Chinesische Autos drängen auf den deutschen Markt

Einige chinesische Automarken, darunter BYD und MG Roewe, gewinnen in Deutschland immer höhere Marktanteile. Der Iran-Krieg könnte ihre Expansion beschleunigen.

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BYD Seal

(Bild: Christoph M. Schwarzer / heise Medien)

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Lange galten chinesische Autos in Deutschland als Randphänomen. Nun drängen sie aus der Nische heraus, und der Iran-Krieg könnte ihre Expansion beschleunigen. Chinesische Automarken gewinnen in Deutschland und Europa immer mehr Marktanteile. Im ersten Quartal waren es rund 3,1 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland, wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes hervorgeht. Das ist zwar nur ein kleiner Anteil, doch er wächst schnell: Im Gesamtjahr 2025 waren es 2,4 Prozent, 2024 erst 1,7 Prozent.

Vor allem zwei Marken liegen aktuell vorne: BYD und MG Roewe, die im ersten Quartal 2026 zusammen deutlich mehr als die Hälfte der chinesischen Neuzulassungen in Deutschland ausmachen. Europäische Marken in chinesischer Hand wie Volvo oder Smart sind dabei nicht mitgezählt. Auf EU-Ebene sind die chinesischen Marken noch stärker. Die Zahlen des Branchenverbandes ACEA für Januar und Februar – März liegt noch nicht vor – zeigen allein für BYD einen Marktanteil von 1,8 Prozent und für die MG-Marke SAIC, zu der auch noch Maxus gehört, 1,9 Prozent.

„Die machen unheimlich Druck“, sagt Stefan Reindl, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Ein zentrales Element dabei ist der Autohandel, denn einige chinesische Marken haben inzwischen relevante und schnell wachsende Händlernetze aufgebaut. 180 Standorte waren es vor einigen Wochen bei MG Roewe, rund 155 bei BYD und inzwischen könnten es schon mehr sein, sagt Reindl. Dazu kommt die Firma Leapmotor, die durch eine Kooperation mit Stellantis inzwischen auf etwa 120 Standorte kommt. „Die Marken haben erkannt, dass es für Erfolg in Deutschland ein Händlernetz braucht, zur Sichtbarkeit und für Beratungsmöglichkeiten vor Ort.“

Die Aussichten auf weiteres Wachstum sind für die stärkeren chinesischen Marken in Deutschland also durchaus gut. Reindl geht davon aus, dass sich nicht alle, die aktuell hierzulande antreten, etablieren werden. „Eher fünf bis sechs Marken mit einem Marktanteil von insgesamt vielleicht acht bis zehn Prozent“, erwartet er. Der deutsche Markt sei anspruchsvoll und wettbewerbsintensiv, und man dürfe die hohe Loyalität und Präferenz zugunsten heimischer Marken nicht unterschätzen. Einen Teil ihres aktuellen Wachstums verdankten die Marken zudem hohen Eigenzulassungen auf den Handel und Verkäufen an Autovermieter mithilfe hoher Preisnachlässe. Zu solchen Mitteln greifen Autohersteller, um den Absatz anzuschieben. Sie sind aber teuer.

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Im Straßenbild sind chinesische Marken noch recht selten. Von den 49,5 Millionen Autos, die in Deutschland am 1. Januar 2026 zugelassen waren, stellen sie nur 131.000 – das sind 0,26 Prozent. Die Tendenz ist aber schnell steigend. In China selbst wächst der Druck auf die Autohersteller, Fahrzeuge im Ausland abzusetzen. Der heimische Markt bleibt hart umkämpft, Preisschlachten unter den Herstellern zehren an den Margen. Umso stärker boomt das Exportgeschäft, vor allem bei elektrifizierten Fahrzeugen.

In China konzentriert sich die Entwicklung vorrangig auf Elektroautos. Im Bild: Xpeng 7+

(Bild: Dirk Kunde / heise Medien)

Im März verschifften chinesische Autohersteller laut dem dortigen Branchenverband CPCA rund 349.000 Elektro- und Hybridautos ins Ausland. Das entspricht einem Plus von knapp 140 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während chinesische Hersteller zulegen, kämpfen BMW, VW und Mercedes mit Absatzrückgängen im ersten Quartal – vor allem wegen schwacher Verkaufszahlen in China. „Chinesische Autohersteller haben in Deutschland deutliche Fortschritte gemacht, und ein weiteres Vordringen ist zu erwarten“, sagt Cui Dongshu, Generalsekretär des CPCA.

Die Unruhen im Nahen Osten könnten den Trend zusätzlich beschleunigen. „Die Verwerfungen an den Energiemärkten haben die Nachfrage nach Elektromobilität global befeuert, gerade auch in Europa und Deutschland“, meint Peter Fintl, Autoexperte bei der Technologieberatung Capgemini. „Der Ölpreis öffnet die Tür, das bessere Produkt hält sie offen.“ Gemeint ist aus seiner Sicht, dass die Modelle spürbar besser geworden sind und Käufer heute deutlich „mehr Elektroauto fürs Geld“ bekommen als noch vor zwei Jahren.