Tesla: Frühlings-Update bringt eigene App für autonomes Fahren

Tesla kündigt ein umfangreiches Frühlings-Update an. Neben einer zentralen App für das autonome Fahren gibt es Verbesserungen für Grok und andere Funktionen.

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Bildschirmfoto des Spring Update von Tesla

Im Spring Update der Tesla-Software soll unter anderem eine neue App für das Self-Driving integriert sein, die Statistiken zum Gebrauch von FSD anzeigt.

(Bild: Tesla)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Spielereien in der Software sind Tesla-Fahrer gewohnt und viele mögen sie. Beim teilautonomen Fahren, von Tesla Full Self Driving (FSD) Supervised genannt, gab sich der Autohersteller bislang aber vergleichsweise zurückhaltend: In Ländern, in denen FSD Supervised angeboten wird, war es lediglich ein schlichter Button, der den Vorgang einleitete. Bedenkt man, wie lange FSD beworben wurde, ohne dass Tesla liefern konnte, fiel das geradezu schmucklos aus. Das ändert sich jetzt mit der Ankündigung eines großen Frühlings-Updates.

Mit dem Spring Update 2026 soll eine eigene Self-Driving-App Einzug halten. Sie bleibt allerdings Fahrzeugen mit AI4-Hardware (HW4) vorbehalten, wie Tesla auf X mitteilt. Diese wurde ab März 2023 zunächst bei Model S und X eingeführt und später, teilweise erst ab 2024, auch beim Model 3 und Model Y eingesetzt. Spürbare Verbesserungen wurden auch bei der Integration des KI-Chatbots Grok, der bereits für Tesla-Fahrer in Europa freigegeben wurde, beim bisherigen Hunde-Modus bei der Klimaanlage, der künftig als Haustiermodus bezeichnet wird (Hund, Katze oder Igel wählbar), und bei der Akzentbeleuchtung in bestimmten Fahrzeugtypen angekündigt. Diesen Leuchtstreifen in den Türen und im Sichtbereich des Armaturenbretts haben Fahrzeuge wie das Model 3 Highland, Cybertruck und Model Y Juniper.

Die neue Self-Driving-App soll zu einer zentralen Anlaufstelle für die teilautonomen Fahrzeugfunktionen werden. Nutzer finden dort leichten Zugang zum monatlichen FSD-Abo, das Tesla zuerst in den USA als Nachfolge der Einmalzahlung eingeführt hatte. Vor allem aber stehen die Zeichen auf Gamification: Diagramme zeigen auf einen Blick an, bei wie vielen Gelegenheiten und auf wie vielen Kilometern die FSD-Funktionen bisher eingesetzt wurden. Streaks, also mehrtägige Serien, sollen offenbar aufzeigen, welchen Stellenwert FSD für den jeweiligen Fahrer hat – und im besten Falle dazu motivieren, ein Abo abzuschließen oder ein vorhandenes zu behalten.

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Die App bündelt auch Einstellungen, die bislang anderswo zu finden waren: Der Fahrstil kann laut den veröffentlichten Bildschirmfotos ebenso eingestellt werden wie das Verhalten am Zielort, ob also das Fahrzeug versuchen soll, gleich einzuparken. Eine ähnliche Fernsteuerungsfunktion zum Einparken und Rangieren war zuletzt Gegenstand einer US-Untersuchung, die jedoch eingestellt wurde. In wie vielen Fällen der Nutzer beim automatischen Fahren die Nerven verloren hat und die Kontrolle doch wieder übernommen hat, zeigt die Statistik indessen augenscheinlich nicht. Erst vor kurzem wurde FSD Supervised in den Niederlanden als erstes EU-Land zugelassen und damit erstmals in der Europäischen Union. Wann Deutschland folgt, ist noch unklar. Zuvor hatte Tesla die FSD-Funktionen unter anderem bereits in den USA, China, Australien und Neuseeland veröffentlicht. In Praxistests konnte das überwachte FSD-System bereits in europäischen Großstädten wie Hamburg seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Personen, Objekte oder Fahrzeuge im toten Winkel wurden in bestimmten Tesla-Fahrzeugen wie dem aktuellen Model 3 (Highland) bereits mit einem rot leuchtenden Punkt im Türrahmen signalisiert. Die Software warnt zudem mit einem roten Balken im Display und einem Ton. Mit der neuen Software kündigt Tesla an, dass solche Warnungen bei eingeschaltetem Blinker oder im geparkten Zustand neu auch mit der Akzentbeleuchtung einiger Fahrzeuge signalisiert werden sollen. Diese Leuchtstreifen dienen bislang vor allem dekorativen Zwecken, etwa in Verbindung mit Musik. Modder hatten die Streifen aber schon unter anderem als zusätzliches Blinkersignal „zweckentfremdet“. Jetzt springt offenbar auch Tesla auf den Zug auf, mehr Nutzen daraus zu ziehen.

Erstaunlich wenig tut sich beim KI-Assistenten Grok. Der kann aktuell nur bei der Bedienung der Kartennavigation eingreifen – und das soll wohl vorerst auch so bleiben. Weder die Klimaanlage noch weitere Fahrzeugfunktionen sind via Grok bedienbar. Neu ist hier nur, dass Grok auch Erinnerungen für bestimmte Orte setzen können soll. Immerhin kann die Funktion künftig aber auch mit dem Sprachkommando „Hey Grok“ aktiviert werden. Das Aktivieren war dank der Möglichkeit, wahlweise durch langes Drücken der Sprach-Taste am Lenkrad oder über den App-Launcher zu starten, weniger das Problem. Schwieriger war es bislang aber, Grok wieder zu deaktivieren. Dies soll mit dem neuen Sprachkommando „Goodbye“ möglich sein.

Weitere Neuerungen des Spring Updates betreffen vor allem Komfort und Unterhaltung. Das Sketchpad, Teslas bordeigenes Zeichenprogramm, erhält Unterstützung für Sticker und Emojis; Zeichnungen lassen sich künftig speichern und in der mobilen App abrufen sowie teilen.

Nützliches kommt auch für die Reiseplanung: Die Energiestatistiken lassen sich künftig über mehrere, manuell erstellte Trips hinweg verfolgen. Ein Wisch nach links auf dem Mediaplayer genügt, um schnell auf den Verbrauch der aktuellen Fahrt zuzugreifen. Die Wetterkarte zeigt fortan Schnee und Regen in verbesserten Farben, um Niederschlagsarten leichter unterscheiden zu können; zusätzlich lässt sich die Wetterlage der vergangenen Stunde entlang der Route nachverfolgen.

Auch die Dashcam wurde überarbeitet: Die Aufzeichnungsdauer wächst auf bis zu 24 Stunden, und einzelne Clips können dauerhaft auf dem Fahrzeug gespeichert werden. Praktisch für alle, die Software-Updates bislang manuell anstoßen mussten: Tesla ermöglicht nun die automatische nächtliche Installation heruntergeladener Updates, sofern das Fahrzeug geparkt und nicht in Betrieb ist. Für Fahrzeuge des neuen Model 3 und Y mit Premium-Audio-Ausstattung verspricht Tesla mit „Immersive Sound“ ein verbessertes Klangerlebnis, das Audioinhalte räumlicher darstellen soll.

Das Spring Update soll schrittweise ausgerollt werden. Ein fester Termin wurde nicht genannt. Berichten zufolge verzögert sich die Integration von Apple CarPlay bei Tesla aufgrund technischer Hürden mit iOS 26 weiter.

(mki)