IG Metall und Zulieferer fordern Bekenntnis zur E-Mobilität
Industrie und Gewerkschaft haben in einem Schreiben an die Politik bessere Rahmenbedingungen für die Hochlauf der E-Mobilität gefordert.
Im vergangenen Jahr sank der Anteil von Autos mit batterieelektrischem Antrieb in Deutschland, in einigen anderen Ländern ging es weiter aufwärts. Im Bild: VW ID.Buzz (Test)
(Bild: Christoph M. Schwarzer)
- Martin Franz
- mit Material der dpa
Ihr Wort dürfte einiges an Gewicht in der anstehenden Debatte haben: Die Geschäftsführer und Betriebsratsvorsitzenden fünf großer Automobilzulieferer rufen Bundeskanzler Olaf Scholz zur Unterstützung der Autoindustrie auf. "Uns eint gemeinsam mit der IG Metall die tiefe Sorge um den Automobilstandort Deutschland", schreiben die Chefs und Arbeitnehmervertreter von Bosch, Continental, Mahle, Schaeffler und der ZF Group in einem offenen Brief an den Kanzler. Seit 2019 seien in der Zulieferindustrie fast 50.000 Stellen abgebaut worden, heißt es weiter. In den nächsten Monaten sei eine dramatische Beschäftigungslage zu erwarten. Auch die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner, selbst Mitglied der SPD, hat den Brief unterschrieben.
Hochlauf der E-Mobilität beschleunigen
Die Branchenvertreter fordern mehr politische Unterstützung, um Deutschland als leistungsstarken Industriestandort zu erhalten. Die Zulieferer spielten eine entscheidende Rolle in der Wertschöpfung und Innovation der deutschen Automobilindustrie, argumentieren sie. Ein zentraler Punkt des Appells ist die in den Augen der Zulieferer bestehende Notwendigkeit, den Hochlauf der Elektromobilität zu beschleunigen. Die Unternehmen hätten erheblich in diese Technologie investiert, doch der schleppende Marktstart gefährde die Rentabilität dieser Investitionen.
Technologieoffenheit
Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, plädieren die Zulieferer für steuerliche Erleichterungen und den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Zugleich fordern sie mehr Technologieoffenheit sowie die Berücksichtigung synthetischer Kraftstoffe, sogenannten E-Fuels, ab 2035. Mit ihnen ließen sich die Verbrennungsmotoren CO₂-neutral betreiben, wird oft argumentiert. Eine Produktionsmenge, die den Verkehrssektor spürbar weniger klimaschädlich machen würde, zeichnet sich aktuell allerdings global nicht ab – dass Hersteller auf diesen Sprit die Hoffnung bauen, auch nach 2034 in der EU massenhaft Neuwagen mit Verbrennungsmotor verkaufen zu können, ebenfalls nicht.
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Förderung gefordert
"Die aktuelle EU-Regulierung zu den CO₂-Flottengrenzwerten setzt sehr ehrgeizige Ziele", schreiben die Autoren. Um diese zu erreichen, müsse die Politik geeignete Rahmenbedingungen schaffen. In Deutschland wird die Elektromobilität aktuell unter anderem mit einer zeitlich befristeten Befreiung von der Kfz-Steuer und steuerlichen Anreizen auf die private Nutzung von elektrischen Dienstwagen gefördert. Letztere machen im Schnitt rund zwei Drittel der Neuzulassungen aus. Der ADAC sprach sich kürzlich dafür aus, vor allem verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist nur auf den ersten Blick überraschend gewählt. Einerseits wird der Adressat des Schreibens die darin formulierten Wünsche derzeit mangels Mehrheit kaum umsetzen können. Andererseits dient ein solcher Brief natürlich dazu, den eigenen Standpunkt vor einer Wahl auch den anderen Parteien zu verdeutlichen. Dass der Autoindustrie geholfen werden soll, ist unter fast allen Parteien unbestritten, die sich Chancen auf den Einzug in den 21. Bundestag ausrechnen dürfen. Gestritten wird noch darüber, in welcher Form.
(mfz)