Bundesliga soll nicht mehr gesondert für TV und Internet ausgeschrieben werden

Die DFL will die Übertragungsrechte für ihre Sportattraktion 2009 nicht mehr speziell für unterschiedliche Verbreitungswege anbieten, während Arena und Premiere gemeinsame Sache bei der Set-Top-Box ausschließen.

vorlesen Druckansicht 21 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will die Übertragungsrechte für die Bundesliga ab 2009 nicht mehr speziell fürs Fernsehen und fürs Internet ausschreiben. Dies erklärte Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL, am heutigen Donnerstag auf dem Medienforum Berlin-Brandenburg. Die getrennte Offerte der Internetrechte "war schon einmal zu viel", betonte er im Hinblick auf die Problematik rund um die Verschmelzung von Rundfunk und Online-Übertragung durch IPTV in Berlin. Diese hatte nach dem Erwerb der Internetrechte durch die Deutsche Telekom zu einer langen Auseinandersetzung um die Übertragung des IPTV-Signals nicht nur durch das neue VDSL-Netz des Rosa Riesen, sondern auch via Satellit und Kabel in Kooperation mit dem Bezahlsender Premiere geführt.

"Wir haben das nur getan, weil es die EU von uns gefordert hat", begründete Seifert die Doppelausschreibung. Brüssel habe schon 2003 begonnen, in diese Richtung Druck auszuüben. Damals habe zwar noch kaum einer von IPTV gesprochen. Es sei aber schon absehbar gewesen, dass Internetübertragungen nicht nur auf dem PC landen würden. Als "blinden Fleck in den EU-Auflagen" machte Seifert insbesondere die Tatsache aus, dass etwa die Inhaber der Übertragungsrechte fürs Free-TV bei der Einbindung in ein IPTV-Programmpaket eigentlich auch noch die Internetrechte bräuchten. Man habe daher bereits alle Bieter frühzeitig informiert, dass alle berechtigten TV-Anbieter ihre Bundesliga-Sendungen "einmalig bildidentisch" im Internet noch einmal abspulen dürfen. Mit der Telekom einigte sich die DFL zudem schließlich darauf, dass diese ihre Rechte ausschließlich für die Ausstrahlung über die Highspeed-Netzinfrastruktur von T-Com nutzt. Gleichzeitig darf die Telekommunikationsfirma als "Premium-Partner" der Bundesliga auftreten und deren Namen für eigene Werbezwecke ummünzen.

Der Kabelnetzbetreiber Unity Media hat derweil seine Wirtschaftlichkeitsrechnung zur Nutzung der TV-Rechte konkretisiert. Wenige Monate nach dem Start seines "Bundesliga-Senders" Arena hat er für seine Tochter nach eigenen Angaben 800.000 Abonnenten gewonnen. Bis zum Jahresende sollen 200.000 weitere hinzukommen. Analysten gehen davon aus, dass Unity Media mit dem Gewinn von gut 2,5 Millionen zahlenden Bundesliga-Fans für Arena die Kosten von rund 250 Millionen Euro pro Saison für die Übertragungsrechte wieder einspielt. "Wir glauben, dass wir in drei Jahren Geld verdienen können", gab Arena-Geschäftsführer Christoph Bellmer als Ziel in Berlin aus. Unity Media wolle überdies auch "für die nächsten drei Spielzeiten Rechte erwerben."

Carsten Schmidt, Vorstand Sport und New Business bei Premiere, verkündete auch, dass sein Haus "wieder Neugeschäft" nach der Abwanderung von rund 3,5 Prozent der Kunden nach dem Bundesliga-Verlust mache. Das laufe zwar noch "nicht so toll", aber Premiere stehe "für Qualitätsfußball" und werde die Champions League nun als "Königsprodukt" ins Rennen werfen. Generell sei die Entwicklung des Pay-TV-Marktes in Deutschland angesichts der starken Stellung der öffentlich-rechtlichen Sender aber "sehr, sehr schwierig". Eine Einigung mit Arena auf einen gemeinsamen Standard für die zum Empfang des digitalen TV benötigten Set-Top-Boxen schloss Schmidt trotz der erfolgten Annäherung bei der Durchleitung des Arena-Pakets an Kunden von Kabel Deutschland über die Premiere-Plattform kategorisch aus.

Lachender Dritter bei der Fehde in der hiesigen Pay-TV-Branche sind momentan noch die Öffentlich-Rechtlichen. "Wir hatten sechs Millionen Zuschauer bei Saisonstart und liegen über den Werten der Vorsaison nach drei Spieltagen", berichtete Steffen Simon, der als Redaktionsleiter bei der Sportschau für die Bundesliga zuständig ist. Dabei habe man auch bei der Samstagssendung von spannenden Freitagsspielen profitiert, die man den Zuschauern mehr oder weniger "exklusiv" zeigen könne. Die DFL hat der ARD und dem ZDF weitgehende Sonderrechte für deren Sportsendungen eingeräumt, da sie damit gute Sponsoreneinnahmen erzielt.

Doch der Poker um die neue Verhandlungsrunde zu den Bundesliga-Rechten geht bereits wieder los. "Wenn jemand die Verluste auf Sponsorenseite ausgleicht", könnten die Karten völlig neu gemischt werden, orakelte Seifert. DFL-Präsident Werner Hackmann spekulierte zudem erneut darüber, einen eigenen Liga-Sender ins Leben zu rufen. "Das hängt von den Verhandlungen ab 2008 über die Rechte bis 2012 ab", betonte er. "Es ist nicht so schwer, so was selbst zu machen, das hat ja Arena bewiesen." (Stefan Krempl) / (anw)