Missing Link: Hätt' ich Dich heut' erwartet - 15 Jahre YouTube aus der Sicht erfolgreicher YouTuber

Seite 4: Alex Böhm / Alexi Bexi: "Viele erwarten von einem Video auf YouTube eine klare Kaufempfehlung"

Inhaltsverzeichnis

Alex Böhm betreibt als Alexi Bexi einen der größten deutschen Tech-Kanäle auf YouTube. Der studierte Regisseur dreht aber auch Kurzfilme, arbeitet als Synchronsprecher und unterrichtet inzwischen an der Hamburg Media School.

(Bild: Alex Böhm)

"Etwa ab 2004 habe ich Onlinevideos veröffentlich, damals aber noch auf einer eigenen Homepage, handmade in Dreamweaver oder auch Frontpage. Etwas später, etwa ab 2005 oder 2006, habe ich auf 'Blödelplattformen' wie Clipfish oder ähnlichem hochgeladen – und parallel war ich schon auf sevenload mit einem eigenen wöchentlichen Infotainment-Magazin im Internet unterwegs. Die Plattform musste jedoch eines Tages ihre Pforten schließen. Die einzig brauchbare Alternative technisch wie inhaltlich war damals YouTube – Seiten wie Metacafe waren eigentlich auf die USA beschränkt, YouTube hatte wenigstens schon eine Handvoll europäische und deutsche Zuschauer am Start."

"Früher ging es mir bei meinen Videos nur um Comedy. Wahrscheinlich, weil man mental auch noch nicht so weit war und die Welt da draußen noch nicht verstanden hatte und einen einfachen Schenkelklopfer als das nächste große Ding gesehen hat – wie auch, wenn man nur seine eigene Blase hatte. Glücklicherweise half das Internet mir dabei, für all die komplexen Dinge auf der Welt ein Verständnis zu bekommen, deswegen sind mir heute Geschichten und Nachhaltigkeit wichtig. Deswegen wird bei mir nicht – wie bei vielen Kollegen – jedes noch so unnötige technische Gerät getestet, sondern gezielt nach 'sinnvoll" und "sinnfrei" herausgesucht und dargestellt."

"Da meine Kanal-Historie mit Comedy, Musik, Gesellschaft, Kurzfilmen und Tech sehr facettenreich ist und die Community deswegen auch schon stark strapaziert wurde, – Stichwort 'Sehgewohnheiten aufbrechen' – schauen zu einem jeweils gleich großen Teil die Menschen meine Inhalte wegen mir, aber auch wegen der Inhalte selbst. Wobei die Inhalte im Endeffekt auch mich ausmachen, der Grad zwischen Kunstfigur und echtem Alex ist schon sehr schmal. Deswegen sehe ich mich nicht zwingend als Kaufberatung, sondern als jemand, der gern zu Diskussionen und zum Mitdenken anregt. Natürlich versteht das nicht jeder, weil viele eben eine klare Richtung durch Videos auf YouTube erwarten à la 'Das musst du kaufen!', das wäre dann aber eigentlich Werbung. Und das ist wieder ein ganz anderes Thema."

"Große Reichweite sollte große Verantwortung mit sich bringen mit der man auch etwas anstellt, egal über welches Hauptthema man sonst redet. Über Tech zu reden ist beispielsweise ein absolutes First-World-Problem. Zwischendurch und gezielt mit Kurzdokus und ernsteren Videos zu zeigen, was es noch so Schlimmes, Schönes oder Absurdes auf der Welt gibt, ist nicht nur mir wichtig, sondern sollte bei allen mindestens im Hinterkopf geparkt sein. Für mich gibt es seit jeher einen Unterschied zwischen 'Influencer' und 'Content Creator'. Die einen sind Litfaßsäule, die anderen Kreativ-Schaffende. Dass die Begriffe wild durch die Gegend geworfen werden, interessiert leider den Großteil nicht, deswegen haftet eine gewisse Negativität nicht nur am Wort oder an manchen Existenzen, sondern auch an vielen Kooperationen, weil die Erwartungshaltung völlig verzerrt ist. Ich versuche weiterhin ein 'Nicht-Influencer' zu sein, auch wenn es durch Agenturen und Medien definitiv nicht leicht ist."