Bundesregierung plant Energiesteuer-Senkung und 1000 Euro PrÀmie

Angesichts hoher Spritpreise beschließt die Koalition eine befristete Energiesteuer-Senkung und steuerfreie Krisen-Boni.

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Esso Tankstelle

(Bild: Martin Franz / heise medien)

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  • dpa
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Die schwarz-rote Koalition hat angesichts der PreissprĂŒnge infolge des Iran-Kriegs Entlastungen der Verbraucherinnen und Verbraucher beschlossen. Um die Spritpreise zu senken, soll es befristet fĂŒr zwei Monate eine Senkung der Energiesteuer geben. Bereits 2022 nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatte es einen befristeten „Tankrabatt“ gegeben. Zudem soll es Arbeitgebern ermöglicht werden, eine steuer- und abgabenfreie EntlastungsprĂ€mie in Höhe von 1000 Euro zu zahlen. Eine Ă€hnliche PrĂ€mie gab es in der Corona-Pandemie.

Die Energiesteuer bei Diesel und Benzin soll um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter gesenkt werden – dies soll auf zwei Monate begrenzt sein. Ab wann genau die Energiesteuer gesenkt werden soll, ist unklar. „Damit werden wir sehr schnell die Lage fĂŒr die Autofahrer und fĂŒr die Betriebe im Land verbessern und vor allem fĂŒr diejenigen, die vor allem aus beruflichen GrĂŒnden sehr viel mit dem Auto unterwegs sind“, sagte Kanzler Friedrich Merz (CDU). Die Bundesregierung erwarte, dass die Mineralölwirtschaft diese Entlastung direkt und ohne EinschrĂ€nkung an Verbraucher weitergebe. Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil sagte: „Wir lassen die Menschen in dieser Krise nicht allein.“ Er sprach von einer spĂŒrbaren Entlastung.

2022 hatte die Bundesregierung als Reaktion auf die infolge des Ukraine-Krieges extrem gestiegenen Spritpreise einen auf drei Monate befristeten „Tankrabatt“ eingefĂŒhrt. Damals wurde die Energiesteuer fĂŒr Diesel um 14,04 Cent pro Liter gesenkt, fĂŒr Superbenzin um 29,55 Cent pro Liter. Weil auf diese BetrĂ€ge auch die Mehrwertsteuer wegfiel, ergab sich insgesamt eine Reduzierung der Steuern auf Sprit um knapp 17 Cent bei Diesel und gut 35 Cent bei Benzin.

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Merz dĂ€mpfte Erwartungen an langfristig wirkende Entlastungen bei den Spritpreisen. „Der Staat kann nicht alle Unsicherheiten, nicht alle Risiken, nicht alle Disruptionen der Weltpolitik auffangen.“ Was die Regierung aus dem Haushalt nehme, fehle an anderer Stelle. „Deswegen ist diese UnterstĂŒtzung auf zwei Monate begrenzt. Danach wird automatisch wieder der alte Steuersatz gelten. Das bedeutet ehrlicherweise, dass jedenfalls dann die Preise auch wieder steigen werden.“

Die Gegenfinanzierung der steuerlichen Entlastungen soll durch „kartellrechtliche oder steuerrechtlich abgesicherte“ Maßnahmen gegenĂŒber den Mineralölwirtschaftsunternehmen erfolgen, wie es in einem Beschlusspapier der Koalition heißt. Ob es eine „Übergewinnsteuer“ auf krisenbedingte Extraprofite der Mineralölbranche gibt, ist aber weiter unklar. Die SPD spricht sich dafĂŒr aus, die Union lehnt sie ab.

Der ADAC begrĂŒĂŸte die Maßnahme, die er im Vorfeld gefordert hatte. Sie mĂŒsse nun auch bei den Autofahrern ankommen: „Es muss sichergestellt sein, dass sich die vollen 17 Cent an den ZapfsĂ€ulen niederschlagen“, sagt Verkehrs- und TechnikprĂ€sident Karsten Schulze: Mineralölkonzerne mĂŒssten nachweisen, dass Preise angemessen sind und Steuersenkungen weitergegeben wĂŒrden. Dazu muss auch die angekĂŒndigte VerschĂ€rfung des Kartellrechts umgesetzt werden, so dass das Bundeskartellamt Zugriff auf relevante Daten erhĂ€lt.

Arbeitgebern soll es in diesem Jahr ermöglicht werden, Krisen-Boni von bis zu 1000 Euro steuer- und abgabenfrei an ihre BeschĂ€ftigten zu zahlen. Finanziert werden soll dies durch eine Erhöhung der Tabaksteuer. Wie stark die Tabaksteuer erhöht werden soll und ab wann, ist unklar. CDU, CSU und SPD bekrĂ€ftigten außerdem, mit Wirkung zum 1. Januar 2027 eine große Reform der Einkommensteuer umzusetzen, um kleinere und mittlere Einkommen zu entlasten. Das kostet viele Milliarden, die Gegenfinanzierung ist offen. Im Kernhaushalt des Bundes klaffen in der Finanzplanung in den kommenden Jahren MilliardenlĂŒcken. Ende April sollen im Kabinett Eckpunkte des Haushalts beschlossen werden.

Die Koalition will das Kartellrecht weiter verschĂ€rfen. Das Kartellamt soll besser feststellen können, ob beim „Übergang von einer Marktstörung in eine wirtschaftliche Normallage“ sinkende Rohstoffpreise schnell an Verbraucher weitergegeben werden. Das zielt auf einen vom Bundeskartellamt beobachteten „Rakete- und Feder-Effekt“: Die Spritpreise steigen bei steigenden Rohölpreisen oft sehr schnell, also wie eine Rakete – dagegen gehen sie bei sinkenden Rohölpreisen nur langsam zurĂŒck, wie eine Feder.

Zudem will die Koalition darauf hinwirken, dass das Bundeskartellamt Möglichkeiten von Abhilfemaßnahmen nach Sektoruntersuchungen bis hin zu „Vorteilsabschöpfungen“ konsequent verfolgt. Die Koalition hatte in einem ersten Maßnahmenpaket bereits die Befugnisse des Kartellrechts erweitert. KartellamtsprĂ€sident Andreas Mundt schrieb aber im sozialen Netzwerk LinkedIn, Verfahren der Behörde brĂ€uchten ihre Zeit. Den „Knopf zur schnellen Preissenkung“ habe auch die jĂŒngste Novelle nicht gebracht.

Seit Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Spritpreise extrem stark gestiegen. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran hatte Teheran die fĂŒr den Öltransport wichtige Straße von Hormus vor seiner KĂŒste blockiert. Die Durchfahrt von Schiffen kam praktisch zum Erliegen. Die USA wollen nach den vorerst gescheiterten Friedensverhandlungen mit dem Iran heute mit einer von US-PrĂ€sident Donald Trump angekĂŒndigten Blockade der Straße von Hormus beginnen. Die Passage soll fĂŒr Schiffe blockiert werden, die iranische HĂ€fen anlaufen oder verlassen wollen.

Auf dem bisherigen Höhepunkt kurz nach Ostern war ein Liter Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt um gut 70 Cent teurer als vor Kriegsbeginn, ein Liter Super E10 um gut 41 Cent, wie Zahlen des ADAC zeigen. Erste Maßnahmen der Bundesregierung – die 12-Uhr-Regel, nach der nur noch einmal pro Tag die Preise erhöht werden dĂŒrfen – und zusĂ€tzliche Befugnisse fĂŒr das Bundeskartellamt hatten zunĂ€chst keine durchschlagende Wirkung.

Zuletzt waren die Preise wieder ein StĂŒck weit gefallen, weil der Ölpreis zwischenzeitlich deutlich nachgab. Die nach den gescheiterten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran aktuell wieder gestiegenen Ölpreise dĂŒrften sich allerdings in die andere Richtung auswirken. Am Sonntag hatte ein Liter Superbenzin der Sorte E10 im bundesweiten Tagesschnitt 2,10 Euro gekostet, ein Liter Diesel 2,293 Euro. Das waren leichte RĂŒckgĂ€nge zum Samstag.

(mfz)