Bei Volvo übernimmt ein Deutscher das Steuer
- ssu
Der schwedische Pkw-Hersteller Volvo ist nun endgültig in chinesischer Hand. Der aufstrebende Autobauer Geely überwies am 2. August den Kaufpreis an den bisherigen Besitzer Ford. Geführt wird Volvo künftig aber von einem Deutschen: Stefan Jacoby, bislang US-Chef von Volkswagen und ein weitgereister Branchenkenner mit Asienerfahrung.
„Wir sind überzeugt, dass Volvo eine solide Zukunft unter Geely hat“, sagte Ford-Chef Alan Mulally in Dearborn im US-Bundesstaat Michigan. Geely-Verwaltungsratschef Li Shufu sprach von einem „historischen Tag“ für sein Unternehmen. Der größte private Autohersteller Chinas drängt mit aller Macht auf die internationalen Märkte. Die Chinesen zahlen für ihre Neuerwerbung 1,3 Milliarden US-Dollar (derzeit knapp 1 Milliarde Euro) in bar und legen eine Anleihe über 200 Millionen US-Dollar (153 Millionen Euro) oben drauf. Später im Jahr soll einvernehmlich entschieden werden, ob weiteres Geld fließt. Ford rechnet mit einer Nachbesserung.
Außer in Europa ist Volvo vor allem in den USA und Kanada sehr beliebt. Geely will die Schweden im Reich der Mitte und anderen Schwellenländern bekannter machen und damit die Stückzahlen in die Höhe treiben. Dabei setzen die neuen Herren im Hause auf das Image der Skandinavier als Hersteller von sicheren Autos. Die Wagen werden weiterhin in Schweden und Belgien entwickelt und gebaut. Technisch bekommt der verhältnismäßig kleine Hersteller Unterstützung von Ex-Mutter Ford. So liefern der US-Konzern bis auf weiteres Bauteile.
Der neue Volvo-Chef Jacoby bekannte sich ausdrücklich zu den Tugenden der Marke. Er übernimmt sein Amt am 16. August. Sein Vorgänger Stephen Odell wird bei Ford bleiben und das Europageschäft der Amerikaner führen.
In den Volvo-Verwaltungsrat ziehen bekannte Namen ein wie der ehemalige MAN-Chef Hakan Samuelsson oder Herbert Demel, der schon Audi führte, das Brasiliengeschäft von VW leitete, Fiats Autosparte auf Vordermann brachte und zwischenzeitlich auch als Opel-Chef im Gespräch war. Aktuell arbeitet er beim kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna.
Ford und Geely hatten den Kaufvertrag im März unterzeichnet. Der damals angegebene Gesamtwert lag bei 1,8 Milliarden US-Dollar (1,4 Milliarden Euro). Mit Volvo wechselte der zweite namhafte schwedische Autohersteller nach Saab den Besitzer. General Motors hatte Saab an den kleinen niederländischen Sportwagenbauer Spyker verkauft.
Die europäischen Töchter waren für die gebeutelten US-Autokonzerne zuletzt eine Belastung. Ford hatte vor Volvo bereits die britischen Nobelmarken Jaguar, Land Rover und Aston Martin abgestoßen. Die US-Traditionsmarke Mercury stampfte Ford-Chef Mulally ganz ein. Der Erfolg gibt ihm Recht: Ford schreibt nach miesen Jahren wieder Milliardengewinne. (dpa) (ssu)