Sechs Richtige
Der Name Horex ist vielen Motorradfahrern dank der Comicfigur Werner bekannt geblieben. Ein mutiger Unternehmer hat die Marke wiederaufleben lassen und eine moderne Horex mit einem VR6-Motor aufgelegt. Kürzlich erschien ein zweites Modell, die VR6 Classic
- Ingo Gach
Köln, 13. Januar 2014 – Es war schon immer etwas teurer, einen exklusiven Geschmack zu haben. Auf genau diese Einstellung setzt die wiederauferstandene Marke Horex. Ein halbes Jahrhundert lang war die einst beliebte Firma nicht mehr existent, wenn auch durch die Comic-Kultfigur Werner gut bekannt. Dann wagte ein mutiger Ingenieur und IT-Manager namens Clemens Neese einen Neuanfang. Ihm war klar, dass es ein außergewöhnliches Motorrad werden musste, um eine Überlebenschance zu haben. Ist ein Sechszylinder-VR-Motor außergewöhnlich genug? Wir denken: ja.
Die Idee zum Sechszylinder spukte dem begeisterten Motorradfahrer Neese schon länger im Kopf herum, inspiriert durch den kompakten und kräftigen VR6-Motor von VW. Schließlich wagte er den Schritt und gründete zusammen mit seinem Kollegen Frank Fischer ein Unternehmen, dass sich 2007 die Rechte an dem legendären Namen Horex sicherte. Gleichzeitig entwickelte er zusammen mit dem Institut für Verbrennungsmotoren und Fahrzeugantriebe der Hochschule München einen VR6-Motor für Einspurfahrzeuge und meldete die Patentrechte an. Auch Volkswagen half bei der Konstruktion und konnte seine großen Erfahrungen mit den eigenen VR6-Motoren einfließen lassen. Den ersten VR6-Motor ließ sich übrigens Lancia 1915 patentieren und baute bis 1976 Flugzeug- und Automotoren nach diesem Prinzip.
Sechs Richtige (16 Bilder)

(Bild: Horex (alle))
Einzigartiger Motorradmotor
Der Motor wurde komplett neu entworfen, denn die Anforderungen beim Motorrad unterscheiden sich deutlich vom Automobilbau. Am Zylinderkopf konnten zum Beispiel die Ansaugkanäle gerade von oben und in jeweils gleicher Länge in die Airbox gelegt werden. Es war ein hartes Stück Entwicklungsarbeit, um ein Maximum an Leistung und ein Minimum an Baumaßen zu erreichen. Horex entschied sich für einen Zylinderwinkel von 15 Grad zwischen den beiden Zylinderbänken. Mit nur 429 mm im Bereich des Zylinderkopfs baut der VR6 nicht breiter als ein Vierzylinder.
Die schrägen Kolbenböden kompensieren den Winkel zwischen den Zylinderebenen und dem gemeinsamen, planen Zylinderkopf. Die 18 radial angeordneten Ventile werden durch drei Nockenwellen angetrieben, was im Motorradbau bislang einzigartig ist. Um extrem lange Pleuel durch den engen Zylinderwinkel und damit ein hohes Kurbelgehäuse zu vermeiden, schneiden sich die Achsen der Zylinder nicht auf Kurbelwellenebene, sondern erst darunter. Anders herum ausgedrückt: Um die Kurbelwelle näher an die Zylinder rücken zu können, nahm man in Kauf, dass die Achsen der Zylinder zur Kurbelwelle leicht versetzt sind. Der Fachmann nennt das „geschränkt“.
Noch kein Kompressor, aber viel Power
Ursprünglich wollte Neese den Motor mit einem Kompressor bestücken, mit dem der Motor für rund 200 PS gut gewesen wäre, doch den ist er uns bislang schuldig geblieben. Aber auch ohne mechanische Aufladung kann sich der VR6 sehen lassen: 161 PS und 137 Nm aus 1218 Kubikzentimetern haben mit dem hohen Trockengewicht von 249 kg leichtes Spiel.