Das Grüne Monster

Bereits vor über 100 Jahren baute Opel in Rennfahrzeugen Motoren mit Vierventiltechnik ein. Der beeindruckendste ist das „Grüne Monster“ von 1914. Er wird nur wenige Tage nach dem 24-Stunden-Rennen am Nürburgring genau 100 Jahre alt

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Grünes Monster
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Von
  • Marcel Sommer
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München, 25. Juni 2014 – Bereits vor über 100 Jahren baute Opel in Rennfahrzeugen Motoren mit Vierventil-Technik ein. Der beeindruckendste ist das „Grüne Monster“ von 1914. Er wird nur wenige Tage nach dem 24-Stunden-Rennen in der Grünen Hölle am Nürburgring genau 100 Jahre alt. Ein Gefährt mit einem 12,3-Liter-Motor darf man durchaus als monströs bezeichnen. Erst recht einen Monoposto mit zwei Tonnen Leergewicht. Der Vierzylinder-Motor gab 260 PS ab und schickte maximal 700 Nm Drehmoment ins Getriebe. Mit dem 228 km/h schnellen Rennwagen errang Opel-Werksfahrer Carl Jörns die meisten seiner Siege.

Das hubraumstärkste Fahrzeug, das jemals in Rüsselsheim entstand, ist das zweite mit Vierventil-Technik. Bereits 1913 baute Opel eine neue Generation von Rennwagen für den großen Preis von Frankreich, einem Vorläufer heutiger Formel1-Rennen. Es entstanden drei dieser Fahrzeuge, die lediglich 1100 Kilogramm wiegen durften. Ihr auf 4,5-Liter limitierter Benzinmotor mit vier Zylindern leistete 110 PS hatte ein Kurbelgehäuse aus Aluminium, eine oben liegende Nockenwelle und jeweils zwei Einlass- und zwei Auslassventile.

Das Grüne Monster (8 Bilder)

Von 25 Mechanikern in 10jähriger Arbeit restauriert: der Opel Rennwagen von 1914 mit dem Spitznamen „Das grüne Monster“. (Bild: Opel (alle))

Anders als in aktuellen Fahrzeugen kann man beim grünen Monster den Ventilen bei der Arbeit zuschauen, ohne die Motorhaube zu öffnen oder Plastikverschalungen abzunehmen. So schön die insgesamt 16 Ventile beim Öffnen und Schließen auch zu beobachten sind, so unangenehm ist das während der Fahrt. Der Fahrtwind bläst dem Fahrer das Öl unablässig ins Gesicht. Ohne Schutzbrille käme man nicht weit. Zumal das gerade einmal DIN-A 4-Blatt große Windschutz-Scheibchen wenig abhält.

Im Jahr 1914 für 85.000 Mark entwickelt, beträgt der Versicherungswert heute 1,5 Millionen Euro. Ein theoretischer Wert, wenn man bedenkt, dass 25 Mechaniker zehn Jahre lang mit der Restauration beschäftigt waren. Die Arbeiten schritten nur langsam voran. 1914 gab es noch keine genormten Gewindeformate. Jede Schraubverbindung musste extra angefertigt werden. Trotz aller Handwerkskunst war der Originalmotor nicht mehr zu retten. Die Restaurateure kamen um einen Neuguss nicht herum. Doch es hat sich gelohnt. Auch der Nachbau bringt die geforderte Leistung und beschleunigt den Zweitonner in 15 Sekunden auf Tempo 100. Im Verbrauch folgt der 12,3-Liter-Motor mit 50 L/100 km echter Rennwagentradition.

Doch vor dem Fahren kommt das Anlassen. Entweder mit Hilfe einer schweren Kurbel an der Front, oder durch Anschieben: Den zweiten der vier Gänge einlegen und zwei, besser drei Leute schieben lassen. Eine schwarze Rauchwolke und ein an Fischkutter erinnerndes Motorengeräusch sind Signale eines erfolgreichen Startversuchs.