Nur deutsche Gewinner in der ADAC Pannenstatistik 2012

Deutsche Autos sind die zuverlässigsten. Das ist zumindest das Ergebnis der jüngsten Pannenstatistik des ADAC. Zum ersten Mal lagen Pkws deutscher Hersteller in allen sechs Fahrzeugklassen vorne. Aber tun sie das zurecht?

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Von
  • Matthias Nauman
  • Gernot Goppelt
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München, 23. April 2012 – Deutsche Autos sind die zuverlässigsten. Das ist zumindest das Ergebnis der jüngsten Pannenstatistik des Automobilclubs ADAC. Zum ersten Mal lagen Pkws deutscher Hersteller in allen sechs Fahrzeugklassen vorne. In der Mittelklasse finden sich unter den Top Ten sogar nur Autos heimischer Firmen. In der oberen Mittelklasse/Oberklasse dominieren sie das Ranking ebenfalls.

Die Mittelklasse führt der Audi A5 an, dicht gefolgt von seinem Bruder Q5 und dem BMW X3. Frühere Dauersieger wie der Toyota Avensis oder der Mazda 6 landen nicht mehr unter den ersten zehn. Auch in der oberen Mittelklasse/Oberklasse siegt Audi mit dem A6. Gleich dahinter liegen der BMW 5er und die Mercedes E-Klasse. In der unteren Mittelklasse erweisen sich die Mercedes A- und die B-Klasse als die zuverlässigsten Pkws, auf Platz drei folgt der BMW 1er. Bei den Kleinwagen belegt der Mini Platz eins, der Mitsubishi Colt landet als einziger Japaner auf Platz zwei, gefolgt vom Opel Meriva und dem unerwartet guten Renault-Ableger Dacia Sandero. Zum ersten Mal ist der Ford Ka in der Untersuchung dabei. Er konnte sich in der Kleinstwagenklasse gegen den Renault Twingo und den Toyota Aygo durchsetzen.

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Laut ADAC-Pannenstatistik 2012 der zuverlässigste Kleinstwagen: Ford Ka

Hauptursache für Pannen sind laut Statistik Probleme mit Batterien, Anlassern oder Generatoren. Das liege zum einen an der steigenden Zahl der elektrischen Verbraucher an Bord, zum anderen aber auch an den Start-Stopp-Systemen. Durch das häufige An- und Abschalten des Motors werde die Batterie stark in Anspruch genommen. Probleme mit den Batterien seien auch der Grund, warum die beiden Hersteller Honda und Hyundai mit ihren neueren Modellen in der diesjährigen Pannenstatistik schlecht abschneiden.

Für die Statistik hat der Automobilclub 230.000 der über vier Millionen Pannen ausgewertet, bei denen der ADAC 2011 um Hilfe gerufen wurde. Herangezogen werden nur technische Probleme. Die betroffenen Autos sind dabei nicht älter als sechs Jahre, müssen in mindestens drei aufeinander folgenden Jahren im Wesentlichen unverändert gebaut und in einem der Jahre mindestes 10.000-mal zugelassen worden sein. Alles in allem wurden in diesem Jahr 92 Modellreihen untersucht. Eine Schwäche des Verfahrens ist offenkundig, die als zuverlässig geltenden Modelle von Subaru zum Beispiel fallen durchs Raster, sodass die Pannenstatistik nur bedingt als Entscheidungshilfe taugt.

Zudem ist schwer zu beurteilen, Inwieweit die Statistik wirklich die reale Pannenhäufigkeit wiedergibt. Doppelsieger Audi zum Beispiel betreibt einen eigenen Pannenservice, den die Besitzer so lange in Anspruch nehmen können, wie sich ihre Inspektionen beim Audi-Händler machen lassen. Bei Mini und BMW ist dieser Service in der ersten fünf Jahren nach Neukauf garantiert. Mercedes handhabt es ähnlich wie Audi: Vier Jahre gilt "Mobilo" immer, danach verlängert sich der Mobilitätssevice mit jedem Service um ein Jahr. Neuwagen dieser Marken machen kaum einmal mit dem ADAC Bekanntschaft. Ohne es nachweisen zu können: Die Pannenstatistik des ADAC korreliert auffällig mit den Mobilitätsgarantieren der Hersteller.

Der Ford Ka ist in dieser Hinsicht ein Ausreißer: Sein Besitzer muss mit den üblichen Mobilitätsleistungen der Marke klarkommen, nach Ablauf der Neuwagengarantie gibt es eine Mobilitätsgarantie nur gegen Geld. Komisch ist nur, dass bei den Kleinsten der Ka ganz vorne liegt und der Fiat 500 nur im Mittelfeld. Denn unter dem Blech sind die beiden in weiten Teilen baugleich, sie kommen sogar aus demselben Werk in Polen. Gibt es da womöglich eine Korrelation zur Qualität der Werkstätten?

(imp)