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Erst der Wankelmotor, nun ein Superkondensator: Der japanische Autohersteller Mazda scheint auf der Tokio Motor Show einmal mehr einen Sonderweg zu gehen.

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Von
  • Martin Kölling

Erst der Wankelmotor, nun ein Superkondensator: Der japanische Autohersteller Mazda scheint auf der Tokio Motor Show einmal mehr einen Sonderweg zu gehen.

Kaum hat Mazda den Wankelmotor bei seinen Benzinern eingeschläfert, da nimmt sich der kleine japanische Autobauer für die elektromobile Zukunft schon der nächsten Nischentechnik an: Auf der Tokio Motor Show stellt das Unternehmen als erster etablierter Hersteller seine Konzeptstudie "Takeri" vor, die nicht wie bisherige Hybrid- oder Elektroautos Akkus, sondern einen Superkondensator nutzt, um Bremsenergie wiederzugewinnen und so den Benzinverbrauch zu senken. Ab 2012 soll die Technik in wirklichen Autos verbaut werden.

Auch wenn Mazda den Superkondensator vorerst nicht für den Antrieb, sondern nur für den Betrieb der Bordelektrik wie Klimaanlage, Heizung etc. verwendet, handelt es sich um einen Durchbruch. Der Chef des Elektroautoherstellers Tesla, Elon Musk, rief die Kondensatoren aufgrund ihrer Eigenschaften zu Totengräbern für Lithium-Ionen-Akkus in Hybrid- und Elektroautos aus. Wenn er eine Voraussage machen müsste, was die Stromquelle für Elektroautos in der Zukunft sein würde, würde er darauf setzen "dass die Chancen gut stehen, dass es nicht Batterien sind, sondern Kondensatoren", sagte er im März auf dem "Cleantech Forum" in San Francisco.

Nicht ohne Grund. Nicht nur können die Kondensatoren sehr viel mehr Energie sehr viel schneller als Batterien aufnehmen (in Sekunden anstatt in Stunden) und damit mehr Bremsenergie zurückgewinnen als bisherige Systeme, bei denen viel Energie verloren geht. Sie halten auch sehr viel länger als Batterien. Allerdings haben ihre hohen Kosten und die geringe Energiedichte bisher den Einsatz für den Autoantrieb unmöglich gemacht.

Chapeau Mazda: Das Unternehmen hat sich von den Problemen nicht abschrecken lassen und eine innovative Anwendung gefunden, die sinnvoll ist: Ohne mehrere Hundert zusätzliche Kilo für Batterien und einen zusätzlichen Elektromotor mitzuschleppen, kann dieses "i-E-Loop" ("Intelligent Energy Loop") getaufte System im Stadtverkehr den Benzinverbrauch des Autos um bis zu zehn Prozent senken. Denn der Motor wird als Stromquelle entlastet. Der Kondensator lädt sogar die Autobatterie wieder auf. Dadurch kann die Start-Stopp-Automatik sehr viel länger den Motor ausgeschaltet lassen als bisher.

Wie sich der Superkondensator im Auto von hier aus weiterverbreiten wird, ist allerdings noch offen. Ich denke, dass die Superkondensatoren wie bei Mazda in Kombination mit anderen Antrieben oder Batterien eingesetzt werden. Das britische Start-up Riversimple gibt die Richtung vor: Das Unternehmen kombiniert bei seinem nur 350 Kilogramm schweren, rund 80 km/h schnellen Zweisitzer Superkondensatoren mit einer kleinen Brennstoffzelle. Die Superkondensatoren können nach Unternehmensangaben 50 Prozent der Bewegungsenergie als Strom speichern und dann immerhin 80 Prozent der Beschleunigung des Vehikels leisten. Die Brennstoffzelle, die am effizientesten im gleichmäßigen Dauerbetrieb funktioniert, wird dadurch entlastet und kann 80 Prozent schwächer als in einem vergleichbaren Brennstoffzellenautos ohne Superkondensatoren ausfallen.

Das Projekt ist verdammt ernst gemeint: Der Ernst-Piëch-Zweig der Piëch-Familie investiert in das Projekt, Chris Reitz, der als Designer die erfolgreiche Neuauflage des Fiat 500 zu verantworten hat, stieß im Februar 2011 zum Team, um das Design des ersten Modells zu entwerfen. Eine Flotte des innovativen Fahrzeugs, mit dem das Unternehmen auch ein neues Geschäftsmodell einführen will, soll im kommenden Jahr erstmals in England in einem Pilotprojekt getestet werden.

Zugleich werden die Superkondensatoren höher gezüchtet. Ihre Energiedichte reicht bereits an Nickel-Metallhydrid-Akkus. Richtig interessant wird die Zukunft allerdings durch die Forschung an polymerbasierten Superkondensatoren am Imperial College in London. Der neue Werkstoff könnte gleichermaßen als Baumaterial und Speicher dienen und damit die Karosserie von Autos oder die Hülle von Handys auch zu Stromspendern machen. Allerdings ist man von einer kommerziellen Anwendung noch weit entfernt, sagt Dr. Emile Greenhalgh, der Projektleiter, in diesem Video. Aber reizvoll ist der Gedanke schon. Als Radfahrer denke ich besonders an elektrische Räder. Wenn sich die Wissenschaftler und Ingenieure ranhalten, kommen vielleicht leichte E-Bikes aus Verbundwerkstoffen, die im Fahrradrahmen Energie speichern können, gerade rechtzeitig zu meinem Rentenantritt auf den Markt. (bsc)