Opel: Stellenabbau und Kosten-Prüfstand für neue Modelle

Bei Opel sollen rund 1000 Arbeitsplätze in der Verwaltung abgebaut werden. Dazu will der neue Vorstand geplante Projekte auf den Prüfstand stellen

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Im Kampf gegen hohe Kosten setzt der Autobauer Opel den Rotstift auch beim Personal in der Verwaltung an. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Donnerstag) berichtete, sollen am Stammsitz Rüsselsheim 1000 Arbeitsplätze in der Administration abgebaut werden. Das wäre fast jede dritte der rund 3300 Stellen in der Rüsselsheimer Verwaltung. Der Personalabbau werde „zeitnah“ erfolgen, schreibt die FAZ unter Berufung auf zwei Aufsichtsratsmitglieder der Adam Opel AG. Das Unternehmen bestätigte das Vorhaben im Prinzip, nicht aber die genannten Zahlen. „Wir haben wiederholt mitgeteilt, dass unsere Organisationsstruktur schlanker und beweglicher werden muss“, sagte ein Sprecher. Es sei Teil der Strategie „Drive Opel 2022“, Wachstum zu fördern und Kosten zu senken: „Im Bereich Kosten haben wir ... einen klaren Plan; Personalkosten gehören mit dazu.“

Mit neuen Modellen wie dem Cabrio Cascada will Opel aus der Krise fahren.

(Bild: Opel)

Aktuell werde intensiv mit dem Betriebsrat und der IG Metall über Kostensenkungen verhandelt. Dabei wollen die Arbeitnehmer unter anderem einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis Ende 2016 erreichen. Im Gegenzug steht eine Stundung oder sogar ein Verzicht auf die Tariferhöhung um 4,3 Prozent im Raum. Dadurch würde Opel etwa 40 bis 50 Millionen Euro im Jahr sparen, schreibt das Blatt. Nach dem Bericht soll der Abbau einerseits über staatlich geförderte Altersteilzeit erfolgen. Andererseits sollten zusätzlich Abfindungen im Gegenzug für ein freiwilliges Ausscheiden angeboten werden, hieß es unter Berufung auf die Aufsichtsratsmitglieder. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant.

Mit einer Modelloffensive will Opel eigentlich aus der Krise fahren. Doch nun stellt die neue Spitze des angeschlagenen Autobauers die Zukunftsstrategie erst einmal auf den Kosten-Prüfstand. „Wir nehmen noch einmal alle geplanten Modelle unter die Lupe und überprüfen deren Kalkulation“, sagte Opel-Finanzchef Michael Lohscheller dem Handelsblatt. „So stellen wir sicher, dass die Kostenbasis der neuen Modelle auch wirklich stimmt. Die Wirtschaftlichkeit unserer neuen Produkte ist für uns ein ganz entscheidender Punkt.“ Lohscheller lenkt die General-Motors-Tochter derzeit zusammen mit Interimschef Thomas Sedran.

Die Eckpfeiler der Strategie waren bereits vor dem Führungswechsel vor acht Wochen abgesteckt worden – damals noch unter Sedrans Vorgänger Karl-Friedrich Stracke. 23 neue oder überarbeitete Modelle und 13 neue Motoren sollen auf den Markt gebracht werden. Unter dem Titel „Drive Opel 2022“ will der angeschlagene Autobauer gegen die Absatzkrise ankämpfen. Sedran hatte bereits angekündigt, bei den neuen Modellen die Kosten zu drücken. „Da geht es um weit mehr als bei den Lohnkosten, hier werden wir die wesentlichen Effekte erzielen“, hatte er der Nachrichtenagentur dpa vergangene Woche gesagt. Opel habe seine Autos lange mit teuren Anforderungen gebaut, die andere Hersteller auch im deutschen Oberklasse-Bereich nicht hätten. (dpa) (mfz)