Gutes über Opel
Wenn einem als 18-Jähriger vor langer Zeit Aussehen oder Image egal war, konnte man kaum mehr Auto für weniger Geld kaufen als im Fall des Opel Vectra (A) 1.8i. An diese Qualitäten erinnerte mich der kleine Adam.
Kollegen werfen mir gelegentlich "Opel-Hass" vor. Nichts könnte ferner der Wahrheit sein. Hass verspüre ich nur bei überforderten Senioren, die mit 30 km/h in der Mitte der Straße durch den Schwarzwald tuckern und sich freuen, wie frei die Straße vor ihnen ist. Und so viele Cascadas wurden ja dann doch wieder nicht verkauft. Der Blick in den Seelenspiegel sagt eher, meine Beschäftigung mit Opel hat viel mit Liebe zu tun, so ähnlich wie meine Beschäftigung mit Aprilia. Ich hatte mal eine alte Aprilia Mille von 1998, eine italienische V2-Supersportlerin mit Flanken aus poliertem Alu, die zuverlässiger war als die fabrikneuen BMWs, die ich zur selben Zeit beruflich ausprobierte. Dann kaufte Piaggio den Laden, und über Nacht gab es von Aprilia einen Haufen neue, tolle Modelle, die es vom Funktionsgrad her allesamt in Japan nicht einmal in die Fahrerprobung geschafft hätten. So ähnlich ging es mir mit Opel.
Ich hatte einen fahrenden Kühlschrank, einen weißen Opel Vectra 1.8i von 1991, Karrosserieform Limousine. Mit 170.000 Kilometern auf der Uhr lief der alte Vierzylinder noch 100.000 weitere Kilometer wie ein Uhrwerk und er hätte das auch noch weiter getan, wenn ich ihn nicht für einen symbolischen Euro verkauft hätte. Schwächen waren zu dieser Zeit, dass mir die Aufhängung der Stabi-Stange vorne durchgerostet war und vor allem, dass ich kein Auto mehr brauchte, weil ich in Hannover wohnte. Meine erste Anschaffung dort war ein Fahrrad. Nach ein paar Monaten fiel mir im Vorbeigehen (oh, mein Auto!) auf, dass ein Obdachloser sein Bett auf Rüsselsheimer Plüsch gemacht hatte, weil ich den Wagen nicht abgeschlossen hatte, aus alter Partyfahrgewohnheit: "Das Auto ist immer offen, bitte komm nicht zu mir, wenn du deine Schminksachen ablegen oder rausnehmen willst. Mach es einfach." Das einzige Mal, als ich das Auto auf dringendes Anraten eines Deutschen in Südfrankreich abschloss, wurde das Schloss aufgebrochen. Jedenfalls klingelte nach ein paar weiteren Monaten Standzeit in Hannover die Polizei bei mir wegen eines Autos. Auto? Welches Auto? "Es ist weiß", sagte der Polizist, "und es steht dort, wo wir eine Baustelle aufmachen wollen."
Gutes über Opel (3 Bilder)

So in etwa sah mein Testwagen aus, nur mit Salzkruste und Winterreifen auf schwarzen Stahlfelgen.
Garagenfund im Libanon für 1 Euro
Das weiße Auto war staubbraun wie ein Garagenfund im Libanon. Seine Batterie war tiefentladen, doch ansonsten funktionierte es (vom klonkenden Querstabilisator und einem leichten Lambrusco-Geruch im Innenraum abgesehen) einwandfrei. Der Uhrwerk-Vierzylinder brummte über den Messeschnellweg. Mein Herz füllte sich mit Respekt für den Kühlschrank. Nichts konnte ihn zerstören. Wie oft ich aus Wut über andere Dinge dagegengetreten hatte, im Wissen, dass ihm das nichts ausmacht! Wie schön der Moment, als ich in Teenager-Nassforschheit rückwärts ausparkend einen Golf per Seitenaufprall vernichtete, am Kühlschrank jedoch keinen Kratzer finden konnte! Die nächtlichen Rennen, die der Vectra gewann, weil ich damals zehn Meter groß und mit diplomatischer Immunität gesegnet war, zumindest in meiner Teenager-typischen Selbstwahrnehmung. Dann jedoch füllte sich mein Herz mit hannoveranischer Fahrradfahrervernunft und ich rief einen Bastler an, dem ich das Teil schenken wollte. Er drängte mir einen Standard-ADAC-Kaufvertrag, einen Euro und ein Dosenbier auf, der Gute.