Gescheiterte MZ-Rettung: Amtsgericht will eigenes Gutachten

Im Herbst 2012 war der Motorradhersteller MZ endgültig am Ende. Die Frage ist, wann genau MZ zahlungsunfähig war. Der erfolglose Retter ist sich auch heute keiner Schuld bewusst

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Der Prozess gegen Ex-Motorradrennfahrer Martin Wimmer wegen Insolvenzverschleppung bei den Motorenwerken Zschopau (MZ) ist ausgesetzt. Nach nicht einmal einer Stunde war die Verhandlung vor dem Amtsgericht Chemnitz am Donnerstag schon wieder vorbei. Der Vorsitzende Richter will mit Hilfe eines eigenen Gutachtens prüfen lassen, wann das Unternehmen zahlungsunfähig war. Die Hauptverhandlung wird deshalb erst im Dezember 2014 fortgeführt. Wimmer übernahm die Motorrad-Marke MZ im Frühjahr 2009 zunächst gemeinsam mit dem Ex-Rennfahrer Ralf Waldmann. Eine Wiederbelebung gelang ihm jedoch nicht.

In der DDR war MZ eine sehr populäre Marke.

(Bild: MZ)

Die Staatsanwaltschaft wirft Wimmer neben dem zu spät gestellten Insolvenzantrag Untreue, Veruntreuung von Arbeitsentgelten und Bankrott vor. Die Anklage basiert nach Angaben von Staatsanwalt Robert Schwarz in erster Linie auf einem Gutachten des Insolvenzverwalters. Demnach sei MZ bereits im März 2012 zahlungsunfähig gewesen. Zudem habe es Wimmer bewusst unterlassen, fällige Arbeitnehmerbeiträge zu zahlen.

Die Ergebnisse des Insolvenzverwalters zweifelt die Verteidigung allerdings an. „Man muss sorgfältiger prüfen, zudem wurde unser Mandant nicht in die Untersuchungen einbezogen“, kritisierte Wimmers Anwältin Annette Marberth-Kubicki. Die drei Verteidiger des Ex-Rennfahrers präsentierten ein eigenes Gutachten, wonach die Zahlungsunfähigkeit erst Ende August 2012 eingetreten sein soll. Damit wäre der Insolvenzantrag, den der heute 56-Jährige am 7. September 2012 beim Amtsgericht Chemnitz stellte, fristgerecht. Zu diesem Zeitpunkt stapelten sich laut dem Gutachten des Insolvenzverwalters die offenen Rechnungen bei MZ bereits seit Monaten. Die meisten Gläubiger ließen sich Wimmer zufolge jedoch auf Stundungen ein. Damit sei eine Zahlungsunfähigkeit nicht gegeben gewesen, dies habe der Insolvenzverwalter allerdings nicht berücksichtigt, sagte Wimmer, der heute in Hongkong lebt, im Prozess.

Als laut Wimmer im Sommer 2012 verschiedene Aufträge platzten und ein zunächst zugesagter Dispokredit seiner Münchner Hausbank nicht zustande kam, war MZ nach seiner Aussage jedoch endgültig am Ende und der Gang zum Gericht unvermeidlich. Die Fehlbeträge sollen in die Millionen gegangen sein. Wimmer sagte, seine ehemalige Bank habe MZ in die „Insolvenzfalle“ getrieben. Eine Antwort auf die Frage, welchen Vorteil dies für das Geldinstitut hätte, blieb er schuldig. Vor dem Landgericht München I ist ein derzeit ruhendes Zivilverfahren zwischen der Bank, Wimmer und einem Bankier aus Ludwigshafen anhängig, der nach dem Abgang von Waldmann im Jahr 2010 als privater Investor bei MZ einstieg. Dabei geht es um Schadenersatz. Der ehemalige Werksfahrer Wimmer, der in seiner Karriere drei Grand-Prix-Siege holte, sagte, er hätte eher die Notbremse ziehen müssen anstatt auf Partner zu vertrauen. Weitere Fehler habe er jedoch nicht gemacht.

(dpa) (mfz)