Zwischenstromland
Elektroautofahren ist schön, aber mehr als 100 Kilometer gehen sich nur mit Zittern aus. Was einem Autotester im neuen Elektro-Golf auf einer kurzen Winterreise so alles durch den Kopf geht, sind notwendigerweise Gedanken zur E-Mobilität über den Zylinderkopf hinaus
- Rudolf Skarics/Autorevue
Wien, 5. März 2015 – Die E-Mobilität ist im Volk(swagen) angekommen. Wir dürfen sie also ernst nehmen. Die Probleme sind aber deswegen noch nicht bewältigt. Weil es ja nicht nur um Autos geht, wenn man über Elektroautos spricht. Es geht um das ganze Verständnis von Mobilität. Der größte Applaus zum Elektroauto kommt ja von Leuten, die mit dem Autofahren noch nie viel am Hut hatten. Und wir Automenschen? Nichts würden wir lieber tun, als das Gleiche wie bis jetzt, nämlich einfach Autofahren, nur eben elektrisch. Denn elektrisch Autofahren ist schön. Das durften wir schon in den ersten Anläufen erleben, mit einem Mitsubishi i-MiEV, mit einem Renault Fluence Z.E., mit einem BMW i3 und noch einigen anderen, inklusive Tesla. Man darf ja nicht glauben, dass wir Autotester immer nur im geistigen Viertakt schwingen, wir erlauben uns schon auch, über den Zylinderkopf hinaus zu denken.
Die E-Begeisterten sind tendenziell eher autofern
Ich sitze nun also in einem Golf, mit allen Erwartungen, die ein VW Golf bei seinem Fahrer auslöst, und das sind nicht wenige. Gemäß den Ansprüchen seiner akribischen Erzeuger zeigt er auch keine Schwächen, ganz im Gegenteil, selbst die wirklich schwierigen Punkte wurden bravourös gemeistert. Kein Quietschen, kein Surren, kein Klingeln und schon gar kein Scheppern. Der Wagen schnürt die Straßen entlang – leise, sehr leise, noch leiser als wir es bisher gewohnt waren. Der Schub des Elektromotors vermittelt eine Selbstverständlichkeit der Fortbewegung, eine Leichtigkeit, die etwas von Unendlichkeit in sich trägt. Und genau hier hakt es gewaltig. Das Vergnügen, das sich so erhebend anlässt, ist ein begrenztes, ein kurzes. Themenwechsel, bevor ich hier ins Lamentieren über mangelnde Reichweite kippe.
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Elektromobilität ist etwas strategisch ganz groß Angelegtes, in Deutschland, in Europa, in China, auf der ganzen Welt – so auch in Österreich. Es geht um globale Energiepolitik, um Mächteverteilung und Technologiewettlauf. Hören wir nicht ständig, Deutschland, ja ganz Europa, hätte sich in diesem Sinne gröbste Versäumnisse anzulasten? Tatsächlich lag Europas technologischer Forschungsfokus in der Vergangenheit nicht unbedingt auf Elektrochemie. Dass der Zug für europäische Hersteller deshalb abgefahren wäre, und wir in Sachen Batterien nur mehr auf Chinesen angewiesen wären, ist trotzdem Humbug.