Katalysator der Elektromobilität

Mitte September geht in China die neue FIA-Rennserie für rein elektrisch angetriebene Formel-Fahrzeuge an den Start. Vermarktet wird nicht weniger als die Vision einer neuen Automobil-Ära. Mehr als 50 Millionen Euro an Investorengeldern wurden schon eingesammelt

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Katalysator der Elektromobilität
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Von
  • Peter-Michael Ziegler
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Hektische Betriebsamkeit in der Box von Nick Heidfeld: Das mächtige Lithium-Ionen-Akkupack, das seinen 200 kW starken Elektro-Rennwagen antreiben soll, wird vom Schnellladegerät nicht ordnungsgemäß mit Strom versorgt. Das geht nun schon seit Stunden so, ein halber Trainingstag ist bereits verloren. Und ohne Strom sitzt ein Elektro-Rennwagen auf dem Trockenen, wie ein Formel-1-Auto ohne Benzin. Am Ladegerät liegt es nicht, das ist bereits klar. Da eine präzise Fehlerdiagnose vor Ort nicht möglich ist, soll die Batterie jetzt ausgebaut werden - was wiederum bedeutet, dass die Techniker das Auto komplett zerlegen müssen. Ratschen knarren, rote Kühlflüssigkeit fließt ab - übrig bleibt ein skelettierter Rennwagen, den die Mechaniker innerhalb von 30 Minuten aber wieder in einen fahrtüchtigen Zustand versetzen können.

Nick Heidfeld ist einer von gleich mehreren prominenten Rennfahrern, die in dieser Saison in der Formula E starten, der neuen FIA-Rennserie für rein elektrisch angetriebene Formel-Fahrzeuge. Das Malheur mit dem Akkupack nimmt Heidfeld sportlich, wenngleich ihm die Verärgerung über den Zeitverlust beim Trainingsauftakt der Formula E im britischen Donington Park doch anzumerken ist. Denn er will endlich auf die Strecke, schließlich ist es für alle Fahrer die erste Gelegenheit, die noch fabrikneuen Formula-E-Rennwagen unter Wettkampfbedingungen zu testen. Aber nach drei Jahrzehnten Motorsport - davon elf Jahre in der Formel 1 - weiß der gebürtige Mönchengladbacher auch, dass nicht immer alles auf Anhieb klappt, wenn eine neue Rennserie an den Start geht. Und in der Formula E ist eben vieles neu.

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Formula-E-Rennwagen von China Racing beim Einbiegen auf die Zielgerade in Donington Park. Im Qualifying dürfen die Fahrer eine Maximalleistung von 200 kW abrufen – bei den Rennen sind standardmäßig aber nur 133 kW erlaubt.

"Vergiss alles, was du bisher über Autorennen gewusst hast. Die Formula E ist komplett anders", sagt beispielsweise Katherine Legge vom Team Amlin Aguri. Die Britin ist eine von zwei Frauen in der Formula E und kann ebenfalls auf langjährige Rennerfahrung unter anderem in der DTM und der amerikanischen IndyCar-Series zurückblicken. Mit dem Anderssein meint Legge nicht nur den Sound der Formula-E-Rennwagen, der beim Erreichen der Höchstgeschwindigkeit von rund 225 km/h an das Sirren von Turbinen startender Düsenjets erinnert - ohne dabei jedoch den typischen Geruch von verbranntem Treibstoff und Öl zu verbreiten. Die Formula E ist vor allem deshalb anders, weil sie neue Prioritäten setzt: Entscheidend für Sieg oder Niederlage ist nicht mehr der Bleifuß auf dem Gaspedal, sondern ein perfektes Zusammenspiel von hoher Geschwindigkeit, geringem Stromverbrauch und maximaler Energierückgewinnung.