Unsichere Zukunft

Die Verkaufszahlen für 2013 lassen die Motorradindustrie zwar jubeln, aber in Wirklichkeit besteht wenig Anlass dazu. Die Neuverkäufe haben sich seit 2000 innerhalb eines Jahrzehnts halbiert, seither dümpeln sie um die 80.000 herum

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Von
  • Ingo Gach
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Köln, 22. Januar 2014 – Die von den Herstellern und Importeuren mit Bangen erwarteten Verkaufszahlen für 2013 werden vom Industrie-Verband Motorrad Deutschland (IVM) nun mit großer Euphorie gefeiert: 87.432 Motorräder über 125 Kubikzentimeter wurden insgesamt unter das Zweirad fahrende Volk gebracht, ein Anstieg um 2,65 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Konkret sind das 2254 Stück mehr. Aber ist das wirklich ein Anlass zum Jubeln? Zur Jahrtausendwende wurden 170.636 Motorräder in Deutschland verkauft, heute nur noch die Hälfte – ein Absturz ins Bodenlose. In Wahrheit kämpfen etliche Hersteller hierzulande ums Überleben und immer mehr Händler müssen schließen, wegen mangelnder Nachfrage.

Die einzige Marke, die in Deutschland seit Jahren auf konstantem Niveau bleibt, ist BMW mit 19.980 verkauften Motorrädern, weltweit waren es 115.215 Stück. Ihren hiesigen Marktanteil von 22,85 Prozent haben sie aber hauptsächlich einem Modell zu verdanken, ihrer unfassbar beliebten Boxer-Enduro, inzwischen als wassergekühlte R 1200 GS im Handel. Sie steht wie festzementiert seit einer gefühlten Ewigkeit auf Platz eins der Bestsellerliste in Deutschland: 7875 Stück waren es 2013. Dabei ist die R 1200 GS mit 14.400 Euro richtig teuer. Zum Vergleich: Auf Platz zwei hat es, dank des günstigen Preises von 5730 Euro, die Honda NC 700 S geschafft, mit gerade Mal 2294 Zulassungen. Überhaupt tummeln sich nicht weniger als fünf BMW-Modelle in den Top Ten.

Unsichere Zukunft (14 Bilder)

Der ewige Bestseller: BMW R 1200 GS. Die Boxer-Enduro ist seit Jahren ein unfassbarer Verkaufserfolg, dabei ist sie kein Sonderangebot.

Sämtliche andere Hersteller hinken dem Champion aus Bayern hinterher. Selbst der – immer noch – weltgrößte Motorradhersteller Honda bringt es in Deutschland mit 12.028 Motorrädern nur auf 13,76 Prozent Marktanteil. Und damit steht er noch gut da – Yamaha, der Erzkonkurrent aus Japan, findet sich auf einem blamablen neunten Rang wieder. Lediglich 5434 Stück der einst so beliebten Marke fanden letztes Jahr bei uns einen Käufer. Yamaha hat es versäumt, neue, attraktive Modelle auf den Markt zu bringen. Der Hersteller gelobte Besserung und hofft nun auf die frisch eingeführten MT-Modelle (MT-09, MT-07). Ob sie wirklich die große Wende bringen, wird sich erst noch zeigen müssen.

Auf Rang drei der Statistik findet sich eine echte Überraschung: Harley-Davidson konnte seinen Vorjahresplatz behaupten und den Absatz sogar steigern. Die amerikanischen V2-Bikes standen lange im Ruf, überaltete Technik zu überteuerten Preisen anzubieten. Offensichtlich ist das den deutschen Fans der Kultmarke aus Milwaukee wurscht, sie griffen 9927 Mal zu und sicherten Harley einen Marktanteil von 11,36 Prozent.