US-Automarkt: Deutsche Premium-Marken wachsen gegen den Trend

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Von
  • Sven-Olaf Suhl
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Die Autoverkäufe in den Vereinigten Staaten sind im August im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen: Im August 2009 hatte die US-Version der Abwrackprämie noch scharenweise Neukunden in die Autohäuser gelockt. Vom derzeitigen negativen Trend konnten sich jedoch vor allem einige deutsche Premiummarken abkoppeln. Überraschungssieger war zudem Chrysler. Der vom italienischen Fiat-Konzern Fiat kontrollierte kleinste der drei großen US-Hersteller fuhr ein Verkaufsplus von 7 Prozent ein.

Schwer tat sich im August allerdings BMW auf dem für die Münchner wichtigen US-Markt. Die Verkäufe der Kernmarke legten zwar um 1,6 Prozent auf 19.540 Fahrzeuge leicht zu, wie das Unternehmen mitteilte. Der Gesamtabsatz der BMW Group litt aber unter den schwachen Zahlen der Kleinwagentochter Mini, deren Absatz um mehr als 13 Prozent auf 4425 Wagen sank. Somit kam insgesamt ein Minus von 1,6 Prozent heraus. Im bisherigen Jahresverlauf sieht es aber für die Münchner insgesamt besser aus: Seit Anfang des Jahres steigerte BMW die Verkäufe um mehr als 5 Prozent auf knapp 169.000 Wagen der Marken BMW und Mini.

Europas größter Autobauer Volkswagen musste im August gar einen Verkaufsrückgang hinnehmen. Mit 22.855 Wagen wurden knapp 8 Prozent weniger verkauft als im Vorjahresmonat. Die VW-Verantwortlichen verwiesen auf den Effekt der US-Abwrackprämie und versprachen erneute Steigerungen in den nächsten Monaten. Im nächsten Jahr wollen die Wolfsburger mithilfe des neuen Werks in Chattanooga auf dem US-Markt richtig durchstarten. Die Volkswagen-Tochter Audi will dagegen vorerst nicht in den USA produzieren, steigert dort ihre Verkäufe aber kontinuierlich. Im August betrug das Plus nach Angaben des Branchendienstes Autodata 14 Prozent auf knapp 9200 Autos.

Die Daimler AG konnte im August mit der Marke Mercedes-Benz ein Absatzplus von rund 15 Prozent auf fast 20.000 Wagen verbuchen. Besonders gefragt waren die Modelle der C- und E-Klasse. In den Zahlen sind seit diesem Jahr auch die Verkäufe des Transporters Sprinter enthalten. Der Stadtwagen Smart bleibt in den USA ein Exot: Nur 448 wurden im August ausgeliefert, mehr als 72 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Porsche legte vor allem dank der neuen Generation des Cayenne zu. Mehr als 50 Prozent betrug der Zuwachs bei diesem Modell. Insgesamt kauften die Amerikaner mit 2032 Porsches ein Drittel mehr als noch im Vorjahresmonat. Auch der viertürige Panamera war weiterhin gefragt. Nicht jedoch die klassischen Zweisitzer-Sportwagen der Stuttgarter. Sowohl beim 911er als auch beim Cayman ging es zweistellig bergab.

Der US-Branchenprimus General Motors (GM) verlor im Vergleich zum Vorjahr 11 Prozent der Verkäufe und setzte knapp 185.000 Fahrzeuge der Marken Chevrolet, Buick, GMC und Cadillac ab. Im Vergleich zum Vorjahr seien gemischte Ergebnisse zu erwarten gewesen, sagte der GM-Vertriebschef für die USA, Don Johnson. Der Rückgang entfiel vollständig auf die Marke Chevrolet, die im vergangenen Jahr stark vom Abwrackprogramm profitiert hatte. Seit Anfang des Jahres verzeichnete der in Detroit ansässige Konzern mit seinen verbliebenen Marken eine Absatzsteigerung von 23 Prozent.

Ford musste ebenfalls Federn lassen. Der Absatz der drei Marken Ford, Lincoln und Mercury ging zusammengenommen um 11 Prozent zurück auf 157.500 verkaufte Autos. Das Unternehmen machte unter anderem den Wegfall der US-Abwrackprämie für die starken Einbußen bei den kleineren Modellen verantwortlich – der Focus-Absatz rauschte mit einem Minus von fast 40 Prozent nach unten.

Richtig hart erwischt wurde Toyota. Der Weltmarktführer musste in den USA im August ein Minus von mehr als einem Drittel wegstecken. 148.400 Käufer entschieden sich für die japanische Marke. Toyota gehörte im Vorjahr zu den absoluten Profiteuren des US-Abwrackprogramms. Fast ein Fünftel der staatlich geförderten Neuwagenverkäufe entfielen auf Toyota. (dpa-afx) (ssu)