Moar Maurerporsches!

Die Heilige Schwäbische Kirche des 911 hat lange versucht, den Porsche 924 aus der Unternehmensgemeinde zu exkommunzieren. Doch für Kinder und Jugendliche war er der sichtbare Porsche. Bitte baut wieder einen!

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Klassische Keilform, Standardantrieb, Schlafaugen: Jedes Kind verstand diese Sprache.
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Inhaltsverzeichnis

Als ich ein Bub war, gab es einen Sportwagen, den ich besonders gern mochte: den Porsche 924. Nun war dem 924 selbst mit geringer Lebenserfahrung anzusehen, dass er die einfachere Variante zu Sportwägen mit dick geschwollenen Radkästen und mehr Luftleitsystemen als ein Airbus war. Genau das machte ihn uns autoliebenden Kindern so sympathisch, denn genau das sorgte für den wohl gleichzeitig wichtigsten und unterschätztesten Faktor der Sportwagenbewertung: Anwesenheit. Der 924 war viel erreichbarer als ein 911, deshalb sah man ihn viel öfter. Und während der 911 meistens in trockenen Garagen stand, parkten viele 924er unter Laternen – dort also, wo Buben sich die Nase am Seitenfenster und am Glaskasten des Hecks plattdrückten. Meistens waren die Besitzer eben diesen Buben gegenüber deutlich nachsichtiger als die Erdkundelehrer, die 911er fuhren.

Einmal sprach mich ein Nachbar auf der Straße an, warum ich mir den blau lackierten, unter der Laterne oxidierenden 924 ansehe. "Das ist der Maurerporsche", sagte er, und weil ich keinerlei negative Assoziationen zu Maurern aufweisen konnte, eher im Gegenteil, führte er weiter aus: "Der Maurerporsche ist kein richtiger Porsche. Da sind Teile von Audi drin, und von VW." Wie zu den Maurern hatte ich auch zu Audi oder VW keinerlei negative Assoziationen, auf die der Mann offenbar baute. Im Gegenteil besaßen wir einen VW Passat, den wir so liebten, dass wir ihm einen Namen gaben. Also fragte ich: "Was ist dann ein richtiger Porsche?" "Nur der 911 ist ein richtiger Porsche." Damit ließ er mich stehen, im Glauben, wichtige Überzeugungsarbeit geleistet zu haben. War aber nicht so.

Moar Maurerporsches! (6 Bilder)

Klassische Keilform, Standardantrieb, Schlafaugen: Jedes Kind verstand diese Sprache.

(Bild: Porsche)

Denn 911er fuhren in meiner damaligen Wahrnehmungswelt nur Lehrer, Rektoren und andere Menschen, die einen gerne mit dem Zeigefinger traktierten. Noch schlimmer waren und sind allerdings Leute wie dieser Nachbar, die sich für die letzte Wahrheit des Universums halten und daher wissen, was ein richtiger Porsche ist und was nicht, was man folglich kaufen darf und was nicht, und was selbst Kinder nicht unter ästhetischen Gesichtspunkten anzustarren haben. Meistens fahren diese Schrebergärtner der Gesellschaft selber gar keinen Porsche, sie wissen nur perfekt, was die Anderen kaufen müssen. Als Bub stand ich eine Weile verwundert auf dem Trottoir, dann presste ich wieder die Nase ans Glas des 924. Denn der 924 war da. Und seine Kunden predigten mir nicht, was man als gut zu befinden habe und was als schlecht. Damit nervte einen ja schon die Kirche ständig. Und wenn selbst die AMS mittlerweile zugibt, dass der 924 am ehesten Ferdinand Porsches Porsche sei: Bei Maurern und Herrn Porsche war man nun wirklich nicht in schlechter Gesellschaft.