Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft

Neun von zehn Unfällen gehen auf den Menschen zurück statt auf die Technik. Abhilfe verheißen neue Assis­­tenten, die Dränglern rote Linien malen oder das Gewicht entgegen­kommender Fahr­zeuge schätzen

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München, 23. November 2011 – "It's a bug that cars were invented before computers", sagte Google-CEO Eric Schmidt 2010. Denn in neun von zehn Unfällen ist der Mensch verantwortlich, nicht die Technik. Die Fahrer wissen das, auch wenn sie es ungern zugeben, und natürlich wissen es die Hersteller genauso und stopfen jedes Jahr mehr Assistenzsysteme in ihre Fahrzeuge. Jetzt hat Audi ein Paket voller elektronischer Helfer der nächsten Generation vorgestellt.

Bereits in Serie verfĂĽgbar ist Pre Sense, ein System, das in der komplexesten Ausbaustufe Pre Sense Plus bei Frontal- und Heckkollisionen helfen soll. Im Fall des Frontaufpralls kann das System "bis zu 40 km/h aus dem System herausnehmen", wie sich die Experten ausdrĂĽcken. Mit anderen Worten: Bis 40 km/h wird die Kollision durch eine autonome Bremsung verhindert, bei Tempo 90 prallt man noch mit 50 km/h auf. So lange Audi noch mit Fahrereingaben rechnen muss, ist es schwierig, hier den optimalen Wert zu finden. Niemand will ein Auto fahren, das aus hohen Geschwindigkeiten eine Gewaltbremsung zum Stillstand macht, nur weil ein Sensor verschmutzt oder defekt ist.

Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft (27 Bilder)

Eine von Audis Sicherheits-Innovationen: Der Stauassistent hält nicht nur die Spur, sondern auch den Abstand zum Vordermann.

Deshalb wird das System weiterentwickelt. In Serie erfolgt die autonome Vollbremsung erst sehr spät, denn der Fahrer könnte den Unfall ja durch Ausweichen noch vermeiden. Aber was, wenn diese Möglichkeit gar nicht besteht? An einem Stauende könnte zum Beispiel links die Autobahnplanke ein Ausweichen unmöglich machen, während sich auf der rechten Spur andere Autos befinden. Dann könnte die automatische Bremsung früher eintreten und mehr Tempo "herausnehmen".

So soll der Audi der Zukunft mit seiner Sensorik nicht nur den Raum vor und hinter dem Auto überwachen, sondern auch die Nachbarspuren. Dafür ist eine Ergänzung der Sensorik nötig. Pre Sense Plus arbeitet mit Radarsensoren, die zwar weit nach vorne und nach hinten "gucken", aber seitlich eher blind sind. Herzstück der Erweiterung ist ein Laserscanner, dessen breiter Scanbereich die Erfassung der Nebenspuren ermöglicht. Gibt es dann keine Ausweichmöglichkeit, wird der Fahrer vor Hindernissen weit früher gewarnt, und auch die Notbremsung tritt früher ein.