Wettkampfkultur

Vorläufig letzter Höhepunkt der friedlichen Wettkampfkultur des internationalen Motorsports: Mehr als 300.000 Zuschauer feiern am 4. Juli 1914 in Lyon die Fahrer, die auf Mercedes Rennwagen den prestigeträchtigsten Automobilwettkampf dieser Zeit gewinnen

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Wettkampfkultur
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Stuttgart, 6. Juni 2014 – Rauschender Jubel für Christian Lautenschlager, den Gewinner des Grand Prix de l’Automobile Club de France 1914: Mehr als 300.000 Zuschauer feiern am 4. Juli 1914 in Lyon den deutschen Rennfahrer, der auf dem Mercedes Grand-Prix-Rennwagen den prestigeträchtigsten Automobilwettkampf seiner Zeit gewinnt und dabei zugleich den ersten Dreifachsieg von Mercedes in einem Grand Prix anführt.

Weniger als vier Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 28. Juli 1914 erreicht in diesem Jubel noch einmal die friedliche Wettkampfkultur des Motorsports einen internationalen Höhepunkt. Das beschreibt auch der Korrespondent der „Allgemeinen Automobil-Zeitung“ aus Wien in der Ausgabe vom 11. Juli 1914: „In sehr sportlichem Geiste sparte das Publikum nicht mit dem Beifall für den Sieger.“

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Im Bild der spätere Sieger Christian Lautenschlager (Startnummer 28) während des Rennens an der Haarnadelkurve in Les Sept Chemins, etwa ein Kilometer vor Start und Ziel. Man beachte die auf das Dach gebaute Tribüne für amerikanische Gäste des Hotels.

Christian Lautenschlager, Louis Wagner und Otto Salzer fahren – in dieser Reihenfolge – am 4. Juli 1914 auf Mercedes Grand-Prix-Rennwagen einen überragenden Dreifachsieg ins Ziel. Damit prägte Mercedes den Grand Prix de l’Automobile Club de France 1914, dem letzten Rennen von Weltrang vor der Zäsur des Krieges.

Für die Motoren ist im Grand Prix de l’ACF 1914 der Hubraum auf 4,5 Liter beschränkt. Außerdem darf das Fahrzeug höchstens 1100 Kilogramm wiegen und muss mit zwei Personen besetzt sein, die jeweils mindestens 60 Kilogramm wiegen. Das erfordert eine komplette Neukonstruktion.

Der verkleinerte Hubraum muss durch eine Steigerung der Motordrehzahlen auf 3000 bis 3500/min ausgeglichen werden. Die Motorenkonstrukteure unter Paul Daimler entscheiden für in den Zylinderkopf geschraubte Stahlzylinder mit aufgeschweißten Wassermänteln. Die Zylinder-/Zylinderkopfeinheit wird mit dem zweigeteilten Aluminium-Kurbelgehäuse verschraubt. Sie setzen erstmals überhaupt bei der DMG einen Vierventilkopf mit V-förmig in einem Winkel von 60 Grad hängenden Ventilen und einer oben liegenden Nockenwelle ein.