Flüstern 2.0
Opel verspricht mit einem neuen 170-PS-Diesel im Insignia mehr Kraft bei geringerem Verbrauch und weniger Lärm als bisher. Dafür wurde einiges getan. Eine erste Probefahrt sollte zeigen, wie erfolgreich Opel an den bisherigen Schwächen gearbeitet hat
- Patrick Broich
Dublin, 27. Februar 2015 – Beim Thema Dieselmotor sah Opel in der jüngeren Vergangenheit gegenüber einigen Modellen der Konkurrenz nicht gut aus. Mein Eindruck eines Zweiliter-Diesel im ansonsten gelungenen Cascada liegt schon einige Zeit zurück. Er offenbarte eine ungewöhnlich große Anfahrschwäche und vor allem eine nicht mehr zeitgemäße Geräuschkulisse. Beides macht der von Opel „Flüsterdiesel“ genannte, moderne 1,6-Liter-Vierzylinder erheblich besser. Diesen Schritt will die Marke nun auch bei den Zweiliter-Dieselmotoren vollziehen. Wir konnten uns schon einen ersten Eindruck der 170-PS-Maschine im Insignia verschaffen.
Kraft, Verbrauch, Lärm
Im Gegensatz zum von Grund auf neu entwickelten 1,6-Liter basiert der Zweiliter noch auf der alten „Family B“-Generation, jener Motorenbaureihe, die General Motors zusammen mit Fiat entwickelt hat. Mehr Kraft bei weniger Verbrauch und Lärm standen im Lastenheft ganz oben. Der Motorblock aus Grauguss hat die gleichen Maße, analog zum Vorgänger sind es exakt 1956 Kubikzentimeter. Die Literleistung liegt mit 87 noch einmal zwei PS über dem 1,6-Liter-Diesel. Mit 170 PS und 400 Nm liegt die neue Maschine nur knapp über den Werten des Vorgängers. Die Ingenieure gestalteten die Brennräume und die Einlasskanäle neu. Der maximale Einspritzdruck liegt nun bei 2000 bar.
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Die Leitschaufeln für die jetzt einzeln ausgewuchteten Schaufelräder im Turbolader werden nicht mehr wie bisher mit einer Unterdruckdose verstellt, sondern elektrisch. Zudem wurde der Turbolader noch näher an den Zylinderkopf gerückt. Opel verspricht sich davon einen schnelleren Druckaufbau und in der Folge ein rund 20 Prozent schnelleres Ansprechverhalten. Mit Erfolg: Das in der alten Maschine deutlich spürbare Turboloch ist beim neuen Diesel kaum noch vorhanden. Eine Wasserkühlung und ein separater Ölfilter für den Lader sollen dessen Lebensdauer erhöhen.
Ein Ziel der Neuentwicklung war eine zeitgemäße Geräuschkulisse. Um das früher so typische Nageln so weit wie möglich zu reduzieren, kann die Einspritzmenge pro Verbrennungszyklus auf bis zu zehn Einzeleinspritzungen aufgeteilt werden. So steigt und fällt der Druck im Brennraum weniger abrupt, was zu einem leiseren Verbrennungsgeräusch führen kann. Der Zahnriemen bekam eine neu gestaltete Verzahnung, die Befestigungspunkte seiner Verkleidung wurden vom Motorgehäuse entkoppelt.