Noch ein Letzter seiner Art

Der Grand Vitara bietet liebenswerten und vielversprechenden Konservativismus und noch ein gutes Jahr lang die letzte Chance auf einen Permanent-Allradler mit Geländeübersetzung. Was taugt der Klassiker von Suzuki?

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München, 27. Dezember 2013 – Mit dem Grand Vitara hat Suzuki das letzte Auto seiner Klasse mit echtem, permanentem Allradantrieb und Geländeübersetzung im Angebot. Ein liebenswerter und zugleich vielversprechender Konservativismus, bietet doch der permanente Allradantrieb die besten Voraussetzungen für Traktion ohne Nachteile sowohl auf der Straße als auch im Gelände. Wobei man nicht uneingeschränkt von "Traktion ohne Reue" sprechen sollte: Der permanente Allradantrieb befindet sich großflächig auf dem Rückzug, weil er schlecht ist für den Flottenverbrauch.

1998 kam die erste, 2005 die aktuelle zweite Generation des Grand Vitara auf den Markt, die 2012 nur leicht überarbeitet wurde. Das Concept Car "iV-4" gibt einen Ausblick auf den wesentlich schnittigeren für 2015 geplanten Nachfolger. Nur dürfte der dann in den Mainstream einschwenken und mit automatisch zuschaltendem Allradantrieb und ohne Geländeübersetzung kommen. Die letzte Chance auf einen Permanent-Allradler mit Geländeübersetzung bietet also noch ein gutes Jahr lang der Grand Vitara. Was kann der Klassiker von Suzuki?

Noch ein Letzter seiner Art (19 Bilder)

Der Suzuki Grand Vitara ist ein Universalmobil fĂĽr StraĂźe, Wald und Flur. Er kann von allem ein bisschen aber nichts richtig gut.

Das Cockpit des großen Suzuki ist übersichtlich und funktional, das Styling wirkt jedoch lieblos, die Materialien billig. Die Vordersitze sind guter Durchschnitt, im Fond ist genug Platz nach vorn und oben. Zur Vergrößerung des Gepäckraums können nicht nur die Lehnen umgeklappt, sondern die Sitze auch mit wenigen Handgriffen nach vorn gewickelt werden. Der maximale Stauraum ist mit 1386 Liter nicht üppig, lässt sich aber dank niedriger Schwelle gut beladen. Unser Testwagen hat einen 2,4-Liter-Ottomotor mit 169 PS. Er wird bei höheren Touren laut, bringt aber erst mit höherer Drehzahl auch die gewünschte Leistung. Besoners schmerzlich fehlt das Drehmoment (227 Nm bei 3800/min) vor allem beim Anfahren im Gelände oder mit einem schweren Hänger am Zughaken. Dann muss die Kupplung unnötig leiden.

Auf der Straße stellt sich wegen der indirekten Lenkung kein rechtes Vergnügen ein, fürs Gelände ist sie allerdings ein Vorteil, weil sie weniger Unruhe an Fahrers Hände weiterleitet. Einen faulen Kompromiss macht das Fahrwerk: Für ein theoretisch ziemlich geländetaugliches Auto ist der Grand Vitara leider viel zu straff gefedert und hat außerdem zu kurze Federwege. Die hohe Leistung, die sein Allradantrieb auf verworfenem Terrain eigentlich bringen könnte, verpufft so unnötigerweise recht bald an durchdrehenden Rädern, die auch die Traktionssteuerung nicht recht in den Griff bekommt. Das gilt allerdings nur, solange man ihn an echten Geländewagen misst. Unter Seinesgleichen kennt der Grand Vitara im Gelände keinen echten Konkurrenten. Mit entsprechender Bereifung wird er zu einem fähigen Jäger-Auto fürs Revier, zusätzlich mit größerer Verschränkung dank Dämpfern und Federn aus dem Zubehör wird er zu einem richtigen Kraxler.

Die Antriebstechnik bietet große Vorteile, die der Grand Vitara leider nicht voll ausschöpft. Das ist auch schade im Hinblick auf den Verbrauch, denn abschalten lässt sich der permanente Allrad ja gerade nicht. Hier haben die Wettbewerber dank Bedarfsregelung die Nasen vorn: Suzuki nennt einen Normverbrauch von 8,8 Litern, wir haben im Schnitt 11,9 Liter verbraucht.