Autos aus dem Ostblock

Das Buch "Autos aus dem Ostblock" schaut zurĂĽck in eine Zeit, als Wartezeiten fĂĽr neue Autos bei 10 Jahren lagen und Gebrauchtwagen teurer waren als Neuwagen.

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Inhaltsverzeichnis

Hannover, 7. Juni 2010 – Man stelle sich vor, der Händler erklärt einem bei der Bestellung eines Neuwagens, der Wagen komme so in zehn bis zwölf Jahren. Einige Monate davor würde er sich dann melden, damit der Käufer Farbe und Ausstattung bestimmen kann.

Was heute unvorstellbar scheint, war in der DDR Alltag. Auch dass eine bald fällige Autoanmeldung zum Preis eines Neuwagens oder gar darüber weiterverkauft werden konnte und Gebrauchtwagen, sofern sie nicht vollkommen verschlissen waren, zu enorm hohen Preisen gehandelt wurden, war in der DDR nicht ungewöhnlich. Der liebevollen Pflege der kostbaren Gefährte war es zu verdanken, dass am Ende doch fast alle ein Auto hatten.

Autos aus dem Ostblock (2 Bilder)

Ein Skoda 1102, der auch ins westliche Ausland exportiert wurde, wie die Lenkung auf der rechten Seite beweist.

Zu den immer längeren Wartezeiten kam, dass die meisten Ost-Autos zum Schluss hoffnungslos veraltet waren. Daran konnte auch der 1990 vorgestellte Trabant 1.1 mit einem Motor aus dem VW Polo nichts mehr ändern. Der Volksmund nannte ihn spöttisch „Mumie mit Herzschrittmacher“. Ingenieure mussten in den 1970er- und 1980er-Jahren Errungenschaften wie die Einführung einer „Kraftstoff­momentan­verbrauchs­anzeige“ feiern, während Modelle im Keller verschwanden, die durchaus auch im westlichen Ausland Chancen gehabt hätten. Doch die DDR-Führung hatte schlicht kein Interesse.

Der Trabi als typisches Ostgefährt dominiert die Wahrnehmung vieler Westdeutschen, doch es gab natürlich viel mehr Marken und Modelle, wie Bernhard Vermeylens Buch „Autos aus dem Ostblock“ schön illustriert. Gerade dass viele so wenig darüber wissen, macht die Lektüre besonders spannend. Mit Liebe zum Detail erzählt der Autor die interessante Geschichte des automobilen Alltags hinter dem eisernen Vorhang. Dabei kommen auch die Fahrzeuge aus den sozialistischen Bruderländern der DDR nicht zu kurz. Autos aus sieben Staaten wie Rumänien, Tschechoslowakei oder der Sowjetunion sind, mal mehr, mal weniger umfangreich beschrieben und machen dieses Buch zu mehr als einem reinen Bildband.