DUH gewinnt gegen Apple: Watch nicht COâ‚‚-neutral
Apple gibt an, dass bestimmte Apple-Watch-Modelle COâ‚‚-neutral seien. Dagegen hatte die Deutsche Umwelthilfe geklagt, denn Apple nutzt Kompensationsprojekte.
Bild aus Apples "Mutter Natur"-Werbespot, in dem der Konzern unter anderem Projekte zur Klimaneutralität in den Mittelpunkt stellte.
(Bild: Apple)
Apple darf seine Computeruhren künftig nicht mehr als CO₂-neutral bewerben – zumindest in Deutschland. Das Landgericht Frankfurt untersagte eine solche Reklame als irreführend und folgte damit der Argumentation der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die eine Unterlassungsklage eingereicht hatte (Aktenzeichen 3-06 O 8/24). Die DUH sieht in Apples Werbung für die Apple Watch ein Greenwashing, da der Konzern die Uhr nicht vollständig klimaneutral herstellt und vertreibt, sondern dafür auch Kompensationsprojekte nutzt. Letztere gelten als umstritten, Apple argumentiert hingegen, dass der letzte Schritt zur CO₂-Neutralität anders nicht erreichbar ist.
Urteil noch nicht rechtskräftig
Die DUH begrüßte das Urteil, das allerdings noch nicht rechtskräftig ist – Apple darf noch Berufung einlegen. Allerdings muss die Bezeichnung der Watch als "CO₂-neutral" bis zur letztinstanzlichen Entscheidung unterlassen werden. Das Ordnungsgeld für Verstöße wurde vom Gericht auf 250.000 Euro pro Fall festgelegt. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch sagte in einer Stellungnahme, Apple erwecke fälschlicherweise den Eindruck, dass seine als CO₂-neutral beworbenen Uhren eine ausgeglichene CO₂-Bilanz hätten.
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"Dieses Versprechen täuscht die Verbraucherinnen und Verbraucher, denn es fußt auf einem CO₂-Ablasshandel mit einem untauglichen Kompensationsprojekt." Die "angebliche CO₂-Speicherung", so Resch in kommerziellen Eukalyptus-Plantagen sei zeitlich auf nur noch wenige Jahre begrenzt. "Die vertraglichen Sicherheiten für die Zukunft genügen nicht und die ökologische Integrität der Monokultur-Flächen ist nicht gegeben."
Werbung fĂĽr Ă–ko-Uhren seit 2023
Apple hatte vor zwei Jahren drei seiner Smartwatch-Modelle in der Werbung als "CO₂-neutral" tituliert. Ein Großteil der Emissionen, so der Konzern, würde bereits bei der Herstellung und dem Transport vermieden. Nur ein "kleiner Rest" müsse über naturbasierte Kompensationsprojekte ausgeglichen werden. Die DUH sieht darin Greenwashing. Die Farmen würden alle 14 Jahre abgeholzt. Schon bei der ersten Verhandlung im Juni hatten die Richter durchblicken lassen, dass von Apple genutzte Kompensationsprojekte möglicherweise nicht langfristig genug sein. Der Konzern gab zu, dass bei einem Aufforstungsprojekt in Paraguay erst 25 Prozent der Fläche langfristig gesichert und einzelne Flächen nur bis zum Jahr 2029 gepachtet sind, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Das Gericht wünschte sich einen Zeitraum von 2045 bis 2050.
Apple sieht sich trotz der Kritik im Recht. Die Produkte sind demnach das Ergebnis wichtiger Innovationen in Sachen Erneuerbare und eines CO₂-neutralen Designs. Apple betont zudem, nur in ausgewählte Projekte der Kompensation zu investieren. Der Konzern will über die gesamte Lieferkette hinweg bis 2030 klimaneutral werden, das schließt allerdings auch weiterhin Kompensation ein. Zunächst blieb unklar, ob Apple gegen das Urteil in Frankfurt Berufung einlegt. Die EU will schon ab 2026 die Zügel bei Klimaaussagen in der Werbung anziehen und bestimmte Aussagen verbieten.
Inzwischen liegt eine Stellungnahme Apples zu dem Urteil vor. Darin heißt es, Apple bleibe fest entschlossen, "weiter Emissionen zu reduzieren — durch branchenführende Innovationen rund um saubere Energie, kohlenstoffarmes Design" und mehr. "Wichtig ist, dass das Gericht unseren strengen Ansatz zur CO₂-Neutralität grundsätzlich bestätigt hat." Mit seinen Maßnahmen sei Apple "auf dem besten Weg, bis 2030 unsere gesamte Lieferkette CO₂-neutral zu gestalten". Der Konzern verwies zudem auf einen in der vergangenen Woche erschienenen Artikel im US-Wirtschaftsmagazin Fast Company, in dem es heißt, dass Apple aufgrund der neuen EU-Regelungen auf den Begriff künftig auf Verpackungen, in Anzeigen und Produktseiten verzichten will.
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(bsc)