Legendenbildung

Die Marke Brough Superior, die einst die wohl besten Motorräder der Welt baute, ist wieder ins Leben gerufen worden. Natürlich von einem reichen Briten und Motorradliebhaber. Die neue S. S. 100 ist sozusagen der Rolls Royce unter den Motorrädern

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Von
  • Ingo Gach
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München, 30. Dezember 2013 – Es war einmal... so fangen viele Märchen an, doch dieses ist wahr. George Brough war der zweite Sohn des Motorrad-Pioniers William Edward Brough aus Nottingham. Er sollte sich hinter seinem älteren Bruder im Familienunternehmen einreihen, doch der junge Mann hatte Höheres vor. Er wollte die schnellsten Motorräder der Welt bauen und so gründete er 1919 mit 21 Jahren seine eigene Firma und taufte sie ganz unbescheiden Brough Superior, was auf deutsch „überlegen“ bedeutet. Der Brite griff vor allem auf V2-Motoren von JAP zurück und garantierte, dass jede seiner ab 1924 in Handarbeit entstandenen SS 100 die magischen 100 Meilen pro Stunde (160 km/h) schaffen würde – für damalige Zeiten so etwas wie die Schallmauer. Tatsächlich erfüllten sie dieses Versprechen und galten rasch als die besten Motorräder der Welt, was dem Konstrukteur und Rennfahrer Brough einen erlauchten und betuchten Kundenkreis sicherte, denn teuer waren seine Maschinen schon damals.

Negativschlagzeilen bescherte der Marke 1935 allerdings der tödliche Unfall des britischen Offiziers, Spions und fanatischen Motorradfahrers T. E. Lawrence – später berühmt geworden durch den Oscar prämierten Film „Lawrence von Arabien“ – auf einer Brough Superior. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 nahm die Motorradproduktion ein jähes Ende. Rund 3000 Exemplare waren bis dahin entstanden, jetzt musste Brough Superior Motorenteile für Flugzeuge bauen. Nach dem Krieg fehlten in England Motoren und George Brough blieb bis zu seinem Tod 1970 Zulieferer für andere Betriebe.

Legendenbildung (18 Bilder)

Der Name geriet in Vergessenheit, nur auf Oldtimer-Auktionen sorgte er noch manchmal für Aufsehen, so als 2010 eine SS 100 für sagenhafte 286.000 Pfund (ca. 340.000 Euro) versteigert wurde. Doch jetzt meldet sich Brough Superior zurück – aus Österreich. Der vermögende Brite Mark Upham ist in dem Alpenland ansässig und will die Legende weiterschreiben. Er handelt seit 1975 mit klassischen Motorrädern und kaufte die Namensrechte an Brough Superior 2008. Schon aus Marketinggründen hat er die Brough Superior Motorcycle Ltd. in Großbritannien registrieren lassen. Seitdem hat er fleißig an der modernen Interpretation S. S. 100 (jetzt mit Punkten hinter den S) gearbeitet.