Am Anfang war der Sport
Kawasaki und Honda haben es erfolgreich vorgemacht, nun zieht endlich auch Yamaha mit einem sportlichen Motorrad für (Wieder-)Einsteiger nach. Die neue R3 bringt dabei optisch wie technisch alle nötigen Zutaten für einen Erfolg mit
- Ingo Gach
Neuss, 27. Oktober 2014 – Nun entdeckt auch Yamaha sein Herz für die sportliche Einsteigerklasse. Nachdem der zweitgrößte Motorradhersteller in den vergangenen Jahren zumindest auf dem deutschen Markt bedenklich geschwächelt hatte, gibt er jetzt wieder Vollgas. Mit den beiden Bestsellern MT-07 und MT-09 legte die Marke mit den drei gekreuzten Stimmgabeln eine Punktlandung hin, denn die zwei Naked Bikes verkaufen sich prima. Doch in der EU gilt der Stufenführerschein, der für Neueinsteiger über 18 Jahre die Leistung auf 35 kW (48 PS) begrenzt. Natürlich kann man viele Modelle mit großem Hubraum entsprechend drosseln, aber die künstlich kastrierten Motoren laufen danach oft unwillig und manche schleppen zudem ein Gewicht zwischen vier und fünf Zentnern mit sich herum. Der Fahrspaß bleibt da auf der Strecke.
Die R3 kommt spät
Dabei wünschen sich Anfänger ein schlankes Bike mit einer harmonischen Leistungsentfaltung aus einem ungedrosselten Motor. Genau in die Lücke stach Kawasaki schon 2008 mit der Ninja 250. Sie war zur Verblüffung des Herstellers in Europa rasch ausverkauft und so stiegen die Import-Stückzahlen für den EU-Markt deutlich. Honda zog mit der CBR250R drei Jahre später nach. Beide Hersteller stockten die Hubräume inzwischen auf knapp 300 cm3 auf. KTM schickte zu Beginn des Jahres die RC 390 ins Rennen – mit 373 cm3 und 44 PS bislang der Platzhirsch.
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Von dem Kuchen will sich Yamaha nun mit der YZF-R3 auch ein nicht zu knappes Stück abhaben. Sie kam völlig überraschend und wurde nicht auf der Intermot vorgestellt. Offensichtlich wollte Yamaha nicht bis zur EICMA Anfang November warten, um sie zu präsentieren.
Komplette Neukonstruktion
Die R3 ist eine komplette Neukonstruktion. Schon allein diese Tatsache beweist, wie wichtig der Markt der kleinen Sportbikes den Herstellern geworden ist. Bereits rein optisch hat die R3 das Zeug zum Verkaufserfolg, sieht sie doch aus wie eine kleine Ausgabe des Superbikes R1. Eine schnittige Vollverkleidung, ein knappes Heck und eine schlanke Taille machen sie schon im Stand schnell. Der Laie dürfte in ihr erst einmal mehr PS vermuten als die tatsächlich vorhandenen 42. Dennoch wird wohl kaum ein Einsteiger von der Leistungsfähigkeit enttäuscht sein: Ihr Beschleunigungsvermögen von 0 auf 100 km/h liegt bei rund sechs Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit bei etwa 170 km/h. Ihr großer Vorteil wird die gutmütige Beherrschbarkeit sein, schließlich wiegt sie nur 169 Kilogramm bei vollem 14-Liter-Tank. Das Gewicht darf übrigens nicht geringer sein, muss sie doch nach den A2-Führerscheinvorgaben ohne Benzin mindestens fünf Kilogramm pro kW auf die Waage bringen. Das wären 154,5 Kilogramm – ein Limit, das sie abzüglich des Sprits fast erreichen dürfte.