Audi holt einen Silberpfeil heim
Verschollen, verloren geglaubt und nun wieder da: Audi hat einen legendären Rennwagen aus der Ära der Silberpfeile wieder. Die Geschichte des Fahrzeugs ist ein Abenteuer mit gutem Ende
- Gregor Hebermehl
Ingolstadt, 10. August 2012 – Verschollen, verloren geglaubt und nun wieder da: Audi hat einen Rennwagen aus der Ära der Silberpfeile wiedergewonnen. Die Geschichte des Fahrzeugs ist ein Abenteuer mit gutem Ende.
Dominanz in den 1930ern
Der Audi-AG-Vorgänger "Auto Union" und Mercedes-Benz brachten 1934 Rennwagen auf die Straße, die wie Technologie aus der Zukunft wirkten. Die stromlinienförmigen silbrigen Gefährte hatten schnell ihre Spitznamen weg: Silberpfeil. Mercedes baute auf Frontmotoren, Auto Union positionierte den Motor hinter dem Fahrer – dieses Prinzip hat sich bis heute in der Formel 1 durchgesetzt. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs 1939 beherrschten Auto Union und Mercedes mit ihren Boliden die Rennstrecken dieser Welt.
Audi holt einen Silberpfeil heim (7 Bilder)

Nach langer Zeit jetzt wieder Eigentum von Audi: der Auto Union Typ D mit Doppelkompressor
Für Auto Union setzten sich Bernd Rosemeyer, Tazio Nuvolari und Hans Stuck hinters Steuer, bei Mercedes stürzten sich Rudolf Caracciola, Manfred von Brauchitsch und Hermann Lang ins Rennen. Die Helden der damaligen Zeit bewegten ihre Wagen ohne nennenswerte Sicherheitstechnik im Grenzbereich, waren häufig mit über 300 km/h unterwegs. 1937 fuhr Rosemeyer beim Berliner AVUS-Rennen mit einem Silberpfeil 380 km/h schnell.
Ab in die UdSSR
Nach Ende des zweiten Weltkriegs 1945 war Deutschland geteilt: in die sowjetische Besatzungszone im Osten des Landes und in die von den Westalliierten besetzten Gebiete. Im Westteil Deutschlands gelegen, konnte Mercedes seine Silberpfeile nahezu alle unversehrt retten. Auto Union aus dem im Osten gelegenen Zwickau traf es ungleich härter: Die Firma wurde aufgelöst und die Produktionsanlagen wurden stillgelegt. Die Silberpfeile waren in der oberirdisch gelegenen Halle eines Bergwerks untergebracht und gingen als Reparationsleistung in die damalige UdSSR. Im flächenmäßig mit Abstand größtem Land der Welt verloren sich sehr schnell die Spuren der seltenen Rennwagen.