Matsch-winner?

Der Jeep Grand Cherokee kann durchaus als Trendsetter gesehen werden, war er doch eines der ersten SUVs überhaupt. Nach etwas mehr als zwei Jahren auf dem deutschen Markt wurde der Riese nun sanft überarbeitet. Wir konnten eine erste Proberunde drehen

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  • Matthias Nauman
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Palermo (Italien), 27. Mai 2013 – Noch immer verbinden viele Menschen mit dem Begriff „Jeep“ den im zweiten Weltkrieg eingesetzten Willys MB. Ein Nachfahre ist in Form des Jeep Wrangler bis heute im Programm. Auch der Grand Cherokee kann als Trendsetter gesehen werden, war er doch eines der ersten SUVs auf dem Markt. Nach etwas mehr als zwei Jahren auf dem deutschen Markt wurde der Riese nun sanft überarbeitet. Wir konnten eine erste Proberunde drehen.

Hatte der Grand Cherokee bisher Automatikgetriebe mit fünf und sechs Stufen, wird die Kraft künftig in allen Modellen über einen Achtgang-Automaten übertragen. Das Getriebe von ZF hat seine Bewährungsprobe längst hinter sich und wird inzwischen von Herstellern wie Audi, BMW, Porsche oder Jaguar eingesetzt. Auch im Jeep überzeugt die Achtgang-Automatik: Die Gangwechsel erfolgen zügig, butterweich und stets zur rechten Zeit. Wer will, kann über Paddles am Lenkrad auch manuell schalten. Das mag beim sportlichen SRT mit 6,4-Liter-V8 und 468 PS Sinn ergeben, beim relaxten Dreiliter-Turbodiesel mit 250 PS ist es kaum notwendig. Das neue Automatikgetriebe soll außerdem zu niedrigeren Verbrauchswerten beitragen. Im Vergleich zum Vorgänger soll die Ersparnis bis zu zehn Prozent betragen. Bei dem von uns gefahrenen Diesel sank der Verbrauch im NEFZ von 8,3 auf 7,5 Liter. In der Praxis sollte aber selbst bei zurückhaltender Fahrweise mit einer Neun vor dem Komma kalkuliert werden.

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Jeep hat den Grand Cherokee überarbeitet.

Die vor allem für den heimischen US-Markt wichtigen Benzinmotoren (3,6-Liter-V6 mit 286 PS, 5,7-Liter-V8 mit 352 PS und der erwähnte 6,4-Liter-V8 mit 468 PS) dürften hierzulande weiterhin keine große Rolle spielen. Umso interessanter ist es, dass der bislang ausschließlich in Europa erhältliche Sechszylinder-Selbstzünder künftig auch in den USA angeboten wird. In Deutschland ist der von der Konzernmutter Fiat stammende 3.0 V6 MultiJet mit 190 und 250 PS erhältlich. Die kräftigere Variante hat damit um neun Pferdestärken zugelegt, das maximale Drehmoment ist von 550 auf 570 Nm angewachsen. Mit diesem Diesel ist das immerhin knapp 2,5 Tonnen schwere Gefährt angemessen motorisiert. Der leise, unter Volllast wohltuend kernig klingende Motor sorgt stets für guten Durchzug. In 8,2 Sekunden geht's von null auf Tempo 100, maximal sind 202 km/h drin.

In den beiden teureren Ausstattungsvarianten ist der Grand Cherokee mit einer Luftfederung ausgestattet. Damit liegt das Auto auf der Straße, wie man das von einem Ami-SUV erwartet: ein gemütlich-komfortables Dickschiff, das kräftig schaukelt und wankt. Wer dynamische Ansprüche an das Fahrverhalten seines Autos stellt, ist hier vollkommen falsch. Das weiche Fahrwerk bügelt einerseits Bodenwellen wunderbar aus, Querfugen schlagen andererseits heftig durch. Gelenkt wird über ein großes Volant, das gut in der Hand liegt. Lenkpräzision ist dagegen keine Stärke der Steuerung: Vor allem in der Mittellage bietet die Lenkung zu viel Spiel. Zudem agiert sie indirekt und ungenau.