Kaufprämie für E-Autos: Reanimierung hat Gegner und Befürworter
Eine staatlich finanzierte Kaufprämie für neue Elektroautos scheint in der Politik wieder denkbar. Das findet Zuspruch und auch Ablehnung.
Einen staatlich finanzierten Anreiz solle es nur für in Europa hergestellte E-Autos geben, meint IG-Metall-Chefin Christiane Benner. Im Bild: VW ID.4 (Test)
(Bild: Christoph M. Schwarzer)
- Martin Franz
- mit Material der dpa
Es mehren sich die Stimmen, die eine Rückkehr zu einer staatlichen Förderung des Absatzes neuer Elektroautos fordern. Nachdem die bisherige Bundesregierung im Dezember 2023 das plötzliche Ende der bis dahin geltenden Regelung beschlossen hatte, gibt es nun Überlegungen, genau das wieder einzuführen. Union und SPD wollen E-Autos mit einem Kaufanreiz fördern, wie sie in ihrem Sondierungspapier festgehalten haben. Das findet Befürworter wie Gegner.
IG Metall: "Anreize nur für E-Autos aus Europa"
IG-Metall-Chefin Christiane Benner ist gegen eine Rückkehr zu einer reinen Kaufprämie. "Eine reine Kaufprämie fände ich falsch, wir brauchen keine Strohfeuer", sagte Benner der Funke Mediengruppe. Zugleich schlug Benner andere Anreize vor: "Wir könnten aber zum Beispiel Dienstwagen gezielt begünstigen und private Käufer über die Einkommenssteuer entlasten." Auch über ein staatlich gefördertes Sozial-Leasing-Modell analog zu dem französischen könne man nachdenken - "also über spezielle Kaufanreize für Haushalte mit geringem Einkommen". Neue Anreize für den Kauf von E-Autos sollten Benner zufolge nur für in Europa hergestellte Fahrzeuge gelten. "Ich glaube, dass niemand verstehen würde, wenn damit ein in China gebauter BYD gefördert würde. Einen Kaufanreiz für rein in Europa gefertigte Modelle hielte ich für sinnvoller."
Die Lage der deutschen Autoindustrie bezeichnete Benner angesichts der Gewinneinbrüche bei Volkswagen, Porsche und BMW als "sehr besorgniserregend". "Wir fahren im Moment als deutsche Autoindustrie bei Batterietechnologien und Digitalisierung hinterher, was dazu führt, dass wir jetzt zunächst durch ein Tal durchmüssen, bevor es besser wird." Sie erwarte von den Unternehmen, "da jetzt mit uns durchzugehen und sich zum Standort zu bekennen". BMW hat im vergangenen Jahr nach Steuern einen Gewinn von 7,7 Milliarden Euro vorzuweisen, der Volkswagen-Konzern kam auf 12,4 Milliarden Euro.
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Elektroautos schon heute attraktiv
Das Automotive Cluster Ostdeutschland spricht sich für mehr staatliche Unterstützung zum Kauf von E-Autos aus. "Schon immer galt, dass in Krisenzeiten und Zeiten der Verunsicherung der Menschen die Kaufzurückhaltung zuerst bei den teuren Gütern erfolgt", sagte der Geschäftsführer Jens Katzek. Davon seien vor allem Autos betroffen. Nötig seien Kaufanreize sowie kalkulierbare Energiekosten, zumindest in der Übergangsphase. Katzek ist überzeugt, dass Elektrofahrzeuge bereits heute wesentlich attraktiver wären, wenn Unsicherheiten hinsichtlich Ladeinfrastruktur, Stromversorgung und Energiepreisen beseitigt würden.
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In Deutschland sind die Neuzulassungen von Elektroautos im vergangenen Jahr eingebrochen. Dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge wurden 2024 rund 380.600 rein elektrisch angetriebene Pkw erstmals zugelassen und damit gut ein Viertel weniger als ein Jahr zuvor. Die Ampel-Koalition hatte die Kaufunterstützung für gewerbliche Neuzulassungen im September 2023 planmäßig beendet. Nachdem ein Gerichtsurteil die Umwidmung von Krediten untersagt hatte, fehlten im Haushalt Milliarden.
Was von der Förderung übrig blieb
Vor diesem Hintergrund wurde die Kaufunterstützung auch für private Zulassungen im Dezember 2023 beendet. Übrig blieb in der staatlichen Förderung ein Hebel, der allerdings sehr weit reicht. Für die private Nutzung eines batterieelektrischen Dienstwagens müssen bis zu einem Fahrzeugpreis von 70.000 Euro nur 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden. Davon profitieren natürlich nicht alle gewerblichen Zulassungen, die in Deutschland einen Anteil von rund 66 Prozent haben, aber eben doch mehr als nur ein paar.
(mfz)