Gescheitert am Buschtaxi

Ende der 70er versuchte Porsche mit einem 911 SC 3.0 die mörderische East African Safari Rallye zu gewinnen. An eine Teilnahme war nur mit aufwendig modifizierten Autos zu denken – besonders, wenn es sich um einen luftgekühlten Porsche handelt

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Mit dem 911 durch den Busch: Porsche 911 SC 3.0 Safari
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Von
  • Wolfgang Gomoll
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München, 1. August 2014 – Ende der 70er-Jahre versuchte Porsche mit einem 911 SC 3.0 die East African Safari Rallye zu gewinnen. Sie gilt vielen als die härteste Rallye der Welt. An eine Teilnahme an dieser mörderischen Wettfahrt über die Pisten Kenias war nur mit aufwendig modifizierten Autos zu denken – besonders, wenn es sich um einen luftgekühlten Porsche handelt.

Vor knapp vierzig Jahren fehlte Porsche noch ein Sieg in der Safari Rallye in Kenia. Nach drei vergeblichen Anläufen und zwei undankbaren zweiten Plätzen sollte es 1978 nach dreijähriger Abstinenz und akribischer Vorbereitung endlich klappen. Zwei Werkswagen sollten endlich den langersehnten Sieg holen. Mit Björn Waldegaard und Hans Thorszelius kehrten zwei afrikaerprobte Rallyefahrer nach Kenia zurück. Im anderen Porsche saßen Vic Preston jr. und John Lyall.

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Waldegaard / Thorszelius beim Start in Nairobi.

Der Porsche 911 SC 3.0 in den Farben des Sponsors Martini Racing musste sich mit über 200 km/h durch den Sand wühlen, über Stock und Stein brettern und bei Bedarf auch Flüsse furten können. Dazu installierten die Techniker langhubige Radaufhängungen mit Bilstein-Gasdruckdämpfern und langen, weichen Federn, welche in Verbindung mit den Dunlop-Spezialreifen in den Dimensionen 185 HR 15 (vorne) und 205 HR 15 (hinten) die Bodenfreiheit auf 28 Zentimeter erhöhten. Dazu kam ein stabiler Unterschutz, auf dem das Auto auch längere Distanzen gleitend zurücklegen konnte. Steinschlag war eine andauernde Gefahr, auch für die filigranen Radaufhängungen. Um die Querlenker zu schützen, beschichteten sie die findigen Schwaben mit glasfaserverstärktem Kunststoff und versahen ihre Unterseiten noch zusätzlich mit Federstahlblechen.

Damit hatten sie den 911 mit den entscheidenden Buggy-Attributen versehen, was zum Schnellfahren abseits der Straße ja keine schlechte Idee ist, wie unter anderem die Heckantriebs-Autos von Jean-Louis Schlesser auf der Rallye Dakar immer wieder gezeigt haben. Siegreich war der Franzose mit diesem Konzept 1999 und 2000. Das relativ hohe Gewicht des Porsche 911 Safari von rund 1180 Kilogramm resultierte aus der verstärkten Karosserie. Die war dringend nötig, denn Mensch und Maschine wurden bei der Tortur durch die afrikanische Steppe regelrecht weichgeprügelt. Mit dem Unterschied, dass sich ein gut trainierter Mensch wieder regeneriert, ein Auto aber immer labbriger wird. Aber auch Anbauten trugen zur Zunahme bei. So sollte ein Rammschutz Wildunfällen den größten Schrecken nehmen. Denn nicht nur die Landschaft setzte den Fahrzeugen zu, auch Tiere konnten den Rallyeautos jederzeit in die Quere kommen. Schwer waren auch die Flüssigkeiten: Der Benzintank fasste 110 Liter, dazu kamen 20 Liter Öl und 16 Liter Wischwasser für die Scheinwerfer.