Geschichte der Muscle-Cars made in USA
Ford Mustang, Chevrolet Camaro und Dodge Charger sind die bekanntesten Vertreter einer Auto-Spezies, die wohl nur in den USA entstehen konnte. Ein Blick in die Geschichte der Muscle Cars – von den Anfängen, als PS-strotzende Motoren in biedere Kutschen implantiert wurden, bis zur Retrowelle in den 2000er-Jahren
- rhi
München, 20. Oktober 2011 – Wir schreiben das Jahr 1966 und sehen GMs Marketingstrategen von einem Meeting ins nächste eilen: Zwei Jahre zuvor hatte Ford den Mustang vorgestellt, einen für US-Maßstäbe kompakten Sportwagen, der eine tolle Optik mit einem günstigen Preis verband und den Händlern förmlich aus den Händen grissen wurde. Natürlich wollte General Motors auch ein großes Stück vom neu entstandenen Markt der "Pony Cars" abhaben. Dank der großen Modellpalatte und des gut gefüllten Konzernregals konstruierten die Ingenieure binnen kurzer Zeit auf Basis des biederen Chevrolet Nova ein heißes Eisen mit dem Codenamen "Panther".
Flinker Kamerad
Kurz vor der Premiere im September 1966 wurde der neue Chevy-Sportwagen "Camaro" getauft. Der Name soll sich vom französischen Wort "Camarade" herleiten, welches übersetzt eben "Kamerad" oder "Freund" bedeutet. Hintergrund war, dass zu jener Zeit alle Modelle der Marke einen mit C beginnenden Namen trugen, darunter Corvair und Corvette. Die Zielrichtung gab Chevrolet unmissverständlich vor: Der Camaro sei ein "kleines, böses Tier, das Mustangs essen würde", diktierten die Vertriebsstrategen in die Notizblöcke der Journalisten. Das "kleine" Auto kam übrigens auf eine Länge von 4,70 Metern. Böse sah der Camaro tatsächlich aus, speziell die Varianten mit Scheinwerferabdeckungen. Der Erfolg gab den GM-Managern recht: Schon die normalen V8-Versionen litten nicht unter Leistungsmangel, doch die ganz heißen Camaros trugen das Kürzel SS für "Super Sport" im Kühlergrill. Dahinter verbargen sich Maschinen mit einer Leistung zwischen 295 und 425 PS, die ihre Kraft auf eine Hinterachse mit Blattfedern losließen.
Geschichte der Muscle-Cars made in USA (19 Bilder)

Längst Legende: Die erste Generation des Chevrolet Camaro (1966-1970) mit Scheinwerferabdeckungen
Mit Vollgas in die Ă–lkrise
Schon 1970 ging die zweite Camaro-Generation an den Start, diesmal mit einem europäisch anmutenden Fastback. Eine Cabrio-Version gab es nun nicht mehr, als Alternative gab es herausnehmbare Dachhälften. Anfangs konnten die Kunden wie gehabt zu riesigen Achtzylindern mit bis zu 6,6 Liter Hubraum greifen. Doch schon 1972/1973 gerieten der Camaro und sein Schwestermodell, der Pontiac Firebird, in Bedrängnis. Verschärfte Sicherheits- und Abgasbestimmungen sowie die Ölkrise sorgten für eine Existenzkrise. Das Überleben des Camaro sicherten ein umfangreiches Lifting im Jahr 1974 und deutlich gedrosselte Motoren. Stärkster Antrieb war ein 5,7-Liter-V8, der ab 1975 nur noch magere 145 PS zu bieten hatte.