Mini-Ausfahrt
Wir hatten die Chance, drei Mini-Generationen zu fahren: Ein originalen aus dem Jahr 1997, einen Cooper von 2003 und einen aktuellen Cooper S. Spaß machen alle, die Unterschiede sind natürlich beträchtlich.
- tsc
Haar, 11. Februar 2013 – Wenn das mal kein gutes Omen ist: Pünktlich zur Abfahrt reißt ein kleines Loch in die Wolkendecke, um die Berggipfel wird es heller. Wir sind im österreichischen Kitzbühel beim Mini-Generationentreff. Vor mir stehen ein Classic Mini aus dem Jahr 1997, ein 2003er Mini Cooper und ein Mini Cooper S, Baujahr 2012. Die drei Kameraden sollen mich über kleine Berg- und Landstraßen zurück nach München bringen.
Gar nicht stark
Auf der ersten Etappe nach Sudelfeld entscheide ich mich für das am unspektakulärsten wirkende Fahrzeug. Ich steige in den 2003er Cooper mit 115 PS und muss mich erst einmal akklimatisieren – das Interieur des Briten ist schon ungewöhnlich. Ein Beispiel: Die Spiegelverstellung und die Fensterheber sind in der Mittelkonsole statt in den Türen untergebracht.
Mini-Ausfahrt (25 Bilder)

Von Kitzbühel nach München mit drei Mini-Generationen
Wir fahren durch kleine, verschneite Dörfer und Ortschaften. Die Devise lautet, bei der Route komplett auf Autobahnen und wann immer möglich auf größere Landstraßen zu verzichten. Als es kurz vor dem ersten Fahrzeugwechsel noch einmal steil bergauf geht, wird deutlich, dass die Leistung des 1,6-Liter-Vierzylinders gar nicht so üppig ist. An steilen Steigungen tut sich die Maschine unerwartet schwer. Jenseits von 3000/min, mit viel Schaltarbeit und heulendem Motor quält sich der Mini die Serpentinen hoch.
Rolls-Royce-Feeling
Nach einer kurzen Pause auf einem idyllisch zugeschneiten Parkplatz in über 1000 Meter Höhe geht es an die zweite Etappe. Ich klettere in den aktuellen Cooper S und staune: Es handelt sich um einen "Cooper S inspired by Goodwood", der in einer auf 1000 Exemplare limitierten Sonderversion als Hommage an Rolls-Royce gebaut wurde. Helles Leder und Holzzierleisten von gefühlt einem ganzen Baum erklären, warum Kunden mindestens 46.900 Euro für den mittlerweile ausverkauften Nobel-Flitzer ausgegeben haben.
Der Testwagen mit 184 PS hat ein Automatikgetriebe. Mit aktiviertem Sportmodus, der die Lenkung direkter machen soll, und einem charmanten Auspuffblubbern beim Gaswegnehmen mache ich mich auf in Richtung Lenggries, dem nächsten Etappenziel. Es geht durch verschneite Landschaften und kleine Dörfchen. Gott sei Dank sind die Straßen halbwegs trocken und erlauben ein Räubern durch steile Kehren und bergige Schikanen. Knackig fühlt er sich an, der kleine Nobel-Sportler, und durch die direkte Lenkung hat man den Kleinwagen gut unter Kontrolle. Lediglich wenn man am Kurvenende das Gaspedal durchtritt und die Automatik nach einer kleinen Gedenksekunde zurückschaltet, merkt man, dass der Mini ein Fronttriebler ist und über die Vorderachse schiebt. Der Weg führt an Tegernsee und Schliersee vorbei - Zeit für die letzte Etappe im Ur-Mini.
Laut und ungehobelt
Der originale Mini, hier ein Modell von 1997, wurde nahezu unverändert von 1959 bis 2000 gebaut. Kaum länger als drei Meter, Zwölf-Zoll-Felgen und rund 800 Kilogramm leicht. Ein bisschen Respekt habe ich schon, immerhin gibt es weder Servolenkung noch ABS oder andere technische Helferlein – und das bei nassen Straßen und Schnee. Nachdem ich die ersten Meter sehr vorsichtig zurücklege, finde ich mich auch im Vier-Gänge-Salat des Getriebes zurecht und es geht auf in Richtung München. Die 63 PS bringen den Mini zügiger voran, als zunächst angenommen.
Die Überhänge könnten kaum kleiner sein, das Lenkrad steht in flachem Winkel fast wie in einem Reisebus vor mir und durch die kaum vorhandene Federung bekommt der Fahrer extrem viel Rückmeldung. Die nur theoretisch vorhandene Schallisolierung macht Gespräche quasi unmöglich, sobald der 1,3-Liter-Einspritzer über 3000/min dreht.
Einer wirkt nach
Als kurz darauf unsere Tour ein Ende nimmt und ich muss den Mini wieder abgeben. Alle drei machen auf ihre Art Spaß, aber mein Liebling steht fest. Der originale Mini mag, bezogen auf Sicherheit und Komfort, nicht mehr zeitgemäß sein, doch gerade seine ungehobelten Rückmeldungen sorgen dafür, dass er von den drei Minis den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen hat. (imp)