Rolls-Royce Silver Ghost: Der Geist, den sie riefen

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Nur wenig später gab einen tragischen Rückschlag. Rolls starb 1910 bei einem Flugzeugabsturz. Er nahm an einem Präzisionsflugwettbewerb bei Bournemouth teil, als sein Doppeldecker der Gebrüder Wright abstürzte. Die Geschäftsleitung übernahm Johnson. Bereits damals stand er im Ruf, in der Firma „Rolls-Royce“ der Bindestrich zwischen den beiden Namen zu sein. Er war es, der als Geschäftspartner bereits das Autogeschäft von Rolls prägend mitgestaltet hatte und er war es, der den Kontakt zwischen Rolls und Royce bei einer 1000-Meilen-Ausfahrt des Royal Automobile Club (RAC) herstellte. Ein Club, dessen erster Sekretär er war. Die Marke Rolls-Royce sollte er für die restliche Firmengeschichte prägen.

Zwar stammte die Firmenvision, also das Zitat „strive for perfection“, von Royce, doch Johnson erfüllte es mit Leben. Auch Emily, der Spirit of Ecstasy, wurde in seinem Auftrag für Rolls-Royce adaptiert. Ursprünglich hatte Lord Montagu of Beaulieu, der auch das Magazin „The Car“ herausgab, den Künstler Charles Sykes beauftragt eine Kühlerfigur nur für seinen Silver Ghost zu entwerfen. Für die Figur stand Eleanor Velasco Thornton, Sekretärin und Geliebte von Montagu, Modell.

Weil der Trend der Kühlerfiguren um sich griff, entstanden einige Skulpturen, die für die Autos wenig schmeichelhaft waren. Fanden zumindest Johnson und Royce. Weswegen Sykes gleich noch einmal beauftragt wurde. Diesmal ganz offiziell von Rolls-Royce. Im Februar 1911 war die Figur fertig. „The Whisperer“ ähnelte dem Original-Modell, das er für Montagu gefertigt hatte, stark. Eine Frau hebt den Finger an die Lippen, der Fahrtwind presst das dünne Kleid gegen den Körper. Johnson akzeptierte. Angeblich allerdings ohne die Zustimmung von Royce, der zwar gegen die Skulptur war, sich aber gerade in Krankenstand befand.

Der ursprüngliche Name – Spirit of Speed – setzte sich allerdings nicht durch. Johnson befand, dass Rolls-Royce für sehr viel mehr als nur Geschwindigkeit stehe und änderte den Namen in „Spirit of Ecstasy“. Also den Geist der Verzückung. Immerhin konnte Royce Anfang der 30er Jahre eine Änderung der Figur durchsetzen. Weil die Karosserien immer flacher wurden, musste auch die Spirit of Ecstasy kleiner werden, die fortan kniete. Beide Versionen wurden parallel angeboten.

Der Silver Ghost war ein Meilenstein in der Geschichte von Rolls-Royce. Es war der Wagen, auf dessen Motorhaube Emily erstmals durch die Welt gefahren wurde, der die Qualitätsansprüche und Zuverlässigkeitsversprechen der Marke untermauerte und der obendrein noch für diverse Rekordfahrten sorgte. Lawrence von Arabien setzte die gepanzerte Version im Kampf gegen die türkischen Truppen ein und verlieh ihr das Siegel „wertvoller als Rupien“. Das irische Militär, das mit den Fahrzeuge die IRA bekriegte, musterte sie erst 1944 aus. Und auch das nur, weil keine passenden Reifen mehr verfügbar waren. Heute werden die Silver Ghosts zu Fantasiepreisen gehandelt, die je nach Vorbesitzer und Zustand stark variieren können - falls überhaupt mal ein Exemplar verkauft wird. (mfz)