Der Klassiker

BMW suchte für die Bodensee-Klassik-Rallye noch einen Beifahrer für eins der wenigen top erhaltenen BMW-Coupes der "Neuen Klasse" aus den Sechzigern: einen BMW 2000 CS. Wer könnte da widerstehen? Wir nicht

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Klassiker, BMW
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Inhaltsverzeichnis

Ich liebe Frühlingstage voll kleiner Landstraßen, auf denen glitzernd polierte Oldtimer in Konvois irgendwohin fahren. Als Connaisseur kleinster Sträßchen mit der Duke sehe ich jedes Jahr sehr viele davon. Meistens kleben Papper irgendwelcher Klassik-Rallyes auf den Blechen. Wieso Leute das fahren, hat sich mir nie so recht erschlossen, denn wahrscheinlich tun sie es ja nicht ausschließlich, um mir auf der Duke eine Freude zu machen. Wie bei allen Dingen gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit, wirklich zu verstehen, warum andere Menschen das tun: Man muss es selber wenigstens ein Mal probieren.

Diesen Frühling hat die Duke also noch keine Klassik-Rallye gesehen, aber ihr Fahrer nimmt an einer teil: der Bodensee Klassik. Benjamin Voss, vorher Pressesprecher der Motorradsparte, hat kürzlich ins Auto-Klassik-Lager gewechselt und sucht einen Beifahrer für eins der wenigen top erhaltenen BMW-Coupes der "Neuen Klasse" aus den Sechzigern: einen BMW 2000 CS in einem wunderbaren Talisker-Dunkelblau. Interessantes Auto, sozialverträglicher Beifahrer, herrliche Gegend, kurze Entscheidungszeit: Machen wir.

Der Klassiker (25 Bilder)

Wer den 2000 CS als Yacht begreift, kann auch mit seiner Gestaltung etwas anfangen.
(Bild: BMW (alle))

Über den 2000 CS hatte ich vorher schon einiges gelesen, die übliche Einordnung bei Wikipedia, die üblichen Glanzartikel in Klassikheftchen. Ich fand dieses Auto immer interessant, obgleich diese Karosserie sehr, sehr weit von klassischen Schönheitsidealen entfernt gestaltet wurde. Was mir die Vorsondierungen nicht verraten haben, war diese herrliche Bootsanmutung des Autos, die vor allem vom Innenraum ausgeht, doch von dort, einmal gesehen, jedes Detail des Autos maritim vorbelegt.

Dieses Armaturenbrett! Ein Holzfurnier zieht sich über die Kabinenbreite, mit einer offenen Holzablage vor dem Beifahrersitz. Silberne Lüftungslamellen in runden Fassungen auf dem Holz leiten die Luft, und obwohl sie aus Plastik bestehen, könnten sie genau so über der Kombüsenecke der Yacht angebracht sein. Gelenkt wird die Landyacht über ein Steuerrad aus schwarzem Kunststoff, groß, aber dünn und mit einem verchromten Stahlbügel als Auslöser der klangvollen Trompete vorne unter der Haube. Die Crew sitzt auf loungigen Ledersesseln, die BMW wahrscheinlich vor nicht allzu langer Zeit neu hat beschlagen lassen, denn sie wirken fast unbenutzt. Gurte gab es fürs Baujahr 1967 bei BMW noch nicht. Stattdessen gab es als Sicherheits-Feature perfekte Rundumsicht. Dürre A-Säulen, nonexistente B-Säulen, ein Panorama von Heckscheibe. Sind die Fenster alle versenkt, stehen die Kabinenflanken in ganzer Länge offen. Ich kenne kein schöneres Auto-Interieur, weder von BMW noch sonstwem.

Und wie gesagt: Wer das Innenleben gesehen hat, wird das Außen neu bewerten. Die glatte Front wird zu einem Bug, der flache Kofferraum zum Achterdeck, und wenn statt BMW "Riva" draufstünde, es würde kaum verwundern. Eigentlich hat sich der Trip schon allein für diese neue Eichung des CS gelohnt.

Ankunft im Hotel. Benni der Navigator sitzt unten auf der Hotelterrasse, konzentriert über dem Roadbook. Er wirkt, als wolle er hier etwas reißen. Solche Illusionen muss man Begleitern von Berichterstattern frühzeitig nehmen. "Wir müssen schon ab und zu mal anhalten für Fotos", beginne ich vorsichtig. "Die Rallye-Ergebnisse müssen da im Zweifel immer hintenanstehen." Benni winkt gleich ab: "Solange wir nicht Letzter werden, ist alles gut." Und nachdem der Kollege Kai im Rolls Royce mitfährt, in erklärter Absicht, die schwarze Piratenflagge für die meisten Strafpunkte abzuräumen, dürfte das Problem vom Tisch sein.