Deutschlands Raffinerien produzieren über Bedarf
Produktion über Bedarf
Die Raffinerien sind nur zu 80 Prozent ausgelastet. Schon in den 1980er-Jahren wurden als Folge der Ölkrisen in Deutschland 16 Raffinerie-Standorte mit einer Kapazität von zusammen 62 Millionen Tonnen stillgelegt. Danach war Deutschland Importland für Ölprodukte, und die Raffinerien konnten mit guter Auslastung laufen. Seit 2007 liegt die Verarbeitungskapazität der deutschen Raffinerien wieder über dem Verbrauch. Die Margen sind laut Recherchen der dpa gering, in manchen Jahren negativ, auch wenn das angesichts der hohen Benzinpreise und der Milliardengewinne der Ölkonzerne kaum jemand glaubt. Die Gewinne stammen aus der Förderung von Öl und Gas, danach wird bis zum Verkauf an den Endverbraucher nicht mehr viel verdient.
USA kein Auffangbecken mehr
Bislang konnten zumindest die überschüssigen Benzinmengen in die USA exportiert werden, wo es während der Sommermonate regelmäßig zu Engpässen und erhöhter Nachfrage kam. Doch dieses Schlupfloch wird kleiner; der Markt kommt in den USA zunehmend ins Gleichgewicht und benötigt weniger Importe. Gleichzeitig nehmen in Ländern wie Indien oder im Nahen Osten riesige Raffinerien die Arbeit auf, die weitgehend für den Export produzieren, auch nach Europa.
Weitere Schließungen drohen
Mit dem Ende der Raffinerie Hamburg-Harburg gehen rund 5,5 Millionen Tonnen Raffineriekapazität aus dem Markt. Auch die Raffinerie des texanischen Konzerns ConocoPhillips („Jet“) in Wilhelmshaven, mit 13,5 Millionen Tonnen Kapazität die zweitgrößte deutsche Spritfabrik, produziert schon seit 2009 nicht mehr und wird wohl nicht wieder angefahren. Damit reduzierte sich die Verarbeitungskapazität der deutschen Raffinerien auf rund 100 Millionen Tonnen und entspricht ungefähr dem Marktvolumen. Doch bis 2020 wird ein weiterer Rückgang des Benzin- und Heizölverbrauchs um rund ein Viertel erwartet. Für das verbleibende Dutzend großer Raffinerie-Standorte in der Bundesrepublik gibt es also noch keineswegs eine Entwarnung. (Mit Material der dpa) (ssu)