube weiter das machen, was ich möchte. Dort gibt es zwar nicht mehr dieselbe kleine Community von Kreativen wie früher, sondern viel mehr Werbung und Firmen, aber auch heute noch findet man dort viele gute Kanäle – wenn man weiß, wo man hinschauen muss."
"Perspektivisch versuche ich mich von YouTube aber ein wenig zu entfernen, weil ich nicht weiß, wie lange man diese Welle noch reiten kann und ob Video-Künstler irgendwann verdrängt werden. Ich könnte mir durchaus vorstellen, die Plattform zu wechseln, Hörspiele zu machen und generell viel mit meiner Stimme zu arbeiten – je nach dem, was YouTube aus sich selbst macht."