Mit Köpfchen: Stativ-Neiger und -Kugelköpfe
Seite 3: Manfrotto 804RC2 und 322RC2
Manfrotto 804RC2
Der italienische Stativexperte Manfrotto schickt neben einem Kugelkopf einen 3- Wege-Neiger in den Vergleich. Der 804RC2 ist mit 70 Euro einer der günstigen Kandidaten im Feld. Gefertigt ist er aus Kunststoff, für die Positionskontrolle hat man die drei Hebel griffig gummiert. Ist der richtige Bildausschnitt gefunden, werden mit einem einfachen Dreh an den Griffen die Achsen festgestellt. Die sind nur durch Reibung gedämpft und laufen, verglichen mit einer Fluid-Dämpfung, recht unruhig. Erfreulicherweise hat Manfrotto eine Dämpfungsfeder in die Neigeachse integriert. Sie schützt die Kamera vor unplanmäßigen Abstürzen und ermöglicht saubere Schwenks. Standard ist das in dieser Preisklasse nicht.
Mit der Bedienung des Manfrotto 804RC2 kommt man dank des logischen Aufbaus gut zurecht – die Messwerte des Neigers fallen dagegen schlecht aus.
Wer andere Manfrotto-Produkte sein Eigen nennt, wird sich über die klassische Stativplatte im typischen Markendesign freuen. Wenn das auch kein Industriestandard ist, bleibt die Norm wenigstens unter dem roten Siegel gleich. Mit einem Klick sitzt die Platte in ihrer Kupplung – mehr ist bei der Kamerabefestigung nicht nötig. Ein schönes Detail neben der Kupplung ist die eingelassene Libelle.
Doch bei schwerem Foto-Equipment kommt der Kopf schnell an seine Grenzen. Bei der Verwindungsmessung gibt es deutliche Schwächen, und auch bei der Feststellabweichung büßt der Manfrotto Punkte ein. Selbst bei leichter Feststellung der Klemmen weicht der Kopf sehr deutlich vom gewünschten Motiv ab.
Manfrotto 322RC2
Es gibt auch Kugelköpfe mit Griff, und die Idee ist gar nicht schlecht. Jedenfalls ähnelt der 322RC2 von Manfrotto der Handbremse eines Wohnanhängers. Und so ähnlich funktioniert er auch: Griff zusammendrücken, Kamera einstellen, loslassen; und da regt sich nichts mehr. Das macht Freude, das bringt Spaß, denn schneller ist kein Kopf. Außerdem ist das System mit das sicherste für die Optik und die Technik, die es tragen soll. Denn wenn der Fotograf unvermittelt den Griff loslässt, beklemmt er die Kugel automatisch.
Der Pistolengriff des 322RC2 fixiert die Kugel, sobald der Fotograf seine Hand löst. Die Kamera kann so nicht abstürzen.
Linkshänder dürfen sich laut Manual den Griff auch gerne auf die linke Seite ummontieren. Gleich bleibt immer die Schnellwechselkupplung, die ebenso einhändig zu bedienen ist und die daneben liegende Libelle für das richtige Niveau. Wenn das Kameragewicht dann doch mal schwerer ausfällt, lässt sich an einem großen Rad die Friktion nach eigenem Belieben nachstellen. Ein rotes Stäbchen informiert über die anliegende Federspannung. Beim Manfrotto 322RC2 ist die Kugel auf dem Stativ montiert, während bei den meisten Köpfen das Gehäuse auf dem Stativ Platz findet.
Aber auch der 322RC2-Kopf schwingt zu viel und liegt nur knapp vor dem 3-Wege- Neiger-Bruder aus demselben Haus. Toll hingegen die Feststellabweichung: Da gibt es rein gar nichts zu meckern, sondern nur zu loben. Allein Novoflex kann es genauso gut.