Daimler plant neue Teststrecke

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Der Autobauer Daimler will sich im Herbst entscheiden, wo er seine neue Teststrecke baut. Frühestens 2017 könnte das 200 Hektar große Areal eröffnet werden, sagte ein Daimler-Sprecher am Mittwoch in Stuttgart und bestätigte einen Bericht des Schwarzwälder Boten. Die Entscheidung sei allerdings abhängig von den Verhandlungen mit den Landbesitzern und Gemeinden.

Zur Diskussion stehen Flächen in Sulz am Neckar (Kreis Rottweil), in Merklingen und Nellingen (Alb-Donau-Kreis) und in Empfingen (Kreis Freudenstadt). Auf dem Gelände sollen Elektro- und Hybridautos sowie Fahrassistenzsysteme getestet werden und bis zu 300 Arbeitsplätze entstehen. Etwa 70 Autos wären unter der Woche Tag und Nacht im Dauerbetrieb, bis zu 50 am Wochenende.

Derzeit informiert der Autobauer die Anwohner der möglichen Standorte über die Baupläne. Am Montagabend stand ein Daimler-Manager im Gemeinderat von Sulz am Neckar Rede und Antwort, an diesem Donnerstag folgen Bürgerversammlungen in Merklingen und Nellingen, auf deren Gemeindegrenze ein Areal liegen könnte. Die Baupläne sind nicht unumstritten, in Sulz wurde von Gegnern des Bauvorhabens beispielsweise eine Bürgerinitiative gegründet. Die Teststrecke schade den betroffenen Gemeinden und der Umwelt, warnen die Kritiker. Nach Angaben von Daimler würden in Sulz etwa 20 Prozent des Testareals mit Asphalt und anderem Belag versiegelt.

Bislang fehlt Daimler ein solches Testgelände. Bis dato erprobt der Konzern seine Fahrzeuge an verschiedenen Standorten in Deutschland und weltweit. Ein Testgelände in Wernau (Kreis Esslingen) gilt als zu klein und veraltet. Außerdem liegt es am Rande eines Naturschutzgebiets. Auf dem neuen Areal sollen unter anderem automatische Abbremssysteme und die Sensor-Erkennung von Verkehrsschildern getestet werden. Die Alltagsfähigkeit der Autos wird auf Asphalt oder Schotter erprobt, teilweise mit Steigungen.

In den 1980er Jahren war Daimler mit seinen Plänen gescheitert, ein großes Testgelände bei Boxberg (Main-Tauber-Kreis) zu bauen. Ein Verein kämpfte unter dem historischen Namen „Bundschuh“ jahrelang vehement dagegen und gewann 1987 mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht. Stattdessen wurde das Gelände in Papenburg gebaut. Nahe Boxberg baute Bosch dann aber später eine kleinere Auto- Teststrecke. Der Standort Papenburg liegt in Niedersachsen und ist damit recht weit entfernt von der Stuttgarter Konzernzentrale. (dpa) (mfz)