Deutschlands Raffinerien produzieren über Bedarf

Das Produktionsende der Shell-Raffinerie in Hamburg ist symptomatisch für die Branche . Seit 2000 sank die Nachfrage nach Benzin und Heizöl hierzulande um 25 Prozent, die Raffinierie-Kapazitäten sind zu hoch

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  • ssu
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Hamburg, 13. Januar 2011 – Uwe Franke, der Chef des Mineralölkonzerns BP in Deutschland und einigen angrenzenden Ländern, hatte schon vor Wochen öffentlich gewarnt: Die Mineralölwirtschaft habe in Europa mit drastischen Überkapazitäten zu kämpfen, die Zukunft der Branche in Deutschland sei bedroht. Und die aktuelle Entwicklung gibt Franke Recht: Konkurrent Shell hatte zwei Jahre lang nach einem Käufer für seine Raffinerie in Hamburg-Harburg gesucht – ohne Erfolg: Nun drohen Zerschlagung und Ausverkauf, 300 der 570 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe.

Der Verbrauch von Mineralölprodukten sinkt seit vielen Jahren. Das ist so gewollt; die Politik in der EU will umsteuern von fossilen auf erneuerbare Energieträger. Das bedeutet zum Beispiel, dass Benzin und Diesel aus Mineralöl vermehrt so genannte Biokraftstoffe beigemischt werden. In Deutschland läuft gerade die Einführung von Benzin mit einem Bio-Ethanolanteil von zehn Prozent (E10) an. Ob die Umweltbilanz der Biokraftstoffe wirklich positiv ist, wird mittlerweile auch von Umweltorganisationen bezweifelt. Ihre Förderung ist aber geltende Politik. Eine bessere Ökobilanz als deraus Nahrungs- oder Futtermitteln hergestellte Kraftstoff verspricht der so genannte Biosprit der zweiten Generation, der aus nicht für die Ernährung geeigneter Biomasse gewonnen werden sol, für deren Gewinnung keine ökologisch wertvollen Flächen gerodet werden brauchen.

Deutschlands Raffinerien produzieren über Bedarf (3 Bilder)

Shell suchte zwei Jahre lang vergeblich nach einem Käufer für seine Raffinerie in Hamburg-Harburg ...

(Bildquelle: Shell Deutschland)

Schon vor dem von der EU verordneten Trend zu Biokraftstoffen ging der Verbrauch wegen zunehmend effizienter werdender Motoren und Heizungsbrenner zurück. Für Benzin und Heizöl reduzierte sich die Nachfrage in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Viertel. Einzig Dieselkraftstoff legte noch zu, weil mehr Pkw mit einem Dieselmotor gekauft wurden und die Transportleistung der Logistikwirtschaft weiter zunahm, also mehr Lkw unterwegs waren. Im Jahr 2009 verarbeiteten zwölf Raffineriestandorte in Deutschland 115 Millionen Tonnen Rohöl zu Benzin, Diesel und Heizöl. Der Verbrauch lag mit 104 Millionen Tonnen deutlich darunter. Und ging im Jahr 2010 bis Oktober weiter zurück, bei Benzin um 2,1 Prozent, bei Heizöl um 2,9 Prozent. Nur Diesel verzeichnete ein Plus von 3,2 Prozent.