Vogelwilde Flügeltürer

1952 zeigten die Mercedes SL ihre Dominanz auf der 3. Carrera Panamericana in Mexiko, einem der härtesten Langstreckenrennen der Welt. Mit einem Doppelsieg auf dem 3000 Kilometer langen Rennen, das vom 19. bis 25. November dauerte, beschlossen sie die Rennsaison

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Stuttgart, 15. Oktober 2012 – Die Rennsaison vor 60 Jahren war für Mercedes-Benz ein voller Erfolg. In Bern, Le Mans und auf dem Nürburgring bewiesen die 300 SL Rennsportwagen (W 194) mit Doppel-, Dreifach- und Vierfachsiegen ihre sportliche Überlegenheit. Zum Saisonabschluss zeigten sie ihre Dominanz auf einem der härtesten Langstreckenrennen der Welt, der 3. Carrera Panamericana in Mexiko. Mit einem Doppelsieg auf dem 3000 Kilometer langen Rennen, das vom 19. bis 25. November 1952 dauerte, beschlossen sie die Saison. Legendär bis heute: Der Vogel-Unfall des Siegerteams.

Im September 1952 wird der 300 SL am Großglockner in Österrreich auf die Höhenlage in Mexiko vorbereitet, denn die damals üblichen Vergaser liefern das richtige Gemisch ja höhenabhängig. Die Abstimmung der Gasfabriken ist nötig, weil die Strecke in Südamerika über weite Etappen um die 2000 Meter über Normalnull liegt, der höchste Punkt des Rennens am Pass Puerto Aires sogar auf 3196 Meter. Eine besondere Schwierigkeit bei der Vergaserabstimmung sind immer wieder Höhenabstiege auf 200 bis 300 Meter auf einzelnen Teilstücken. Gleichzeitig steigern die Ingenieure für das rund 3100 Kilometer lange Rennen in Mexiko die Leistung von 162 auf 180 PS. Anfang Oktober macht sich dann eine umfangreiche Expeditionsflotte per Ozeandampfer auf nach Veracruz in Mexiko. Sie besteht neben den drei Mercedes-Benz 300 SL für den Renneinsatz aus einem weiteren 300 SL und einer ganzen Reihe von Begleitfahrzeugen.

Vogelwilde Flügeltürer (15 Bilder)

1952 wurden Plakate noch gemalt: Rennsiegplakat von Hans Liska

Die erste von acht Etappen, die über 530 Kilometer von Tuxtla nach Oaxaca führt, startet am 19. November 1952. Dank niedriger ausgeloster Startnummern folgen Hermann Lang, Karl Kling und John Fitch in kurzem Abstand. Während dieser Etappe ereignet sich der berühmte Unfall mit dem 300 SL des Teams Kling/Klenk: Bei mehr als 200 km/h durchschlägt ein großer Vogel die Windschutzscheibe und trifft Beifahrer Hans Klenk am Kopf. Der kurzzeitigen Bewusstlosigkeit seines Copiloten begegnet Karl Kling durch heftiges Schütteln. Der wieder zu sich gekommene Klenk bittet ihn darauf trotz blutender Platzwunde, die Etappe weiterzufahren. Am Ziel, das die beiden trotz des Zwischenfalls als Dritte erreichen, erhält das Fahrzeug neben einer neue Windschutzscheibe vier senkrechte Metallstäbe als zusätzlichen Schutz. Das Originalfahrzeug ist heute im Mercedes-Benz Museum ausgestellt.

Nach acht anstrengenden Etappen erreichen Kling/Klenk am 25. November 1952 in einer Fahrzeit von 18 Stunden, 51 Minuten und 19 Sekunden das Ziel in Ciudad Juárez. Als Zweitplatzierte fahren Lang/Grupp nur 35 Minuten nach den Siegern über die Ziellinie. Mit dem SL-Doppelsieg bei der 3. Carrera Panamericana gelingt Mercedes-Benz der wohl wichtigste Erfolg für die Marke in den 1950er-Jahren. (fpi)