Siemens mit Milliardenverlust
Mit einem Milliardenverlust schloss der neugestaltete Siemens-Konzern das Schlussquartal des Geschäftsjahres ab und konnte dank des VDO-Verkaufs das Jahr mit einer Gewinnsteigerung beenden. Im laufenden Jahr warten neue Herausforderungen.
Schmiergeldskandal, fragwürdige Zahlungen an die Gewerkschaft AUB, Verkauf von Geschäftsbereichen und der Abbau von tausenden Arbeitsplätzen: Das war kein leichtes Jahr für Siemens. "Jahr des Wandels" nennt die Konzern-PR das schwierige Geschäftsjahr 2007/2008, das mit einem tiefroten Quartal zu Ende ging. Nur dank des Verkaufs des Automobilzulieferers VDO kann der Konzern das Geschäftsjahr mit einer Gewinnsteigerung abschließen.
Mit rund 4 Milliarden Euro belasten Konzernumbau und zu erwartende Strafen wegen des Schmiergeldskandals das Ergebnis des vierten Quartals. Siemens konnte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7 Prozent auf 21,65 Milliarden Euro steigern. Unter dem Strich weitete der Konzern den Verlust von 74 Millionen Euro im Vorjahr auf 2,42 Milliarden Euro aus. Darin sind Verluste aus nicht fortgeführten Aktivitäten von insgesamt 1,16 Milliarden Euro enthalten. Im fortgeführten Geschäft verschlechterte sich Siemens von einem Vorjahresgewinn von 1,39 Milliarden Euro auf einen Verlust von 1,26 Milliarden Euro.
Operativ stand Siemens im vierten Quartal trotz der Konjunktureintrübung vergleichsweise gut da. Neben dem Konzernumsatz legte auch der Auftragseingang um 4 Prozent auf 22,2 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis der drei operativen Einheiten verringerte sich angesichts der Sonderbelastungen um ein Viertel auf 1,5 Milliarden Euro. Konzernchef Peter Löscher hat den Konzern auf die drei Bereiche Energie, Industrie und Gesundheit konzentriert. "Wir haben jetzt ein Portfolio, das deutlich stärker auf die langfristigen Entwicklungen in der Welt fokussiert ist", sagte Löscher. Die Fokussierung kostete rund 17.000 Arbeitsplätze.
Für das Gesamtjahr weist Siemens einen Gewinn von 5,89 Milliarden Euro aus. Der Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten lag nach Unternehmensangaben weit unter dem Niveau des Vorjahres bei 1,86 Milliarden Euro. Den Jahresumsatz konnte der Konzern um 7 Prozent auf 77,3 Milliarden Euro steigern, und der Bestelleingang wuchs um 11 Prozent auf 93,5 Milliarden Euro. "Wir haben unsere Hausaufgaben erledigt", kommentierte Löscher und verspricht ruhigere Zeiten. "Die Transformation von Siemens ist abgeschlossen."
Doch auch 2009 wird wohl ein schwieriges Jahr werden. "Der Abschwung ist in der Realwirtschaft angekommen und wird sich auch bei uns niederschlagen", sagte Löscher mit Blick auf die Finanzkrise. Der Konzernchef hält dennoch an seiner Prognose für 2009 fest. "Es ist sicher ambitionierter geworden, unsere Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2009 zu erreichen." Auftragseingang und Umsatz dürften an Wachstumstempo verlieren, das Unternehmen will aber weiterhin zweimal so schnell wachsen wie die Weltwirtschaft. Ohne mögliche Sonderbelastungen – wie sie aus der Schmiergeldaffäre noch zu erwarten sind, die Verhandlungen mit der US-Börsenaufsicht laufen noch – will Löscher den Gewinn auf 8,0 Milliarden bis 8,5 Milliarden Euro schrauben.
Siemens hat sich in den vergangenen Monaten von einem Kommunikationsunternehmen zum Industriekonzern gewandelt. Die einstmals mächtige COM-Sparte hatte Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld aufgelöst. Die Einzelteile wurden sukzessive abgestoßen. Die Telefonsparte wurde ebenso ausgelagert wie das Netzwerkgeschäft. Zuletzt zog sich Siemens aus der Computerfertigung zurück. Zuvor nagte das unrühmliche Kapitel der an BenQ verkauften und schließlich in die Insolvenz geschickten Handysparte bereits am guten Ruf des Konzerns, den der von der COM-Sparte ausgehende Schmiergeldskandal endgültig ruinieren sollte. (vbr)