Doppelherz [Update]
Noch sind sie ein Nischenprodukt, doch mit der Verfügbarkeit günstiger Modelle könnte sich das ändern: Handys mit zwei SIM-Karten-Steckplätzen kommen in der Einsteigerklasse um 100 Euro an.
Noch sind sie ein Nischenprodukt, doch mit der Verfügbarkeit günstiger Modelle könnte sich das ändern: Handys mit zwei SIM-Karten-Steckplätzen kommen in der Einsteigerklasse um 100 Euro an.
Dual-SIM-Telefone sind praktisch, wenn man unter zwei Telefonnummern erreichbar sein will, etwa um die private und berufliche Nutzung zu trennen oder im Urlaub zusätzlich eine günstige lokale Prepaid-Karte einzusetzen. Auch wer eine alte, nicht übertragbare Telefonnummer nicht aufgeben möchte, aber schon lange über einem günstigeren Discounter telefoniert, kann damit seine Telefonkosten komfortabel senken. Anfangs musste man für ein Dual-SIM-Handy mindestens 300 Euro auf den Tisch legen – was die Vorzüge zum Teil wieder auffrisst. Derweil liegen die Straßenpreise einiger Modelle auf einem deutlich niedrigeren Niveau.
Zum Test haben wir zwei Vertreter aus dem Niedrigpreissegment geladen: das Samsung C5212 für etwa 150 Euro und das Hyundai MB-D130, das im Versandhandel bereits für knapp 100 Euro erhältlich ist. Diese Geräte gibt es übrigens nicht von den Netzbetreibern gesponsort. Diese fürchten offensichtlich, sich mit dem zweiten SIM-Steckplatz Konkurrenz auf das subventionierte Handy zu holen.
Abgesänge und Neuvorstellungen
Besonders interessant wäre für diesen Test ein Modell der Pearl Agency gewesen: Das mit 70 Euro besonders billige Simvalley-Handy SX-320 haben wir nicht getestet, weil es schon im Juni durch seinen Nachfolger SX-330 abgelöst werden soll. Auch auf einen Test des Matsunichi D520 haben wir verzichtet, da es nur noch in geringen Stückzahlen verfügbar ist.
Einige weitere Modelle sind noch nicht lieferbar: General Mobile hat zwei Modelle angekündigt, darunter eins mit Android-Betriebssystem. Hyundai wollte bereits im April mit dem MB-D650 auf den Markt kommen, einem Modell, das preislich oderhalb des MB-D130 angesiedelt ist – bislang Fehlanzeige, die österreichische Muttergesellschaft Hyundai Mobile Europe hat Anfang Juli Insolvenz angemeldet. Hagenuk hingegen präsentierte das Einfach-Telefon DS 300, kann es jedoch auch noch nicht liefern – auch der derzeitige Halter des Markennamens Hagenuk hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolventverfahrens gestellt. Auf dem deutschen Markt noch nicht offiziell erhältlich ist zudem das Acer DX900, das von einigen Importeuren noch als E-Ten DX900 verkauft wird (E-Ten wurde von Acer gekauft, die Modelle kommen nun unter dem Acer-Label erneut auf den Markt). Das DX900 ist das erste Dual-SIM-Handy, das sich durch den eingebauten UMTS-Beschleuniger HSDPA auch gut zum Surfen eignet.
Kartenmanagement und Telefonie
Unsere Testgeräte sind – eine Bestückung mit zwei SIM-Karten vorausgesetzt – permanent über getrennte Funkteile unter zwei Telefonnummern erreichbar – also praktisch zwei Telefone in einem Gehäuse. Beim Hyundai-Modell wählt man dank zwei mit A und B gekennzeichneten Ruftasten spontan aus, mit welcher SIM-Karte man telefonieren möchte. Beim Samsung-Modell klappt dies so nicht, es besitzt nur eine Anruftaste. Über welche Rufnummer man telefonieren oder simsen möchte, wählt man anhand eines Tasters an der Gehäuseseite aus. Das Display weist in der oberen linken Ecke dezent auf die derzeit aktivierte Karte hin.
Die zweite Karte lässt sich beim Samsung – etwa am Feierabend – einfach deaktivieren. Kompliziert wird es, wenn man mal die eine und mal die andere Karte abschalten möchte: Die primäre Karte ist nicht deaktivierbar, man muss im Kartenmanagement zunächst die andere Karte als primär kennzeichnen und das Telefon neu starten – immerhin ohne Abfrage der Pins. Beim Hyundai-Modell gibt es kein Kartenmanagement: Wer nach Feierabend für berufliche Anrufe nicht mehr erreichbar sein möchte, muss entweder den Anruf einfach ignorieren oder die SIM-Karte aus dem Gerät entfernen.
Beide Kandidaten nutzen nur die in Europa gebräuchlichen GSM-Netze um 900 und 1800 MHz. In puncto Sprachqualität gefällt das Samsung gut. Dagegen kann man beim Hyundai Zischlaute wie s und f kaum hören. Die Freisprechfunktionen beider Geräte sind unbrauchbar: Das MB-D130 verschluckt dabei ganze Sätze und auch beim Samsung leidet die Verständlichkeit unter Aussetzern. Datendienste bietet das Hyundai gar nicht an, Samsung stellt lediglich das veraltete GPRS zur Verfügung – das reicht immerhin zum Versand einer MMS oder für eine kurze E-Mail.
Hyundai MB-D130
Das Hyundai MB-D130 ist trotz des Metallrahmens um das Display kein Hingucker. Die Tasten haben einen angenehmen Druckpunkt, doch die Anzeige wirkt pixelig. Auf verpasste Anrufe weist das MB-D130 in einer gemeinsamen Liste für beide SIM-Karten hin, durch ein vorangestelltes A oder B weiss man sofort, bei welcher Rufmnummer der Anruf einging. Die SMS-Verwaltung hingegen setzt auf getrennte Ordner für die beiden Karten. Zusätzlich zu den Kontakten auf den SIMs erlaubt das Handy die Aufnahme von 300 Kontakten in das gemeinsame Telefonbuch, mehr als Name und Telefonnummer speichert es allerdings auch hier nicht.
Die Multimedia-Ausstattung des MB-D130 ist dürftig. Es spielt lediglich MP3-Dateien ab, die aber alle in einem Ordner liegen müssen; Unterordner unterstützt das Gerät ebensowenig wie Playlisten. Das mitgelieferte Headset liefert einen recht ausgewogenen Klang, zudem kann man an dessen Mikrofon-Teil einen eigenen Kopfhörer über eine 3,5-mm-Klinkenbuchse anschließen.Die VGA-Kamera knipst unscharfe, verrauschte und völlig überstrahlte Bilder und nimmt keine Videos auf. Zum Wechsel der maximal 2 Gigabyte großen Speicherkarte – 512 Megabyte liefert Hyundai mit – muss man den Akku entfernen.
Die weitere Ausstattung erschöpft sich in einem einfachen Kalender, Taschen- und Einheitenrechner sowie einer Memo-Anwendung, die jedoch nur drei Einträge aufnimmt.
Samsung C5212
Das Samsung C5212 wirkt mit seinem etwas größeren und feiner aufgelösten Display wertiger, das Gehäuse besteht komplett aus Plastik. Die einzelnen Tasten sind sehr flach und mit den Fingern nur schlecht erfühlbar, sodass man gelegentlich zwei Tasten gleichzeitig drückt. In den gemeinsamen Anruflisten und Eingangsordner für SMS-Nachrichten weist ein Symbol auf die SIM-Karte hin, unter der die Nachricht empfangen wurde. Beim Beantworten muss man jedoch aufpassen, welche Karte man benutzt.
Zur Kontaktverwaltung eignet sich das C5212 gut. Zu jedem Eintrag im Telefonbuch kann man verschiedene zusätzliche Angaben machen, etwa getrennte Vor- und Nachnamen, verschiedene Telefonnummern und E-Mail-Adressen oder einen persönlichen Klingelton. Der E-Mail-Client kennt nicht nur POP3-Accounts, sondern kann auch mit IMAP-Servern sprechen.
Die 1,3-Megapixel-Fixfokus-Kamera produziert leicht überstrahlte, unscharfe und zu dunkle Bilder und nimmt Videos im QCIF-Format auf. Der Musikplayer kennt nicht nur MP3-Dateien, sondern kommt zudem mit AAC- und WMA-Dateien sowie Playlisten zurecht, auch die Wiedergabe über einen Bluetooth-Stereo-Kopfhörer funktioniert. Der Klang über das mitgelieferte Headset gefällt jedoch besser, bei der Bluetooth-Übertragung gehen die Höhen verloren. Zum Wechsel der maximal 2 Gigabyte großen microSD-Karte muss man wie beim Hyundai den Akku entfernen.
Ein Ärgerniss hat Samung auch beim C5212 wieder eingebaut: Der zentrale Navigationsknopf will eine Verbindung ins Internet öffnen. Immerhin fragt das C5212, mit welcher Karte es online gehen soll – auch Abbrechen kann man dann noch. Der Webzugang mit dem Access-Browser leidet unter der geringen Geschwindigkeit, für den Notfall reicht's. Insgesamt ist das C5212 für den Preis recht gut ausgestattet: Per Bluetooth tauscht man Dateien mit dem PC aus, ein Dateimanager liefert eine Übersicht über die auf dem Gerät gespeicherten Dateien und die Standardanwendungen wie Timer, Rechner, Aufgabenliste oder Memo werden durch Sprachmemos und eine einfache Bildbearbeitung ergänzt.
Fazit
Das Hyundai-Handy reicht für die Grundbedürfnisse aus: Die Dual-SIM-Funktionen sind ausreichend, wer auf weitere Funktionen keinen Wert legt, kann unbesorgt zugreifen. Das Samsung-Gerät hinterlässt einen besseren Eindruck: Guter Organizer und Kamera stehen auf der Haben-Seite, der Umgang mit der zweiten SIM-Karte ist jedoch unnötig fehlerträchtig. Wer etwas mehr Geld ausgeben kann, sollte zu dem älteren Samsung-Modell SGH-D880 greifen, das zudem mit einer recht guten Kamera und EDGE-Verbindungen punkten kann. Verschiedene Preissuchmaschinen listen das Gerät bereits für rund 170 Euro.
Literatur
[1] Lutz Labs, Rudolf Opitz, Dopplereffekt, Mobiltelefone mit Platz fĂĽr zwei SIM-Karten, c't 14/2008, S. 132
[2] Lutz Labs, Duales System, Dual-SIM-Smartphone mit Windows Mobile, www.heise.de/mobil/artikel/118356
| Dual-SIM-Handys | ||
| Modell | MB-D130 | C5212 |
| Hersteller | Hyundai | Samsung |
| Lieferumfang | Netzteil, USB-Ladekabel, Headset, 512-MB-microSD-Karte, Handbuch | Ladegerät, Headset, Handbuch |
| Größe, Gewicht | 106 mm x 47 mm x 17 mm, 94 g | 113 mm x 49 mm x 16 mm, 99 g |
| GSM-Bänder | 900, 1800 MHz | 900, 1800 MHz |
| Bereitschafts- / Gesprächszeiten1 | 300 h / 6 h | 200 h / 4 h |
| Datendienste | - | GPRS |
| Kamera | 640 Ă— 480 | 1280 Ă— 1024 (Video: 176 Ă— 144) |
| Display-Auflösung, -Größe, Farbtiefe | 128 × 160, 1,77 Zoll, 16 Bit | 176 × 220, 2,2 Zoll, 18 Bit |
| Media-Player-Formate | MP3, 3GP, VMI | MP3, M4A, WAV, MIDI, 3GP, H.263, MPEG-4 |
| Preis (Hersteller / Straße) | 130 €/ 100 € | 250 € / 150 € |
| 1 Herstellerangaben | ||
(ll)