Der Mammut-Mann
Nicht jeder wird sofort mit dem Namen Friedel Münch etwas anfangen können, aber spätestens bei dem Begriff „Münch Mammut“ klingelt es. Die gewaltigen Motorräder waren in den späten 60er Jahren die stärksten Serien-Bikes der Welt
- Ingo Gach
Köln, 14. Mai 2014 – Nicht jeder wird sofort mit dem Namen Friedel Münch etwas anfangen können, aber spätestens bei dem Begriff „Münch Mammut“ klingelt es. Die gewaltigen Motorräder waren in den späten 60er Jahren die stärksten Serien-Bikes der Welt.
Münch war Zeit seines Lebens ein begnadeter Tüftler und Konstrukteur. Schon früh baute der gelernte Kraftfahrzeugschlosser seine eigenen Rennmaschinen auf und nahm Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre zunächst selber an Veranstaltungen teil, beendete dann aber seine aktive Karriere und verlegte sich fortan auf die Konstruktion von Hochleistungsmotoren. Als seine Horex mit Stoßstangen-Motor absolut ausgereizt war, fertigte Münch einen eigenen Zylinderkopf mit zwei oben liegenden Nockenwellen und Königswellenantrieb an. Er taufte sie auf den Namen „Münch Spezial“.
Der Mammut-Mann (5 Bilder)

Brillanter Bastler
Bald wurde die Firma Horex auf den brillanten Bastler aufmerksam und Münch bekam eine Stelle in Bad Homburg als Leiter der Rennabteilung. Doch er liebte seine Unabhängigkeit und hängte nach nur einem halben Jahr den Job an den Nagel, um sich wieder ganz seinen eigenen Ideen zu widmen. Als 1956 die Firma Horex pleite war, kaufte er deren Fertigungsmaschinen und Ersatzteillager auf. Münch genoss schnell einen guten Ruf, und viele Rennfahrer kamen zu Münch, um von ihm die Motoren frisieren zu lassen.
Doch schon seit seiner Zeit bei Horex spukte Friedel MĂĽnch die Idee eines gewaltigen Vierzylinder-Motorrads im Hinterkopf. Dort hatte man einst ein solches Projekt angedacht, aber wieder verworfen. Aus ZeitgrĂĽnden kam die Entwicklung seines Vierzylinder-Motors aber nur langsam voran. In der Zwischenzeit entwickelte er unter anderem eine Hochleistungsbremse, um den steigenden PS-Zahlen Herr zu werden. Die Duplex-Trommelbremse wies einen Durchmesser von 250 mm auf und galt bald als MaĂź der Dinge im Rennsport.
MĂĽnch verfolgte unbeirrbar sein Projekt
In den 60er Jahre befand sich der Motorradmarkt in Deutschland im steilen Sinkflug, doch Münch arbeitete unbeirrt weiter an seiner Idee, das stärkste Serienmotorrad zu bauen. Im NSU TT 1000 fand er schließlich den idealen Motor für sein Projekt, musste ihn aber noch aufwendig modifizieren. Den Rahmen und die gesamte Peripherie baute Münch natürlich selbst. Im Februar 1966 erschütterte das Donnern des hubraumstärksten Motorrads der Welt die Werkstatt. Die Münch erhielt damals schon den Spitznamen „Mammut“, durfte diesen aber nie offiziell tragen, weil er bereits geschützt war.